Albrecht der Bär – Der Begründer der Deutschen Ostexpansion

Albrecht der Bär wurde um das Jahr 1100 geboren. Sein Vater war Graf Otto von Ballenstedt, seine Mutter Eilika von Billung [1]. Über Albrechts Beinamen DER BÄR gibt es heute mehrere Erklärungsversuche. Einer Überlieferung nach wurde Albrecht in Bernburg an der Saale, der Burg des Bären, geboren. Einer anderen Überlieferung nach bekam er den Beinamen als Gegenpol zu Heinrich dem Löwen. Einer der mächtigsten Zeitgenossen Albrechts war Lothar von Supplinburg, Herzog von Sachsen und späterer deutscher König und Kaiser. Albrecht der Bär wurde 1125 durch Herzog Lothar als Markgrafen der Lausitz eingesetzt.

Bild: Grabmahl Albrechts des Bären im Schloss zu Ballenstedt. Das Grabmahl wurde 1938 durch den Architekten Paul Schulze-Naumburg umgebaut. Markgraf Albrecht galt als Vorreiter der Ostpolitik des Tausendjährigen Reiches.

Bild: Grabmahl Albrechts des Bären im Schloss zu Ballenstedt.
Das Grabmahl wurde 1938 durch den Architekten Paul Schulze-Naumburg umgebaut. Markgraf Albrecht galt als Vorreiter der Ostpolitik des Tausendjährigen Reiches.

Albrecht war sehr ehrgeizig und wollte auch noch die sächsische Nordmark an sich bringen, was wiederum einige Adlige gegen ihn aufbrachte. Die damalige Nordmark umfasste das Gebiet der heutigen Altmark und wahrscheinlich auch noch größere angrenzende Gebiete östlich der Elbe. 1129 kam es deshalb zu einem Krieg zwischen Albrecht und dem Grafen Udo von Freckleben. Albrecht konnte die Hildagsburg bei Wolmirstedt nördlich von Magdeburg besetzen. Albrecht nannte sich später auch Markgraf von Hildagsburg. Graf Udo wurde 1130 in der Nähe von Aschersleben erschlagen. Der 1525 zum König gewählte Lothar entzog Albrecht daraufhin die Lausitz.

Die Rache König Lothars währte aber nicht für lange Zeit. Bereits 1132 begleitete Albrecht seinen König nach Italien, wo Lothar zum Kaiser gewählt werden sollte. Auf dieser Reise starb (oder fiel?) Konrad von Plötzkau, der nach Udo von Freckleben über die Nordmark herrschte. Lothar übertrug die Nordmark sofort an Albrecht den Bären. In den folgenden Jahren konnte Albrecht sein Machtgebiet durch Feldzüge beträchtlich nach Osten ausweiten.

Nach dem Tode Lothars von Supplinburg im Dezember 1137 wurde im März 1138 Konrad III. von Staufen zum deutschen König gewählt. Hoffnungen auf den Königsthron hatte sich aber auch der Welfe Heinrich der Stolze gemacht. Heinrich der Stolze war mit einer Tochter Lothars verheiratet und hoffte so, den Königsthron und die sächsische Herzogswürde einfach zu erben. Da Konrad III. seine Macht schützen musste, verlieh er Albrecht die sächsische Herzogswürde.

Daraufhin kam es zu erbitterten Kämpfen zwischen Heinrich dem Stolzen und Albrecht dem Bären, in deren Verlauf die Welfen siegten und Albrecht aus Sachsen vertrieben wurde. 1139 starb Heinrich der Stolze und die Parteigänger der Welfen kürten seinen Sohn Heinrich den Löwen zum Sachsenherzog. Albrecht wurde zum Verzicht auf die Herzogswürde gezwungen. Mit Heinrich dem Löwen sollte Albrecht später immer wieder Auseinandersetzungen haben.

Albrecht der Bär richtete seine Politik nun gänzlich in die von den slawischen Wenden besiedelten Gebiete östlich der Elbe aus. Im Jahre 1147 führte er einen Kreuzzug gegen die noch nicht missionierten Wenden an. Interessanterweise vererbte 1150 der Wendenfürst Pribislaw seine umfangreichen Ländereien im heutigen Brandenburg an Albrecht. Diese Erbschaft wurde Albrecht aber erst einmal strittig gemacht, denn der Wendenfürst Jaxa besetzte diese Ländereien. Erst sieben Jahre später konnte Albrecht gemeinsam mit dem Erzbischof Wichmann von Magdeburg seine von Pribislaw geerbten Gebiete zurückerobern und die Markgrafschaft Brandenburg gründen.

Bald kam es wieder zum Streit zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen: beide beanspruchten die Grafschaften Plötzkau und Winzenburg. Kaiser Friedrich I. Barbarossa persönlich schlichtete diesen Streit, indem er Albrecht die Grafschaft Plötzkau und Heinrich die Grafschaft Winzenburg übertrug. Für den ehrgeizigen Albrecht war die Sache aber damit nicht abgetan. Allerdings bot sich erst 1166 eine günstige Gelegenheit – Kaiser Barbarossa war auf einem Kreuzzug ins Heilige Land – gegen Heinrich den Löwen loszuschlagen. Gemeinsam mit Ludwig von Thüringen und Wichmann von Magdeburg belagerte Albrecht die Burg Haldensleben. Im folgenden Jahr konnte das Bündnis gegen Heinrich sogar noch ausgeweitet werden, so dass im wesentlichen der gesamte norddeutsche Raum gegen den Welfen im Krieg standen. Dennoch konnte sich Heinrich durchsetzen und der Kaiser vermittelte 1168 nach seiner Rückkehr zwischen beiden Parteien.

Im Juni 1170 konnte der Kaiser Heinrich und Albrecht endgültig versöhnen. Aber bereits kurze Zeit später, im November des gleichen Jahres, starb Albrecht der Bär. Über die Umstände seines Todes ist heute nichts mehr bekannt. Albrecht der Bär wurde im Kloster Ballenstedt, dem heutigen Schloss, bestattet. Sieben Söhne und drei Töchter überlebten ihn, die männliche Nachkommen bekamen je einen Teil seines großen Gebietes.

Seine unbestrittene Leistung besteht in der Urbarmachung und Besiedelung großer ehemals sumpfiger und unfruchtbarer Gebiete östlich der Elbe. Dazu warb er Siedler aus Holland und Flandern an. Diese Leute wohnten in den Burgen und Siedlungen der Wenden. Durch den Fleiß und die Erfahrung der Siedler konnten die Erträge gesteigert werden. Die Erlöse aus den Zehnten stiegen stark an, was den Kirchen in den neu besiedelten Gebieten einigen Reichtum brachte.

  1. Die Billunger hatten bis 1106 die sächsische Herzogswürde inne. Beim Tode von Eilikas Vater, Magnus von Billungen, war kein männlicher Erbe da und das Geschlecht starb aus. []

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