Eisleben – Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd

In der Lutherstadt Eisleben findet der interessierte Besucher im Neubaugebiet südlich der Magdeburger Straße das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd. Das Denkmal wurde im Jahre 1998 von den Bildhauern Ute Appelt-Lillack und Siegfried Appelt erschaffen. Es symbolisiert die drei Säulen des vergangenen Mansfelder Kupferbergbaues: den Hunt, den Stollen (oder: Stolln) und das Grubenpferd. Leider hat die Substanz diese Denkmals sehr gelitten. Der Stolln ist mit einem miserabel gemachten Graffitti beschmiert und am Hunt ist eine Ecke abgeschlagen.


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Diese drei Säulen hatten für den Bergmann im Mansfelder Revier eine besondere Bedeutung:

  • Der Stollen (oder Stolln) sicherte die wirtschaftliche Existenz ganzer Generationen von Bergarbeiterfamilien. Gleichsam war es der Ort, an dem der Bergmann einen großen Teil seines Lebens verbrachte. Der Ausbau des Stollens schützte den Bergmann vor Steinschlägen und Felseinbrüchen, seine Sole führte unerwünschte Grubenwässer ab.
  • Der Hunt diente zum Transport des Kupferschiefers unter Tage.
  • Das Grubenpferd wurde zum Ziehen der Hunte verwendet. Es war für lange Zeit die einzige Arbeitserleichterung, die der Bergmann hatte und somit auch oft der „Kumpel auf vier Hufen“. Das Leben der Grubenpferde war hart, denn sie hatten schwere Arbeit zu verrichten. Sie waren zudem gezwungen ihr Leben unter Tage zu fristen: ohne Sonnenlicht und in feuchter und zugiger Luft! Das letzte Grubenpferd des Mansfelder Revieres wurde erst 1940 außer Dienst gestellt [1].

Aus dem Ruhrgebiet ist ein einfühlsames Gedicht über das schwere, kurze und freudlose Leben der Grubenpferde überliefert, das beim Lesen auch noch heute Gänsehaut aufkommen lässt.

Paul Zech: Das Grubenpferd
So schwarz weint keine Nacht am schwarzen Gitter,
wie in dem schwarzen Schacht das blinde Pferd.
Ihm ist, als ob die Wiese, die es bitter
in jedem Heuhalm schmeckt nie wiederkehrt.
Es wittert durch das schwarze Fleisch der Steine
den Tod, und sieht ihn mit den toten Augen an,
und ist mit ihm die ganze Nacht alleine
und geht nur widerwillig ins Gespann.
Der Knabe, der es durch die Gänge treibt,
will es mit Brot und Zucker fröhlich machen.
Es kann nicht mehr wie andere Pferde lachen,
in seinen Augen wurmt die Nacht und bleibt.
Nur manchmal, wenn mit dem Geruch von Laub
waldfrisches Holz nach unten wird gefahren,
hebt es den Kopf und beißt sich in den Haaren
des Knaben fest und stampft ihn in den Staub.
Im Berg, die schwarze Wetternacht,
schlägt Funken aus den Hufen
und ehe noch die Notsignale rufen,
hat sich das blinde Pferd verhundertfacht.
Und rast durch schwarzer Schächte Labyrinth
und stürzt im Fliehn die steile Felsentreppe
herab und wiehert durch die grüne Steppe,
auf der die toten Pferde mächtig sind.

Auch über Tage leisteten Pferde im Mansfelder Revier bis zum Einsatz von dampf- bzw. elektromotorbetriebenen Pumpen unschätzbare Arbeit durch den Antrieb der Göpel zur Wasserförderung aus den Schächten. Viele Jahrhunderte waren Pferde damit der Garant für die Wasserhaltung in den Schächten. Ihr Leben war – auch wenn sie gelegentlich die Sonne sahen – noch härter und kürzer als das der Grubenpferde.

 

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Das Denkmal Hunt, Stolln und Grubenpferd in der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Detailansicht Grubenpferd.

Bild: Detailansicht Grubenpferd.

Bild: Detailansicht Stolln.

Bild: Detailansicht Stolln.

  1. Die Grubenpferde in den Schächten des Mansfelder Reviers hatten zu ihrem Glück bei weitem nicht die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Leidensgenossen in den Schächten des Ruhrgebietes. In den Mansfelder Schächten kamen vor dem Ersten Weltkrieg pro Tag nur etwa 300 Pferde zum Einsatz, im Ruhrgebiet waren es bis zu 60.000! Das letzte Grubenpferd des Ruhrgebietes, der Hengst Tobias, durfte am 22. Juni 1966 die Zeche „General Blumenthal“ in Recklinghausen verlassen. Das Pferd hatte siebzehn Jahre unter Tage Dienst getan! Es lebte noch weitere drei Jahre auf einem Bauernhof. Der Transport aus dem Schacht und die Eingewöhnung an ein Leben über Tage gestaltete sich für Tobias und seine Pfleger außerordentlich schwierig. []

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