Eisleben – Das Martin Luther Denkmal auf dem Markt

Auf dem Markt der Lutherstadt Eisleben befindet sich unmittelbar unter dem historischen Rathaus ein imposantes Denkmal, mit dem die Stadt ihren wohl berühmtesten Sohn, den Reformator Dr. Martin Luther, ehrt. Von der ersten Planung bis zur Weihe des Denkmales zum 400. Geburtstages Luthers am 10. November 1883 verging eine lange Zeit. Bereits Anfang des Jahres 1801 wurde eine Königlich-Preußische-Vaterländische-Literarische Gesellschaft in der Grafschaft Mansfeld mit dem Ziel dem Reformator Dr. Martin Luther zum 300. Jubiläum des Thesenanschlages im Jahre 1817 ein Denkmal zur errichten.


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Dies war ein nicht gerade einfaches Unterfangen, denn die Grafschaft Mansfeld gehörte damals zwei Oberlehensherrren: drei fünftel der Grafschaft gehörten zu Kursachsen und zwei fünftel zu Preußen – ein Problem, das wegen der Kleinstaaterei in Deutschland vor der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 allgegenwärtig war [1]. Die Mitglieder der Gesellschaft waren im wesentlichen die Honoratioren der Stadt Hettstedt und der näheren Umgebung, eine kleine aber feine Gesellschaft von 25 Personen. In ihr waren der Herr von Dacheröden genau so vertreten wie der Oberbergrat Bückling. Den Vorsitz übernahm der Prediger Schnee aus Großörner.

Das Denkmal Martin Luthers sollte durch den Verkauf einer bunten Zeitung mit dem Namen GESCHICHTE DER GRAFSCHAFT MANSFELD finanziert werden. Doch dazu kam es nicht, aus welche Gründen ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Erst als ein Bürger aus Schöningen bei Helmstedt am Elm in Zeitungen um Spenden für die Errichtung eines Luther-Denkmals in Helmstedt – einer Stadt, die nun wirklich nichts mit Martin Luther zu tun hatte – warb, kam wieder Bewegung in das Projekt. Aufgeschreckt durch den Spendenaufruf verkündete die Gesellschaft in einem dramatisch abgefassten Aufruf, das sie die älteren Rechte am Lutherdenkmal habe und das dieses unbedingt in der Grafschaft Mansfeld stehen müsse. Zugleich wurde dazu aufgerufen, Spenden zu entrichten und Vorschläge für die Ausführung des Denkmals einzureichen.

Im März des Jahres 1804 wandte sich die Königlich-Preußische-Vaterländische-Literarische Gesellschaft schriftlich an den König von Preußen „mit der unterthängsten (!) Bitte, sie dazu zu autorisieren, sie dabei zu schützen, den eingehenden Geldern Portofreiheit in preußischen Landen zu gestatten und zu erlauben, daß (!) die Gelder bis zu ihrer Verwendung gegen gewöhnliche Zinsen in der Bank zu Magdeburg niedergelegt werden dürfen“. König Friedrich Wilhelm III. antwortete nicht nur wohlwollend, sondern spendete auch noch 100 Friedrichdor. Weitere Vertreter namhafter Adelshäuser – auch aus Süddeutschland – folgten mit ebenfalls großzügigen Spenden.

Bis zum Jahre 1805 gingen nach dem Aufruf der Gesellschaft 19 Entwürfe für das Lutherdenkmal ein. Darunter befanden sich auch Studien von hochkarätigen Architekten wie Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottfried Schadow und Leo von Klenze. Als die Entwürfe 1806 von einer Kommission begutachtet wurden kam jedoch keiner der oben genannten Architekten in die nähere Auswahl. Den Zuschlag erhielt der Entwurf des Professors Friedrich Weitsch. Weshalb ist heute nicht mehr nachvollziehbar, denn das Konzept war – wie zeitgenössische Bilder zeigen – protzig und künstlerisch ausgesprochen unästhetisch. Anstelle eine Denkmales war von Professor Weitsch ein hoch aufgeschütteter und bewaldeter Hügel in Verbindung mit einem Bau an seinem Fuße angedacht.

Bis zum 25. Mai 1807 hatte die Gesellschaft Geldmittel im Wert von 22.887 Talern gesammelt. Dieses Geld wurde bei einer Bank in Magdeburg für einen Zinssatz von 2.,5 Prozent angelegt. Die Zeitläufe waren jedoch ausgesprochen ungünstig, denn Preußen und Frankreich befanden sich im Krieg und Preußen selbst hatte mit dem Frieden von Tilsit herbe Gebietsverluste hinzunehmen. Eisleben wurde, wie auch Magdeburg, Teil des zu Frankreich gehörenden Königreiches Westphalen – Royaume de Westphalie – unter Jérôme Bonaparte, dem jüngeren Bruder Napoleon Bonapartes.

Das angelegte Geld wurde in eine ANLEIHE ZUR LIEFERUNG DER BEDÜRFNISSE DER FRANZÖSISCHEN ARMEE gewandelt, übrigens zu einem Zinssatz von 4 Prozent. Diese Unterstützung des Feindes Frankreich hat der Gesellschaft möglicherweise später sehr geschadet. Erst wertete Jérôme Bonaparte die Schuldscheine ab. Nach dem Wiener Kongress, aus dem Preußen deutlich gestärkt hervorging und seine alten Gebiete zurück bekam sowie neue Territorien erhielt, wandelte der König von Preußen die westfälischen Schuldschein in preußische um, allerdings ohne die Abwertung zurückzunehmen.

Friedrich Wilhelm III. bestimmte Schinkel und Schadow dazu, sich um ein würdiges Denkmal für den Reformator Dr. Martin Luther zu kümmern. Schinkel und Schadow verwarfen das Konzept von Prof. Weitsch. Es sollten aber Verhandlungen mit der Gesellschaft in Eisleben aufgenommen werden. Mittlerweile wurden auch der Mansfelder Seekreis mit Sitz in Eisleben und der Mansfelder Gebirgskreis mit Sitz in Mansfeld gegründet. In beiden Städten hatte Martin Luther gelebt, beide Städte gehörten zu Preußen – und beide Städte konnten sich nicht über einen Standort für ein Denkmal einigen. Friedrich Wilhelm III. entschied deshalb, dass ein Lutherdenkmal in Wittenberg errichtet wird, und zwar in Form einer Bronzestatue.

Bild: Die gusseiserne Kopie des Kopfes vom Wittenberger Lutherdenkmal steht vor dem Geburtshaus des Reformators in Eisleben.

Bild: Die gusseiserne Kopie des Kopfes vom Wittenberger Lutherdenkmal steht vor dem Geburtshaus des Reformators in Eisleben.

Als Tag für die Grundsteinlegung wurde der 31.10.1817 bestimmt. Die Gesellschaft in Eisleben wurde aufgefordert, die gesammelten Gelder samt aller aufgelaufenen Zinsen für das Denkmal in Wittenberg zur Verfügung zu stellen. In Eisleben war man über die Entscheidung des Königs tief betroffen, konnte aber nichts gegen die Entscheidung des Königs unternehmen. Auch wagte der Verein nicht, nochmals in der Bevölkerung der beiden Mansfelder Kreise um Spenden zu bitten. Für das Lutherdenkmal in Wittenberg wurde für die Statue der Entwurf von Johann Gottfried Schadow aus dem Jahre 1805 ausgewählt, Karl Friedrich Schinkel zeichnete den Sockel.

1821 war das Denkmal in Wittenberg fertig. Zur Denkmalweihe wurde niemand aus den beiden Mansfelder Kreisen eingeladen. Immerhin verweist aber eine Inschrift auf dem Sockel des Denkmals auf die Geldspende der Gesellschaft aus dem Mansfeldischen. Der Stadt Eisleben wurde eine gusseiserne Kopie des Kopfes von Martin Luther vom Wittenberger Denkmal übergeben. Diese Kopie steht vor dem Geburtshaus Martin Luthers in Eisleben. Die Königlich-Preußische-Vaterländische-Literarische Gesellschaft löste sich auf.

Im Laufe der Zeit wurden in verschiedenen Städten weitere Denkmale zu Ehren Martin Luthers errichtet. Erst im Jahre 1869 veröffentlichte ein Lehrer im EISLEBER TAGEBLATT einen Aufruf zur Errichtung eines Lutherdenkmales in Eisleben. Im Oktober des Jahres 1869 gründete sich in Eisleben ein VEREIN ZUR ERRICHTUNG EINES LUTHERDENKMALS IN DER STADT EISLEBEN. Es wurden erneut Spenden gesammelt. Als Termin für die Denkmalweihe wurde der 10.11.1883 – das ist der 400. Geburtstag Martin Luthers bestimmt. Die Geldspenden liefen großzügig ein, so dass bereits gegen Ende des Jahres 1875 ein kleiner Künstlerkreis aufgefordert wurde, Entwürfe für das Denkmal einzureichen. Die Modelle zum Lutherdenkmal wurden 1876 in Eisleben und danach 1877 in Berlin öffentlich ausgestellt. Den Zuschlag für das Eislebener Denkmal erhielt der namhafte Bildhauer Professor Rudolf Siemering, dessen Werke durch eine besondere Wirkung überzeugen.

Im April 1878 wurde ein Vertrag mit Siemering über die Lieferung des Lutherdenkmals abgeschlossen. Die Stadt Eisleben verpflichtete sich, als Austellungsort den oberen Teil des Marktes unmittelbar unterhalb des Rathauses zur Verfügung zu stellen. In Vorbereitung der Denkmalweihe wurde sogar der Markt neu gepflastert. Am 10. November 1883 wurde nach einem Festgottesdienst das Denkmal zu Ehren des großen Sohnes der Stadt feierlich enthüllt.

Die Ausdruckskraft des Denkmales ist auch heute noch beeindruckend. Sockel und Denkmal wirken wie aus einem Guss. Das Denkmal wurde von der Kunstgießerei H. Gladenbeck & Sohn aus Bronze abgegossen. Es wiegt etwa anderthalb Tonnen. Auch die vier Reliefplatten an den Seiten des Sockel sind aus Bronze stammen aus der gleichen Gießerei. Der Sockel wurde von der Berliner Granitschleiferei Kessel & Röhl meisterhaft aus schwedischem Granit hergestellt.

Die sowjetische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg hatte – sicher auch wegen des Lenindenkmals auf dem Plan – ein sehr gutes Verhältnis zu den Eislebern. Jedenfalls rührten die Sowjetsoldaten das Denkmal nicht an. Auch die Jahre der DDR überstand das Denkmal ausgesprochen gut. Im Jahre 1983 wurde – die SED besann sich wieder mehr auf alte Traditionen – Martin Luther zu seinem 500. Geburtstag auch in der DDR geehrt. In Vorbereitung der Feierlichkeiten wurde das Denkmal durch die Stadt Eisleben gründlich gereinigt. Bei der Reinigung stellte sich heraus, dass das Denkmal konserviert werden müsste. Die dazu erforderlichen finanziellen Mittel standen aber erst nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten im Jahre 1991 zur Verfügung.

Im November 1991 wurde mit der Demontage des Denkmales begonnen. Die Reliefplatten und das Denkmal wurden gründlich gereinigt und bekamen ein neues Finish. Dabei wurde auch das seit langer Zeit fehlende Siegel der Bulle neu gefertigt und am Denkmal angebracht. Der Sockel wurde von einer Spezialfirma ausgebessert und überschliffen. Das Ziergitter am Fuße des Denkmales wurde komplett erneuert. Im Sommer des darauf folgenden Jahres wurde das Lutherdenkmal neu aufgestellt. Die feierliche Einweihung des restaurierten Denkmales erfolgte am 10. August 1992 durch den damaligen Bürgermeister Peter Pfützner.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Bild: Das Lutherdenkmal auf dem Markt von Eisleben.

Zu den Reliefplatten am Lutherdenkmal zu Eisleben: Luther hält in der linken Hand die Bibel, die er fest an die Brust drückt. In der rechten Hand hat er dagegen die zerknitterte Bannbulle des Papstes. Der Blick des Reformators ist fest und entschlossen, der Kopf stolz erhoben. Martin Luther ist in der Tracht eines Geistlichen der Zeit der Renaissance dargestellt.

Bild: Martin Luther mit Bibel und päpstlicher Bulle. Lutherdenkmal in der Stadt Eisleben.

Bild: Martin Luther mit Bibel und päpstlicher Bulle. Lutherdenkmal in der Stadt Eisleben.

Auch die vier Reliefs auf den Seiten des Sockels sind von hoher künstlerischer Wirkung. Auf der Vorderseite – das ist die Ostseite – zeigt das Relief einen Engel, der dem Teufel ein Schild mit dem Wappen Martin Luthers in den Rücken rammt. Das Gesicht des Teufels ist schmerzverzerrt. Das Relief auf der Nordseite zeigt Luther im Disput mit Dr. Eck in Leipzig. Auch hier drückt Luther die Bibel fest an die Brust. Luthers Blick ist trotzig, währen Dr. Eck ein gewisses Entsetzen anzusehen ist.

Im Hintergrund ist der gekreuzigte Jesus zu sehen. Die Rückseite, also die Westseite, zeigt Martin Luther im Kreise seiner Familie in einem Haus. Luther hält eine Laute in der Hand. Seine Frau Katharina von Bora hält ein Kleinkind. Daneben sind noch zwei weitere Kinder zu sehen, von denen eines einen Ball und das andere ein Gesangsbuch hält. Alle drei Kinder blicken zu ihrem Vater auf [2]. Das südliche und vierte Relief zeigt Luther bei der Übersetzung der Bibel.

Bild: Die östliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die östliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die nördliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die nördliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die westliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die westliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die südliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

Bild: Die südliche Reliefplatte am Lutherdenkmal zu Eisleben.

 

Externe Links:
Johann Gottfried Schadow – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Schadow
Karl Friedrich Schinkel – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich_Schinkel
Rudolf Siemering – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Siemering
Lutherdenkmale – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Lutherdenkmal

  1. Es wurden nicht nur Grafschaften geteilt, auch Dörfer hatten unter der Teilung zu leiden. Ein gutes Beispiel sind die nur einen Steinwurf entfernten Ortsteile Abberode und Tilkerode. Abberode war Mansfeldisch, Tilkerode Anhaltinisch. Den Abberödern war es bei Strafe verboten, Bier aus Tilkerode in ihren Heimatort zu bringen. In Tilkerode Bier trinken durften sie aber. In Wolferode zum Beispiel ging die Grenze zwischen Sachsen und Preußen mitten durch das Dorf. Es gab unterschiedliche Maße, Münzen und Gesetze und politische Interessen der Landesherren. []
  2. Martin Luther hatte sechs Kinder. Die Familie hatte für Luther eine überragende Bedeutung. []

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