Ermsleben – Das ehemalige Kloster Konradsburg

Spricht man heute von der Konradsburg, ist damit ein seit uralten Zeiten besiedelter reizvoller Berg mit den Resten einer Burg, einer spätromanischen Kirche mit zugehöriger Krypta und Wohn- sowie Wirtschaftsgebäuden in der Nähe des Städtchens Ermsleben im Landkreis Harz gemeint. Der Berg wurde bereits in der Bronzezeit bewohnt, was durch zahlreiche Keramikfunde belegbar ist.


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Die Geschichte der Konradsburg als Burganlage begann bereits im frühen 11. Jahrhundert, als sich Adelsgeschlechter herausbildeten, die sich nach den von ihnen bewohnten Burgen benannten. Über Art und Umfang dieser frühen Burg ist nur wenig bekannt. Schon im 12. Jahrhundert gaben die Edelherren von Konradsburg ihren Stammsitz zugunsten der neu errichteten Burg Falkenstein wieder auf. Beide Burgen, Konradsburg und Falkenstein, stehen in einer engen geschichtlichen Beziehung. Der erste Herr auf der neu errichteten Burg Falkenstein war im Jahre 1120 ein Burchard II. von Falkenstein bzw. von Konradsburg. In einer Übergangszeit bis 1142 wurden beide Geschlechternamen verwendet, danach nur noch von Falkenstein. Ausschlag für die Errichtung der Burg Falkenstein und die Verlegung des Wohnsitzes dorthin dürfte die für eine Verteidigung günstigere Lage auf einem Bergsporn inmitten dichter Wälder gegeben haben. Die Konradsburg lag – wie sich noch heute anhand des Klosters unschwer erkennen lässt – deutlich offener.

Bild: Die Konradsburg bei Ermsleben.

Bild: Die Konradsburg bei Ermsleben.

Die Edlen von Konradsburg stifteten nach der Fertigstellung der Burg Falkenstein auf dem Gelände ihrer Stammburg bei Ermsleben das Kloster Konradsburg. Das Adelige im Hochmittelalter Klöster stifteten, ist nicht ungewöhnlich. Einerseits ließ sich mit der Stiftung eines Klosters das Recht auf eine Ausübung weltlicher Ämter, wie Rechtsprechung und Lehensverwaltung, erwerben. Zum anderen war diese Zeit durch tiefe Frömmigkeit gekennzeichnet. Bei den Edlen von Konradsburg könnte auch genau das ein Grund für die Stiftung gewesen sein. Egeno von Konradsburg, der Vater des bereits erwähnten Burchard, soll gegen Ende des 11. Jahrhunderts den Grafen Adalbert von Ballenstedt erschlagen haben. Rein wirtschaftliche Überlegungen werden wohl nicht den Ausschlag für die Klostergründung gegeben haben, denn die Herrschaft war Allodialbesitz, also echtes und vererbbares Eigentum der Familie.

Die Umwandlung der Burg in ein Kloster erfolgte wahrscheinlich in den Jahren zwischen 1120 und 1133. Das neue entstandene Kloster wurde dem heiligen Sixtus geweiht und mit Mönchen aus dem Benediktinerorden besetzt. Im Jahre 1133 wurde als Abt Adalbert urkundlich erwähnt. Die Blütezeit dieses Klosters lag in der zweiten Hälfte des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In diese Zeit fällt auch der Neubau der Klosterkirche. Die nächsten Jahrzehnte liegen jedoch wieder weitgehend im Dunkeln der Geschichte. Vermutlich haben die Benediktiner ihr Kloster schon bald wieder wegen Verarmung verlassen. 1476 oder 1477 sind Kartäusermönche aus Erfurt in das Kloster Konradsburg eingezogen. Doch auch die Kartäuser hatten nicht viel Glück mit der Konradsburg. Ihnen war eine größere wirtschaftliche Betätigung schon bei ihrer Ansiedlung durch den Bischof von Halberstadt untersagt worden. Während des Mitteldeutschen Bauernkrieges Im Jahre 1525 plünderten dann aufständische Bauern das Kloster und ein Teil des Klosters wurde niedergebrannt. Dabei wurden auch die Steuer- und Zinsregister vernichtet. Den Mönchen – die damit ihrer Existenzgrundlage beraubt waren – gelang nach dem Ende des Bauernkrieges nicht, den Klosterbetrieb fortzusetzen.

Deshalb vermachte der damalige Bischof von Halberstadt die Konradsburg dem Kloster Neuwerk bei Halle an der Saale. Das Kloster Neuwerk wiederum überließ es dem Kanzler Türck im Jahre 1530 als Erbzinsgut. Der Kanzler wohnte bis zu seinem Tode 1547 auf der Konradsburg. Dann ging das Kloster Konradsburg in Besitz der Edelherren von Hoym über, die mit dem Kanzler Türck verwandt war. Mit dem Aussterben der Familie von Hoym wurde das Kloster 1713 in eine preußische Staatsdomäne umgewandelt. Diese hatte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Bestand.

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung hat an der Bausubstanz deutliche Spuren hinterlassen. Im 18 und 19. Jahrhundert wurde die einzigartige Krypta der Klosterkirche als Schweinestall missbraucht. Erst mit dem Zeitalter der Romantik – in Deutschland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts – wurde diese unangebrachte Nutzungsform unterbunden. Kernstück des Klosters ist heute der bescheidene Rest der Klosterkirche mit ihrer Krypta. Diese weist einige sehr seltene Pfeiler mit Kapitellen auf.

Bilder: Das ehemalige Kloster Konradsburg bei Ermsleben.
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Der bauliche Reiz des Ensembles Konradsburg wird seit etwa 1980 – also zu einer Zeit als es im Osten Deutschlands als nicht opportun galt, sich für die Kirche einzusetzen – durch die Bürgerinitiative Förderkreis Konradsburg e.V. erhalten. Der gleiche Förderverein betreibt neben einem Forsthaus und einer Ziegelei noch eine Windmühle in Endorf. Der freundliche und sehr kompetente Müller zeigt und erläutert interessierten Gästen gern die Funktionsweise seiner Mühle.

Externe Links:
Die offizielle Website der Konradsburg
www.konradsburg.com
Die Benediktiner in Deutschland
http://www.benediktiner.de
Die Benediktiner – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Benediktiner
Die Benediktiner – ÖKUMENISCHES HEILIGENLEXIKON
http://www.heiligenlexikon.de/Orden/Benediktiner.htm
Die Kartäuser
http://www.chartreux.org
Die Kartäuser – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Kart%C3%A4user_(Orden)
Die Kartäuser – ÖKUMENISCHES HEILIGENLEXIKON
http://www.heiligenlexikon.de/Orden/Kartaeuser.htm

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