Die Entlohnung der Arbeiter im Mansfelder Revier in historischer Zeit

Die folgenden Schichtlöhne wurden im Jahre 1900 in den Betrieben der MANSFELDSCHEN KUPFERSCHIEFER BAUENDEN GEWERKSCHAFT an die jeweilige Berufsgruppe ausbezahlt (Quelle /1/ Seite 26). In Relation zu den Löhnen der Arbeiter muss man die Verbraucherpreise sehen, die um 1900 etwa die folgenden waren (Quelle /2/, Stand 17.07.2011). Die Angabe ist in Mark (Mk):
  • 1 Kilogramm Schweinefleisch - 1,50 Mk
  • 1 Kilo Pferdefleisch - 0,50 Mk
  • 1 Kilo Butter - 1,86 Mk
  • 1 Liter Milch - 0,20 Mk
  • 1 Kilogramm Roggenbrot - 0,23 Mk
  • 1 Kilogramm Weizenmehl - 0,36 Mk
  • 1 Kilogramm Zucker - 0,65 Mk
  • 1 Kilogramm Kaffee - 4,15 Mk
  • 15 Stück Eier - 0,73 Mk
  • 50 Kilogramm Kartoffeln - 2,63 Mk
  • 1 Liter Bier - 0,24 Mk
  • 1 Stuhl - 3,75 Mk
  • 1 Tisch - 8,75 Mk
  • 1 Herrenanzug - 10,00 bis 75,00 Mk
  • 1 Strickjacke - 1,00 bis 6,00 Mk
  • 50 Kilogramm Kohle - 1, 20 Mk

Bild: Bergmann und Hüttenarbeiter in Paradeuniform um das Jahr 1900.

Bild: Bergmann und Hüttenarbeiter in Paradeuniform um das Jahr 1900.
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Die Gehaltsempfänger - die Beamten der MANSFELDSCHEN KUPFERSCHIEFER BAUENDEN GEWERKSCHAFT - sind in der folgenden Tabelle nicht aufgeführt, auch nicht der Vorstand, die sogenannten Deputierten.

Betrieb
Beruf
Anzahl Arbeiter
Schichtlohn in Mark (Mk)
Bergbau
Häuer

6.080

2,50

Summe 13.860 Arbeiter
Lehrhäuer
Förderleute

2.680

2,00


Schlepper

930

1,80


Jungen

1.730

1,40


Kläuber

1.320

2,00


sonstige Arbeiter

220

2,00


Maschinenwärter
Schürer
Handwerker

800

3,00


Maschinenkontrolleure
Maschinenaufseher

100

3,50

Hütten
Hüttenarbeiter

420

2,50 - 2,80

Summe 2.355 Arbeiter
Kesselarbeiter
Förderleute
Hüttengehilfen 1. Kl.

1.352

2,20


Hüttengehilfen 2. Kl.

153

1,80


Hüttenjungen

179

1,20


Handwerker
Maschine

251

3,20 - 3,40

Bergwerksbahn
Bahnarbeiter (Vollöhner)

145

3,10

Summe 265 Arbeiter
Bahnarbeiter (Mittellöhner)

5

2,20


Bahnjungen 1. Kl.

15

1,20


Bahnjungen 2. Kl.

20

1,20


Reparaturhandwerker

80

2,90

Baubetriebe
Bauhandwerker

180

3,00

Summe 225 Arbeiter
Handlanger

35

2,80


Lehrlinge

10

1,50

Maschinenwerkstatt Saigerhütte
Arbeiter

260

3,50

Summe 360 Arbeiter
sonstige Arbeiter

10

2,30


Lehrlinge

90

1,50

sonstige Betriebe
Arbeiter im Kupferhammer

120

3,75

Summe 485 Arbeiter
Arbeiter in der Näpfchenfabrik

120

4,00


Forstarbeiter

155

2,00


Ziegeleiarbeiter

60

2,50


Chausseearbeiter

10

2,00


Geschirrführer

20

3,00

Summe 17.550 Arbeiter


Quelle: /1/ Seite 26


Das Verhältnis von Löhnen und Verbraucherpreisen zeigt, dass es für die Arbeiter der MANSFELDSCHEN KUPFERSCHIEFER BAUENDEN GEWERKSCHAFT wichtig war, dass sie ihr verbilligtes Deputat an Brotgetreide erhielten und die Möglichkeiten hatten, eigene Kartoffeln und eigenes Gemüse anzubauen. Für die Versorgung mit Milch und Fleisch war auch die Haltung einer Ziege - der sogenannten Bergmannskuh - von großer Wichtigkeit. Die Gewährung von billigen Krediten für die Schaffung von Wohneigentum durch die MANSFELD hatte auch weit mehr als symbolische Bedeutung.

Im Jahre 1900 fanden die Feiern zum 700. Jubiläum des Mansfelder Bergbau und Hüttenjubiläum statt. Für die Bewirtung der 4.000 an den Feierlichkeiten teilnehmenden Arbeiter wurden 3,00 Mk für verheiratete Männer sowie 2,00 Mk für alleinstehende Männer in den Gaststätten der Stadt Eisleben veranschlagt. Für Bergbeamte - also die untere und mittlere Führungsschicht - wurden 4,00 Mk veranschlagt. Der erlauchte Kreis der 700 hochgestellten Personen, die zum Festmahl in das Restaurant WIESENHAUS eingeladen war, beanspruchte immerhin 20,00 Mk pro Person - Wein und Zigarren inbegriffen. Das war etwa 10-fache, was ein Arbeiter der MANSFELD im Durchschnitt an einem Tag an Lohn bekam.

Die Währung im gesamten Deutschen Reich ab 1871 war die Mark (Abkürzung Mk oder ein in lateinischer Schreibschrift gehaltenes M), die in der Bevölkerung auch Reichsmark genannt wurde. Der Begriff Reichsmark ist diesem Zusammenhang nicht richtig, denn diese wurde erst 1924 offiziell eingeführt. Die Mark war damals eine echte Goldmünze. Genau 0,35842 g Gold befand in einer Münze, wenn sie prägefrisch war. Die Wechselkurse zwischen den führenden Industrienationen waren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges weitgehend festgeschrieben, was den Handel ungemein erleichterte und allen Beteiligten große Sicherheit bei Geschäften brachte. Der Begriff Goldmark wurde ab 1914 verwendet, um die Münze vom Papiergeld, das aus Gründen der Inflation gedruckt wurde, zu unterscheiden.


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Quellen:
/1/ Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e.V. (Hrsg.)
MANSFELD Die Geschichte des Berg- und Hüttenwesens
Band 4
Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e.V. Luth. Eisleben und
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, 2011
ISBN 3-937203-50-8
ISBN 978-3-937203-50-8

/2/ GenWiki
http://wiki-de.genealogy.net/Geld_und_Kaufkraft_ab_1871