Sagen aus dem südlichen Harzvorland - Die Kyffhäuser-Sage und das Kyffhäusergedicht


Einleitung

Im Jahre1896 wurde das Kyffhäuser-Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms des I. eingeweiht (siehe Seite Kyffhäuser - Das Denkmal und die Burgen, das Gedicht und die Sage). Aber bereits weit früher hat dieser mythische Berg die Menschen in Ihren Bann gezogen. Schon im Mittelalter spielte hier die Barbarossasage, die zuerst nur mündlich weitergegeben wurde, bevor sie in der Zeit der Romantik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Ludwig Bechstein in einer ausdrucksvollen Sprache niedergeschrieben wurde. Etwas früher, im Jahre 1817, hatte Friedrich Rückert das Gedicht DER ALTE BARBAROSSA - das Barbarossagedicht - verfasst.

Bild: Portrait des Kaisers Barbarossa mit wallendem Bart - genau so hat ihn der Dichter Friedrich Rückert in seinem romantischen und gleichsam traurigen Gedicht beschrieben.

Bild: Portrait des Kaisers Barbarossa mit wallendem Bart - genau so hat ihn der Dichter Friedrich Rückert in seinem romantischen und gleichsam traurigen Gedicht beschrieben.


Die Barbarossa-Sage - Ludwig Bechstein, 1836

Kaiser Friedrich der Rotbart unternahm einen Kreuzzug in das heilige Land, dieses den Türken zu entreißen, von dannen er nicht wieder heimkehrte. Und bald darauf entstand im Volk mancherlei Gerücht und Sage, daß er nicht, wie doch die Kunde war, gestorben sei, sondem noch lebe, und wiederkommen werde.

So wurde gesagt, er sei in einen Berg verzückt und gebannt. Manche nennen den Untersberg bei Salzburg, andere einen Felsen bei Kaiserslautern, darin der Kaiser verzaubert sitzen soll. Am meisten aber wird der Kyffhäuser als solcher Berg genannt.

Da hinein soll er sich selbst verflucht haben mit seiner Tochter und allem Holgesinde bis zur Zeit seiner Wiederkehr Da sitzt er nun im Bergschloß, umgeben von seinen Wappnern, in einer glänzenden Halle, an einem güldenen Tisch und trägt auf dem Haupt eine alte güldene Krone. Des Kaisers roter Bart ist durch den Tisch gewachsen und reicht zweimal schon um den Tisch herum. Wenn er aber zum drittenmal herumreicht, dann wird der Kaiser heraufkommen, das Reich wieder behaupten, das Regiment bessern und das gelobte Land mit dem heiligen Grabe den Türken abgewinnen. Dann wird er seinen Schild hängen an den dürren Ast eines Birnbaumes, der auf dem Ratsfeld steht, und eine große Schlacht wird dann geschlagen werden, der Baum aber wird grünen und blühen.

Auch schläft der Kaiser nicht, sondem er nickt und zwinkert mit den Augen, wie im Halbschlummer und alle hundert Jahre sendet er einen Zwerg hinauf zu schauen: ob die Raben noch um die alte Burgwarte von Kyffhausen fliegen?

Wenn er nun wiederkommt und aussagt, daß sie noch fliegen, wird der alte Kaiser traurig wie zuvor und schlummert wieder fort. So haben ihn schon manche gesehen.



Das Barbarossa-Gedicht - Friedrich Rückert, 1817

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich.
Im unterirdschen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloss verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf das Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug’, halb offen, zwinkt,
Und je nach langem Raume
Er einem Knabe winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh’ hin vor’s Schloss, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muss ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.



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Interne Links:
Kyffhäuser - Das Denkmal und die Burgen, das Gedicht und die Sage


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