Sagen aus der Gegend um Hettstedt - Im Herzen der Grafschaft Mansfeld
Des Mannes Feld
Kaiser Heinrich, gerade vom siegreichen Feldzug gegen die kriegerischen Hunnen zurückgekehrt, saß froh über den glücklichen Ausgang des Kampfes im Thronsaale der seinerzeit prächtigen Pfalz Wallhausen (heute Landkreis Mansfeld-Südharz). Er belohnte die tapfersten Krieger mit Lob und reichen Geschenken an Ländereien und Gütern. Da trat einer seiner Ritter zu ihm, ein mutiger Kämpfer mit unzähligen Narben im bärtigen Gesicht. „Mein Herr und Kaiser”, sagte er, ich bin in Euren Diensten ergraut, die Zeit, da meine Kraft mich verlässt, wird kommen. Ich habe keinen Platz, wo ich im Alter der Ruhe pflegen kann. Ich bitte Euch, mir ein Feld zu geben, welches ich mit einem Scheffel Gerstepfalz,wallhausen umsähen kann.“„Dieser Wunsch sei Dir gewährt!“, sprach der Kaiser.
Einige Zeit später hielt der Kaiser wieder Residenz in der Pfalz Wallhausen. Da traten einige seiner Günstlinge an ihn heran und sprachen: „Edler Herr, der Ritter hat Euch bitter betrogen. Er hat die Gerste dünn gesät um eine weite, weite Strecke Eures Landes und nennt die eingeschlossene Fläche sein eigen. Nehmt das Land zurück und straft ihn für sein Vergehen.“
Darauf sprach der Kaiser: „Dieser Ritter hat mich nie betrogen, er hat es auch jetzt nicht getan. Was er umsät hat mit dem Scheffel Gerste, ist und bleibt des Mannes Feld!“
So ist - zumindest der Sage nach - die Grafschaft Mansfeld entstanden.

Die folgende Sage wird über das Mansfelder Schloss erzählt:
Das eingemauerte Kind auf dem Mansfelder Schlosse
Wer die Mauer des Mansfelder Schlosse genauer ansieht, wird inmitten kleinerer Steine einen ziemlich großen grauen Sandstein bemerken. Darüber sagt die Sage folgendes:Beim Bau der alten Burg mussten Terrassen angelegt werden, um Platz für einen Garten zu schaffen. Als dieselben mehrfach eingestürzt waren, fragte der Burgherr eine eine alte und weit bekannte Wahrsagerin um Rat. Diese setzte dem Schlossherrn auseinander, dass, wenn die Mauern dauerhaft sein sollen, ein unschuldiges Kind eingemauert werden muss. Dem Burgherren missfiel dieser Rat anfangs. Da er aber unbedingt einen Garten begehrte, entschloss er sich dann doch zu der unchristlichen Tat. Ein Knabe wurde von einer Zigeunerin gekauft und hinter dem besagten Steine eingemauert. Die Mauer blieb nun dauerhaft stehen, aber jede Nacht wurde der Schlaf der Burgbewohner durch das Seufzen und Stöhnen des armen Kindes gestört. Eine andere Version dieser Sage erzählt, das Kind sei lebendig eingemauert worden, um eine Eroberung der Burg zu verhindern (siehe dazu auch Fußnote 1).
Wie Mansfeld zu seinem Wappen, das Sankt Georg mit dem Drachen zeigt, gekommen ist, erzählt folgende Sage:
Sankt Georg und der Lindwurm
Ehe es Grafen von Mansfeld gab, wohnte auf dem Mansfelder Schlosse ein Ritter namens Georg; auf dem Lindberge aber, nach Eisleben zu, hauste ein Lindwurm. Diesem mussten die Bewohner von Mansfeld jeden Tag ein Mädchen als Zoll geben, damit er sie leben ließ. Bald war in dem kleinen Städtchen keine Jungfrau mehr zu finden, und nun forderte der Wurm die Tochter des Ritters. Da zog der Ritter selbst am folgenden Morgen gegen den Drachen aus, erlegte ihn und befreite die Stadt; und seitdem hieß er nicht mehr Georg, sondern Sankt Georg, und zum Andenken wurde sein Bild, wie er den Drachen tötet, über der Kirchtür zu Mansfeld in Stein gehauen und ist jetzt noch zu sehen.
Eine angeblich wahre, auf jeden Fall aber belehrende Geschichte über einen meineidigen Menschen gibt es aus Leimbach, heute Ortsteil von Mansfeld:
Der Lügner
Im Jahr 1561 wurde ein ungehorsames Pfarrkind, ein junger Mann von Leimbach im Amt Mansfeld vom Pfarrherren verklagt, weil er nach der nach der Beichte zum Abend hin in ein Bierhaus ging, sich rasend vollsoff und sich sehr garstig verhielt. Als nun der selbige darum vom Schösser (siehe Fußnote 2) in die Strafe genommen, mit dem Turm gezüchtigt und ausgebürgert werden sollte, leugnete er etliche Mal, wollte nicht gestehen und sagte: „Wenn ich es getan habe, so strafe mich mich Gott vor euern Augen.” Ehe er recht diese Worte ausgeredet hatte, überkam ihn die schwere Krankheit oder hinfallende Siechtage, dass er zur Erde niederfiel und eine Zeit lang in solcher Plage und Not da lag. Zur Warnung all denen, die leichtfertig schwören, Gott zu Zeugen fordern, wider ihr Gewissen leugnen, so hoch sich beteuren und frevlerisch Rache über sich selbst rufen.Folgende Geschichten wurden über Wölfe in der Grafschaft Mansfeld erzählt:
Wölfe in der Grafschaft Mansfeld
Im Monat Januar des Jahres 1571 haben sich Wölfe mutig gemacht, sind den Leuten und dem Vieh sehr nachgegangen. Am 22. Januar sind deren zwei (etliche sagen, dass es ihrer mehr waren) bis an die Gärten von Schloss Mansfeld gegangen. Am 26. Januar kam ein Wolf auf den Mansfelder Berg und nahm einem Bergmann seinem Hund in der Kawen vor seinen Augen fort und trug ihn hinweg. Etwa um die selbe Zeit ging die Tochter des Müllers von Wieserode nach dem Tal Mansfeld. Das Kind hatte ein kleines Hündlein dabei. Da ihnen nun ein Wolf aus dem Busch nachfolgte, lief das Hündlein zum Mägdlein, um sich bei ihm zu verkriechen und so zu schützen. Das Mägdlein hielt den Wolf für einen großen Hund. Sie nahm das kleine Hündlein auf den Arm und weil der Wolf auf sie zueilte, entwich es mit demselben durch einen Strom der Wipper. Im Dorf Vatterode angekommen, wärmte es sich auf und entging so samt dem Hündlein dem Wolf.Ehebruch in der Grafschaft Mansfeld
In der Grafschaft Mansfeld begab sich zu Anfang des 15. Jahrhunderts ein Ehebruch in einer Adelsfamilie. Ein Edelmann hatte ein Liebesverhältnis mit einer Edelfrau, wurde aber dabei von seiner Gattin erwischt und in den Hungerturm geworfen. Dorthin brachte sie ihm täglich edle und wohlriechende Speisen, an die er aber nicht herankommen konnte. Am elften Tag seiner Haft soll der Edelmann gestorben sein, nachdem er seine Achseln annagte.Fußnoten:
- Das Mansfelder Schloss war um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges eine der größten Festungen Deutschlands. Ein eingemauertes Kind wurde aber nie gefunden, wohl aber - dem Geiste jener Zeit entsprechend - eine eingemauerte Katze. Überhaupt sind Menschenopfer in christlicher Zeit im Mitteldeutschland nirgendwo mehr glaubhaft bezeugt. Alte Stiche zeigen eine sehr ausgedehnte und stark befestigte Anlage. In Folge des Ausganges des Dreißigjährigen Krieges wurde der größte Teil der Festung gesprengt. Die Festung Mansfeld war trotz enormer Anstrengungen nicht leicht zu zerstören. Der soziale und wirtschaftlich Abstieg der einst mächtigen und stets kaisertreuen Mansfelder Grafen begann jedoch schon einige Generationen vorher. Noch heute lässt sich bei einem Rundgang durch und um die Schlossanlage einiges von der einstigen Mächtigkeit dieser Festungsanlage spüren. [☛ zurück]
- Ein Schösser war ein Gerichtsbeamter. [☛ zurück]
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