Hettstedt – Der Obelisk Flamme der Freundschaft

In der Wipperstadt Hettstedt befindet sich – etwas abgelegen von der Fernverkehrsstraße B180 und von dieser auch nicht einsehbar – der Obelisk Flamme der Freundschaft. Der Obelisk wurde im II. Wohnkomplex – zwischen Schillerstraße, Maxim-Gorki-Straße und Heinrich-Mann-Weg – auf einem großen unbebauten Platz errichtet. Nach der gesellschaftlichen Wende in der DDR wurde über den Weiterbestand des zweifellos ideologisch vorbelasteten Denkmales ähnlich emotional diskutiert wie über das Lenindenkmal in der Lutherstadt Eisleben. Das Schicksal des Leinindenkmals ist dem Obelisken bisher erspart geblieben – bis jetzt wurde die Flamme der Freundschaft nicht abgerissen.


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Die Geschichte der Flamme der Freundschaft ist eng mit den beiden großen Hettstedter volkseigenen Unternehmen Walzwerk Hettstedt und Kupfer-Silber-Hütte in den 1970er Jahren verbunden. Beide Unternehmen waren Betriebe des VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck – und als Schwerindustrie an einem Großteil der Schadstoffemission in der Wipperstadt beteiligt. In beiden Betrieben sollte ab 1974 Erdgas aus der damaligen Sowjetunion zum Beheizen der Öfen genutzt werden. Der Anschluss der Werke an das Erdgasnetz NORDLICHT war für ein Land wie die DDR ein Kraftakt, insbesondere finanzieller Art.

Bild: Der Obelisk Flamme der Freundschaft in der Abenddämmerung.

Bild: Der Obelisk Flamme der Freundschaft in der Abenddämmerung.

Aber auch technisch war das Projekt anspruchsvoll. Die Gasleitung nach Hettstedt wurde ab dem Untergrundspeicher Peißen östlich von Halle verlegt. Das bedingte, dass die zur Schifffahrt genutzte Saale unterquert werden musste. Bei Pfersdorf nahe Quenstedt sollte die Leitung eine Verzweigung bekommen, denn es war geplant, auch das Eisenhüttenwerk Thale anzuschließen [1]. Auf dem Hüttenberg bei Hettstedt entstand eine Übergabestation, in der das geruchlose Erdgas aus Sicherheitsgründen auch noch mit Aromaten versetzt wurde. Ab 1974 wurden im Walzwerk Hettstedt und der gegenüberliegenden Kupfer-Silber-Hütte planmäßig Erdgas verfeuert.

An diesen technischen Meilenstein – immerhin war es ein erster Schritt zur Verringerung der Umweltbelastung für die Bewohner der Wipperstadt Hettstedt – erinnert heute der Obelisk Flamme der Freundschaft. Die Errichtung des Obelisken lief aber ganz im Stile der in der DDR gelebten sozialistischen Propaganda ab. Auf einer Delegiertenkonferenz der Kreisparteiorganisation der SED des VEB Mansfeld-Kombinates [2] wurde die Errichtung des Obelisken beschlossen. Es war immerhin die Pflicht eines jeden Genossen die Sowjetunion zu lieben und unverbrüchliche Freundschaft zu ihr zu halten – zumindest bis zur Ära Gorbatschow.

Für die Errichtung der Flamme der Freundschaft wurde ein straffer Zeitplan angesetzt. Mitte Juni 1974 sollten Entwurf und Planung abgeschlossen sein. Die Denkmalweihe war für den 3. Oktober 1974 anberaumt. Am Bau des Obelisken beteiligten sich viele Betriebe – und interessanterweise wurden auch rare Werkstoffe aufgetrieben, so etwa 6 Tonnen Edelstahl für die Flamme und weitere 6 Tonnen Bronze für die Feuerschale. Anlässlich der tatsächlich planmäßig stattgefundenen Denkmalweihe übergab der damalige Generaldirektor des VEB Mansfeld-Kombinates, Prof. Dr. Jentsch, den Obelisken an die Kreisorganistionen der FDJ des Mansfeld-Kombinates und des Kreises Hettstedt.

Anwesend waren ebenfalls der Erste Sekretär der Bezirksleitung der SED des Bezirkes Halle Werner Felfe [3] und Delegationen aus Baschkirien und der Stadt Kriwoj Rog [4]. Lokale Zeitungen bejubelten das Ereignis als Zeugnis der wahrhaften Freundschaft zwischen der DDR und der Sowjetunion. Bei der Denkmalweihe waren etwa 5.200 Jugendliche anwesend – die meisten sicher nicht aus Überzeugung. Auf dem Platz vor der Flamme der Freundschaft fanden bis zum Ende der DDR regelmäßig Festlichkeiten statt. Auch Fahnenappelle, zu denen Kinder aus dem ganzen Kreis Hettstedt verpflichtet wurden, wurden dort abgehalten. Obelisk und Festplatz wurden von der Stadt Hettstedt instand gehalten.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Bild: Impressionen vom Obelisken Flamme der Freundschaft in Hettstedt.

Nach der Wende und der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten war der Obelisk einem zunehmenden Verfall und sinnlosen Vandalismus ausgeliefert. Die Substanz des Denkmales hat darunter sehr gelitten. Mittlerweile kümmert sich der Förderverein „Flamme der Freundschaft e.V.“ um die dringend erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen. Die Flamme der Freundschaft wurde in die Liste der Denkmale Sachsen-Anhalts aufgenommen.

  1. Das EHW Thale wurde nicht mehr an die Erdgasleitung NORDLICHT angeschlossen. Die Sowjetunion hatte mittlerweile Exportbeschränkungen für ihr Erdgas beschlossen. Man dealte lieber gegen harte D-Mark. []
  2. Das VEB Mansfeld-Kombinat hatte wie alle Großbetriebe in der DDR seine eigene Kreisparteileitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und der Freien Deutschen Jugend (FDJ). []
  3. Werner Felfe wurde in einem Artikel des westdeutschen Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL vom 08.08.1988 als einer der Nachfolger von Erich Honecker gehandelt. Pikant: Nur knapp 4 Wochen später erlag Felfe einem akuten Herzversagen. []
  4. Zur Stadt Kriwoi Rog pflegte der Kreis Hettstedt wegen der Geschichte um die Fahne von Kriwoi Rog im Zusammenhang der Besetzung durch Truppen der Roten Armee nach dem Zweiten Weltkrieg eine besondere Beziehung []

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