Hettstedt – Die Wipperstadt und ihre historische Stadtmauer

Noch heute sind im Zentrum der Stadt Hettstedt einige bedeutende Reste der mittelalterlichen Stadtmauer zu sehen, so das Saigertor, der Zuckerhut oder der wuchtige Molmeck mit seinem Wasserspeier. Einen ersten Schutz bekam die Bergbaustadt durch den Bau einer Burg, dem heute so genannten Brauhaus, die wahrscheinlich im 13. Jahrhundert von den Grafen von Arnstein errichtet wurde. Bei dieser Anlage wird es sich sicher um eine Wasserburg gehandelt haben, von der heute lediglich der Stumpf des Bergfriedes erhalten ist. Die Stadt Hettstedt wurde wie oben erläutert im 14. und 15. Jahrhundert immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen um die Grafschaft Falkenstein verwickelt. 1341 wurde Hettstedt vom Bischof von Halberstadt besetzt und 1394 wurden Stadt und Burg für 4400 Gulden an die Grafen von Mansfeld verpfändet. Die Hettstedter hatten allerdings kein gutes Verhältnis zu ihren neuen Herren. Um das Jahr 1430 begannen deshalb die Hettstedter Bürger mit dem Bau einer eigenen festen Stadtmauer.

Bild: Die ehemalige Wasserburg von Hettstedt.

Bild: Die ehemalige Wasserburg von Hettstedt.

Lassen Sie uns nun zu einem Spaziergang um die ehemalige Stadtbefestigung der Wipperstadt Hettstedt aufbrechen. Beginnen wollen wir unsere kleine Wanderung am Molmeckturm, der zugleich einer der ältesten Stadttürme Hettstedts ist.


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Im Jahre 1434 wurde mit dem Bau von Molmecktor und Molmeckturm begonnen. Heute ist von beiden nur noch der Molmeckturm zu sehen, der sich in der Wilhelmstraße unmittelbar am Kirchplatz befindet. Der Molmeckturm ist heute in ein benachbartes Haus integriert, so dass sein Turmcharakter nicht mehr so recht zur Geltung kommt. Der Turm soll von einem Jacob Molmiss errichtet worden sein. Eine entsprechende Inschrift konnte der Heimatforscher Prof. Größler gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch sehen. Erwähnenswert an diesem Teil der ehemaligen Stadtmauer ist noch der steinerne Wasserspeier auf dem Turmkranz. Der Volksmund will in diesem Wasserspeier den Erbauer des Turmes erkennen.

Bild: Der Molmeckturm von Hettstedt.

Bild: Der Molmeckturm von Hettstedt.

Bild: Der Molmeck von Hettstedt vom Stadtpark aus gesehen.

Bild: Der Molmeck von Hettstedt vom Stadtpark aus gesehen.

Bild: Wasserspeier auf dem Molmeck von Hettstedt.

Bild: Wasserspeier auf dem Molmeck von Hettstedt.

Wenn wir nun – immer die Kirche St. Jacobi vor Augen – Richtung Markt gehen und dort am Bergbaudenkmal rechts zur Wipper abbiegen, kommen wir unmittelbar an einem ehemaligen Torturm, dem Wassertor oder Brücktor, vorbei. Dieser Turm hat im Volksmund den etwas seltsam klingenden Namen KORDEGARRE. Die Menschen des Mansfelder Landes sprachen früher oft fremd klingende Namen in dem ihnen eigenen Dialekt aus, So ist es kein Wunder, das aus dem Corps du Garde, der Stadtwache, eben Kordegarre wurde. Tatsächlich war im 18. Jahrhundert der Sitz der Stadtwache in diesem ebenfalls sehr massiv gebauten Stadtturm untergebracht.

Bild: Das Brücktor oder Wassertor oder Kordegarre in Hettstedt an der Wipper.

Bild: Das Brücktor oder Wassertor oder Kordegarre in Hettstedt an der Wipper.

Bild: Am Brücktor oder Wassertor beziehungsweise Kordegarre in Hettstedt.

Bild: Am Brücktor oder Wassertor beziehungsweise Kordegarre in Hettstedt.

Etwa um die gleiche Zeit wie der Molmeck, also um 1430, dürfte auch der Hexenturm oder Zuckerhut errichtet worden sein. Dieser Turm liegt unmittelbar an der Wipper und ist über die Straße HINTER DEN PLANKEN erreichbar. Die Wipper trennte damals die Stadt Hettstedt von der noch lange selbständigen Gemeinde Kupferberg. Dieser Turm ist das ganze Gegenteil zum wuchtigen Molmeck. Fein gegliedert und mit filigraner gemauerter Spitze zeugt er von der Baukunst der Gotik. Ob hier wirklich vermeintliche Hexen eingekerkert wurden? Wir wissen es nicht! Jedenfalls ist nichts von einem Hexenwahn in Hettstedt überliefert. In unserer weniger abergläubischen Zeit finden im Zuckerhut regelmäßig Kunstausstellungen statt.

Bild: Der Zuckerhut oder Hexenturm von Hettstedt.

Bild: Der Zuckerhut oder Hexenturm von Hettstedt.

Bild: Der Zuckerhut oder Hexenturm von Hettstedt.

Bild: Der Zuckerhut oder Hexenturm von Hettstedt.

Bild: Der Zuckerhut oder Hexenturm von Hettstedt.

Bild: Der Zuckerhut oder Hexenturm von Hettstedt.

Vom Hexenturm oder Zuckerhut aus gelangen wir unmittelbar zum Saigertor, dem wohl am häufigsten fotografierten Stadtturm Hettstedts. Das Saigertor mit seiner gotischen Tordurchfahrt und der barocken schiefergedeckten Haube ist auch zweifellos eines der Wahrzeichen der Wipperstadt. Seinen Namen hat das Saigertor wahrscheinlich im 18. Jahrhundert von seiner Turmuhr erhalten. Vorher hieß es Freimarkter Tor, denn es verband Hettstedt mit dem Freimarkt, auf dem Holz und Getreide umgeschlagen wurde. Bereits 1905 sollte das Saigertor abgerissen werden, da es im immer stärker werdenden Verkehr störend wirkte. Das Saigertor hat im Verlaufe der Jahrhunderte vielfältige Wandlungen erlebt. Wann es errichtet wurde, ist nicht überliefert. 1537 wurde der Turm jedoch erhöht und auch bereits eine Uhr eingebaut. In der Barockzeit wurde die schiefergedeckte Haube aufgesetzt. Das Saigertor bildet seitdem eine ästhetische Einheit mit der unweit gelegenen Kirche St. Jacobi. Überhaupt wirken bei diesem Bauwerk Merkmale aus Gotik, Renaissance und Barock ausgesprochen harmonisch zusammen.

Bild: Das Saigertor von Hettstedt.

Bild: Das Saigertor von Hettstedt.

Bild: Das Saigertor von Hettstedt.

Bild: Das Saigertor von Hettstedt.

Bilder: Das Saigertor von Hettstedt.

Bilder: Das Saigertor von Hettstedt.

Vom Saigertor aus gelangen wir bequem über den heute wieder ansehlichen Markt von Hettstedt zur Kirche St. Jacobi. Hinter der Kirche biegen wir rechts in den Kirchplatz ein und gelangen am ehemaligen Bahrenhaus vorbei zum Stadtpark. Genau dieser Stadtpark diente den Hettstedtern bis 1539 als Gottesacker und war damals gleichzeitig die westliche Stadtgrenze. Auch hier sind noch Reste der Stadtbefestigung erhalten. Vom ehemaligen Grünen Tor ist heute aber nichts mehr zu sehen. Das Grüne Tor wurde 1592 errichte und 1802 wieder abgerissen. An seiner Stelle wurden symbolisch zwei Pfeiler errichtet.

Bild: Das Grüne Tor in Hettstedt.

Bild: Das Grüne Tor in Hettstedt.

Damit schließt sich der Kreis unseres Spazierganges. Natürlich sind heute nicht mehr alle Stadttürme erhalten. Das Johannistor zum Beispiel, das sich am Ende der gleichnamigen Straße befand, ist längst abgetragen. Vom mysteriösen Dunkelsturm wissen wir nicht einmal mehr, wo er gestanden hat. Insgesamt aber sind auf unserem Spaziergang die beengten Verhältnisse des mittelalterlichen Hettstedt greifbar geworden. Die Stadt hatte eine nur geringe Fläche – kaum größer als ein kleines Dorf heute. Auch konnte von einer planmäßigen Anlage des alten Hettstedt keine Rede sein. Immerhin aber konnten Teile der Stadtbefestigung über Jahrhunderte vor Verfall und Abriss bewahrt werden. In den letzten Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, um die historischen Stadttürme zu restaurieren und damit das Stadtbild von Hettstedt wieder attraktiv zu machen. Zum Abschluss sollten wir uns noch die Zeit nehmen, am Corps du Garde über die Wipper und über den Luisenplatz zur Kapelle St. Gangolf auf dem Kupferberg zu gehen. Von hier haben wir die gesamte Altstadt von Hettstedt jenseits der Wipper mit Jacobi-Kirche, Corps du Garde, Zuckerhut und Saigertor im Blick.

Bild: Sie Stiege vom Luisenplatz zur St. Gangolf Kirche auf dem Kupferberg.

Bild: Sie Stiege vom Luisenplatz zur St. Gangolf Kirche auf dem Kupferberg.

Bild: Blick vom Kupferberg auf Hettstedt auf Kordegarre und Kirche St. Jacobi.

Bild: Blick vom Kupferberg auf Hettstedt auf Kordegarre und Kirche St. Jacobi.

Bilder: Blick vom Kupferberg auf Hettstedt auf den Zuckerhut und das Saigertor.

Bilder: Blick vom Kupferberg auf Hettstedt auf den Zuckerhut und das Saigertor.

Einen guten Vergleich der damals kleinen Stadt Hettstedt mit nur geringer Bedeutung liefert die Stadtmauer des nur unweit gelegenen, aber viel bedeutenderen Aschersleben. Die auch heute noch gut erhaltenen Stadtmauer von Aschersleben hat eine Länge von über 2 Kilometern und ist nach damaligen Verhältnissen sehr wehrhaft. Siehe dazu die Seite Aschersleben – Ein Spaziergang um die historische Stadtmauer.

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