
Bild: Blick auf Questenberg.

Bild: Enten in der Nasse.

Bild: Die Dinsterbachschwinde bei Questenberg.
Die Kirche von Questenberg trägt den Namen St. Mariä Geburt und hat eine außerordentlich interessante Architektur. Das Obergeschoss ihres Turmes ist als Fachwerkkonstruktion ausgeführt. An der Aussenmauer des Kirchhofes ist noch heute ein Halseisen als Zeichen der Gerichtsbarkeit zu sehen.

Bild: Die Kirche St. Mariä Geburt zu Questenberg.
Auf dem Platz vor der Kirche steht unter einer alten Linde ein hölzerner übermannsgroßer Roland. Auch er ist ein Zeichen für die eigene Gerichtsbarkeit der Gemeinde. Der jetzige Roland wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts aufgestellt.

Bild: Der Roland von Questenberg.
Vom Kirchplatz aus gelangt man über einen schmalen, zum Teil mit Holzstiegen ausgebauten Weg auf den Schlossberg. Hier findet man die Ruinen der alten Questenburg, die schon lange vor dem Ort existiert haben dürfte. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aber erst aus dem Jahre 1275. Die Anlage ist im Ursprung spätromanisch und in der Gotik vielfach umgebaut worden. Die Burg hatte mehrere Besitzer: neben den Grafen von Beichlingen-Rothenburg auch die Grafen von Stolberg-Wernigeode und Stolberg-Roßla. Im verheerenden Dreißigjährigen Krieg (siehe Fußnote 1) trotzte die Burg wiederholt den Belagerern. Sie konnte nie eingenommen werden. Auch im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 bot die Burg den Questenbergern wiederholt Schutz gegen marodierende Truppen (siehe Fußnote 2). Heute zeugen noch die erhaltenen Kellergewölbe, das Burgtor und die Ruine des runden Bergfriedes sowie ein Graben von der Wehrhaftigkeit der Anlage.

Bild: Die Ruinen der Questenburg bei Questenberg im Harz.
Achtung: Offiziell ist es verboten, das Areal der Ruinen zu betreten, da angeblich Einsturzgefahr besteht. Schilder an den Resten des Burgtores weisen unmissverständlich auf diesen Umstand hin.

Bild: Die Queste.
Um die Queste, die hoch über dem Ort auf einem Felsen steht, rankt sich folgende Sage: An einem heiteren Frühjahrsmorgen in der Woche vor Pfingsten sprang die Tochter des Burgherren in den Garten der Burg. Da die Umzäunung den Blick auf den herrlichen Wald mit seinen Unmengen duftender Waldblumen freigab, schlüpfte das Mädchen durch ein Loch im Zaun. Beim Sammeln der Blumen geriet es immer tiefer in den Wald, so dass es den Rückweg nicht mehr finden konnte. Als die Nacht hereinbrach sank es erschöpft nieder und schlief ein. Ein Köhler aus der Nähe von Rotha fand das Mädchen und nahm es mit in Hütte, wo es familiäre Aufnahme fand. Die Eltern, in tiefer Sorge um ihr Kind, brachten sofort alle Bewohner des Ortes auf, um es zu suchen. Nach langer Zeit - sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben - fanden sie es fröhlich vor der Hütte des Köhlers beim Binden eines Kranzes, an den es zwei Quasten gehängt hatte. Sie brachten das Mädchen so schnell wie möglich zu seinen Eltern. In der Eile nahmen sie auch den Kranz mit. Daheim angekommen rief das Mädchen: „Väterchen, da hab’ ich Dir eine schöne Queste mitgebracht!“. Der Ritter benannte die Burg daraufhin Questenburg und den Ort Questenberg. Weiterhin bestimmte er, dass auf dem der Burg gegenüberliegenden Berg ein hoher Eichenstamm errichtet werden soll, der jährlich am Pfingstmontag mit einem frischen Kranz geschmückt werden muss. Die Questenberger sollten fortan bei dieser Gelegenheit ein großes Fest feiern. Der Köhler wurde reichlich entlohnt. Der Gemeinde Rotha verehrte der Ritter die Wiese, auf der das Kind schlafend gefunden wurde mit der Auflage, jedes Jahr in der Nacht vom ersten zum zweiten Pfingsttag ein Brot und vier Käse.
Das Questenfest hatte in früheren Zeiten für Questenberg eine weitaus größere Bedeutung als heute. Bereits die Vorbereitungen waren aufwändig. Am Himmelfahrtstag wurden alle benötigten Bäume im „Rückfelde“ südlich von Questenberg geschlagen. Es wurde jedes Jahr ein neuer Stamm gesetzt, was nicht nur viel Arbeit bedeutete, sondern auch bei den damaligen technischen Möglichkeiten und der geografischen Lage der Queste mit einer großen Unfallgefahr verbunden war. Der Stamm durfte nicht gefahren werden, sondern wurde von der männlichen Bevölkerung Questenbergs vom „Rückfelde“ an den Standort der Queste getragen. Das Holz wurde kostenlos durch die Fürstlich Stolberg-Roßlasche Forstverwaltung zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde Questenberg erhielt außerdem von der Rentenkammer in Roßla 40 Mark als Zuschuss zum Fest. Dann wurde in der Nacht vom ersten zum zweiten Pfingsttag ein Tanzzelt errichtet. In der selben Nacht erschien auch der Bote aus Rotha, der ein Brot und die vier Käse überbringen musste. Im Pfarrhaus von Questenberg wurden Brot und Käse wurden mit folgenden Worten übergeben:
„Ich bin der Mann aus Rothe
und bringe die Käse mit dem Brote.“
Er wurde vom Pfarrer freundlich und reichlich bewirtet, hatte aber Questenberg vor Sonnenaufgang zu verlassen. Der Brauch besagte, dass den Questenbergern das schönste Rind der Rothaer zustand, sollten diese ihren geringen Zins einmal nicht entrichten. Dies ist aber nach alten Überlieferungen nie vorgekommen.
In der Nacht vom zweiten zum dritten Pfingsttag wurde der alte Kranz vom Questenstamm genommen, so wie dies auch heute noch Brauch ist. Dazu wurde die aufgehende Sonne mit dem Absingen des Kirchenliedes begrüßt:
„Dich seh ich wieder, Morgenlicht,
Und freue mich der edlen Pflicht,
Dem Höchsten Lob zu singen.
Ich will, entbrannt von Dankbegier,
O mildester Erbarmer, dir
Mit heilgem Mut lobsingen.
Schöpfer, Vater,
Deine Treue
Rührt aufs neue
Mein Gemüte.
Froh empfind ich deine Güte.“
Vormittags trafen sich die Männer Questenbergs in ihrer besten Tracht mit ihrem Gewehr und Fahnen in der Hand zum Festgottesdienst in der Kirche. Nach dem Gottesdienst stiegen alle gemeinsam zur Queste auf. Dort wurde der Kranz frisch gebunden und unter den Klängen von Musik am Stamm befestigt. Sobald der Kranz hing, wurde dreimal hindurch geschossen. Danach zogen alle in das Dorf zurück, wo ausgelassen gefeiert wurde.
Zum Pfingstfest kommen auch heute noch viele Besucher nach Questenberg. Bereits am frühen Morgen des Pfingstmontages nehmen die Questenberger, die mit Trompeten geweckt wurden, den schweren Kranz des Vorjahres vom Stamm. Die alten „Questen“ werden verbrannt. Dabei werden Sauerkraut und Strietzel verzehrt. Am Nachmittag wird der Kranz neu gebunden und es werden auch neue „Questen“ angehängt.
Nach der Ansicht von Altertumsforschern geht das Questenfest auf einen uralten heidnischen Brauch zurück, bei dem ein Opferfest zu Ehren eines Sonnengottes gefeiert wurde. Questenberg war früher sehr reich an vorgeschichtlichen Funden. Die Sonne spielte für unsere sehr stark von der Natur und ihren Gewalten abhängigen Vorfahren eine sehr große Rolle.
Fußnoten:
[Home] [Sitemap] [Stichwortverzeichnis] [Impressum]