Steinkreuze im Harz und dem Harzvorland: Welfesholz - Der Hoyerstein
Einleitung
Welfesholz liegt im Herzen des historischen Mansfelder Landes, unweit der Stadt Hettstedt. Das Dorf hat heute etwa 220 Einwohner und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Gerbstedt. Der Ortsname war vielfältigen Wandlungen unterworfen: 1290 lignum catuli, 1362 Welpsholt, 1590 Gwelfers holtz. Welfesholz war früher ein großes Rittergut, das durch die Familie von Stromberg bewirtschaftet wurde. Ein weiterer Erwerbszweig der Bewohner war der Bergbau. Viele Halden, zum Beispiel die des Hornickelschachtes oder des Rosskunstschachtes, auf der Feldflur von Welfesholz erinnern noch heute an die große Zeit des Mansfelder Kupferschieferbergbaues. Als weitere Sehenswürdigkeit steht an der Hauptstraße ein großes Steinkreuz aus vorreformatischer Zeit. Welfesholz ist historisch durch die Schlacht am Welfesholz am 11. Februar 1115 bekannt geworden.
Bild: Statue zum Andenken an die Schlacht bei Welfesholz vor dem ehemaligen Rittergut.
Der Hoyerstein
In der Nähe des Ortes, auf dem Lerchenfeld, trafen Ritter des Kaisers Heinrich V. unter dem Befehl des Grafen Hoyer von Mansfeld auf die Gefolgsleute des Sachsenherzogs Lothar, der sich gegen den Kaiser aufgelehnt hatte. Die Schlacht endete mit der totalen Zerschlagung des kaiserlichen Heeres und einem grandiosen Sieg der Sachsen. Graf Hoyer wurde im Zweikampf mit Wiprecht von Groitzsch getötet. Die Schlacht muss für die Bewohner der umliegenden Orte ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein, denn sie gedachten der Schlacht mit dem Hoyerstein und der Jodute.Graf Hoyer hat vor der Schlacht am Welfesholz siegesbewusst - so erzählt es zumindest die Legende - seine Faust in den Stein gesteckt und folgenden Ausspruch gemacht:
„Ich, Hoyer, ungeboren,
Habe noch keine Schlacht verloren.
So wahr ich greif in diesen Stein,
Auch diese Schlacht muss meine sein.“
Früher hat sich der Hoyerstein oder Löchrige Stein etwa einhundert Meter neben seinem jetzigen Standort befunden. Im Jahre 1898 wurde er an die heutige Stelle, eine markante baumbestandene Erhebung, gebracht und auf einen gemauerten Sockel gestellt. In die Vorderseite des Sockels ist eine Platte eingelassen, die auf die Schlacht von Welfesholz und den legendären Spruch des Grafen Hoyer verweist. Der Stein selbst ist eine Braunkohlequarzitplatte, die auf der Vorderseite rau ist und viele kleine Löcher hat. Die Rückseite ist dagegen einigermaßen glatt. Charakteristisch ist das etwa faustgroße durchgehende Loch.

Bild: Der Hoyerstein auf der Mansfelder Hochfläche bei Welfesholz.

Bild: Das Loch im Hoyerstein bei Welfesholz.
Eusebius Franke schrieb 1723 über eine weitere Merkwürdigkeit des Steines: „… sind sehr viele Nägel und Stifte darein geschlagen, welche man nicht vermögend ist, wieder herauszuziehen. Noch viel weniger ist man capabel itzo einen Nagel darein zu bringen, es wäre denn, dass ein starcker Landregen käme, da dann genannter Stein, dem Vorgeben nach, gantz weich werden soll …“. Von den erwähnten Nägeln ist heute nichts mehr zu sehen.
Leider wurde am Hoyerstein vor einigen Jahren eine Mauer aus Mansfeldschlacke errichtet, die dem ansonsten mythischen Ort einiges von seinem Reiz nimmt.

Bild: Auf der Mansfelder Hochfläche am Hoyerstein. Blick auf Gerbstedt.
Die Hoyersage von Theodor Körner
Die Schlacht am Welfesholz, Theodor KörnerDer Graf hält stolz
Am Wölfelsholz,
Und vor ihm in blinkenden Reihen
Die Scharen seiner Getreuen.
Es pochte das Männerherz an die Brust,
Zum Kampf und Streit
Und zum Sterben bereit;
In aller Augen sprühte die Lust,
Der Todesschlacht sich zu weihen.
Da sprach der Graf:
„Als der Feind uns traf
Im letzten Kampfgewühle,
Da sanken der Wackern viele,
Und mancher verspritzte sein edles Blut.
Doch floh uns das Glück;
Wir wichen zurück
Aus dem Schwertergedräng, aus des Streites Glut;
Wir verloren im eisernen Spiele.
Doch Brüder, heut`
Neu erwacht der Streit,
Heut` müßt ihr in Kampf und Verderben
Den alten Ruhm euch erwerben!
Und so wahr ich jetzt mit gewappneter Hand
In diesen Stein
Greife tief hinein,
So ist uns das Glück heut` zugewandt
Zum Sieg und zum ruhmvollen Sterben.“
Und er fühlt in der Faust,
Daß Gott drin braust;
Da blickt er siegend hinunter
Und reicht zum Steine herunter
Und greift, als ob es nur Erde wär`,
Tief hinein
Mit der Hand in den Stein.
Und jauchzend stürzt sich zum Kampfe das Heer;
Es ergreift sie das göttliche Wunder.
Und weit und breit
Wühlt der Streit;
Die Schwerter im Blute sich baden;
Es geschehen herrliche Taten.
Da weicht der Feind der begeisterten Macht;
Doch es fällt der Graf.
Die Lanze traf,
Und er wird vom Herrn aus der blutigen Schlacht
Zum ewigen Frieden geladen.
So ging der Held
Aus dem Kampf der Welt,
Des streitenden Lebens müde.
Und wenn jene Zeit auch verblühte,
Zeigt man doch heut` noch am Wölfelsholz
Des Grafen Hand
In der Felsenwand;
Und der Deutsche nennt seinen Namen mit Stolz.
Es lebt seine Tat noch im Liede.
Die Hoyersage als Volkssage
In dem sogenannten Welpshölzchen, wo im Jahre 1112 (Siehe Fußnote 1) die Schlacht zwischen Kaiser Heinrich V. und den Sachsen vorfiel, liegt ein Stein, der die Eigenschaft hat, bei Gewitter ganz zu erweichen und erst nach einiger Zeit wieder hart zu werden. Er ist voller Nägel geschlagen, und man sieht auf ihm ganz deutlich den Eindruck einer Hand und eines Daumens. Graf Hoyer von Mansfeld, der Oberfeldherr, soll ihn vor der Schlacht ergriffen und gerufen haben: „So wahr ich in diesen Stein greife, so wahr will ich den Sieg gewinnen!“. Auch wurden die Kaiserlichen geschlagen; aber der Hoyer blieb tot und wurde von Wiprecht von Groitsch erschlagen. Zu seinen Ehren ließen die Sachsen die Bildsäule eines gehelmten Mannes mit dem eisernen Streitkolben in der Rechten aufrichten und dem sächsischen Wappen in der Linken. Diese Denksäule nannte man Jodute, da gingen die Landleute fleißig zu beten hin, und auch die Priesterschaft ehrte sie als ein heiliges Bild. Kaiser Rudolf aber, als er 1289 zu Erfurt Reichstag hielt, ließ sie wegnehmen, weil man fast Abgötterei damit trieb, und eine Kapelle an der Stelle bauen. Allein das Volk verehrte noch einen Weidenstock in dieser Kapelle, von dem die Priester sagten, er habe in jener Schlacht Jodute gerufen und dadurch den Sieg zuwege gebracht.Teile diese Seite mit Freunden.
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Interne Links:
Hoyer von Mansfeld und die Schlacht von lignum catuli oder Wefesholz
Welfesholz - Das Steinkreuz
Externe Links:
Nichtkommerzielles privates Forschungsprojekt Sühnekreuz
http://www.suehnekreuz.de
Weiterführende Literatur:
Neuß E.:
„Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld - Im Herzen der Grafschaft”
fliegenkopf verlag, Halle/Saale
Reprint des Originalmanuskriptes 2001
ISBN 3-930195-34-8
Fußnoten:
- Die Jahreszahl stimmt in dieser Sage nicht. Die Schlacht am Welfesholz wurde am 11. Februar 1115 in der Nähe des Ortes Welfesholz zwischen Hettstedt und Gerbstedt geschlagen. [☛ zurück]
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