Martin Luther – Reformator und Bibelübersetzer

Der wohl berühmteste Sohn des Mansfelder Landes, Martin Luther, wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Später erfolgte eine Übersiedelung der Familie Luther nach Mansfeld. Sein Vater, Hans Luder [1], brachte es bis zum Ratsmitglied der Stadt Mansfeld. Dadurch kreditwürdig geworden, konnte er einige Hütten in der Bergbauregion pachten. Im Laufe der Zeit und gefördert durch günstige wirtschaftliche Umstände konnte Hans Luther immerhin 10 Prozent der damaligen Jahresproduktion an Mansfelder Kupfer erzeugen, das entsprach etwa 100 Tonnen Kupfer und 600 Kilogramm Silber mit einem Materialwert von etwa 39000 Gulden. Luthers Vater war also nach heutigen Begriffen ein außerordentlich erfolgreicher mittelständischer Unternehmer. Er hätte es deshalb auch gern gesehen, wenn sein Sohn ebenfalls Hüttenmeister geworden wäre.

Bild: Martin Luther. Portrait von Lucas Cranach d. Ä. 1529. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Martin Luther. Portrait von Lucas Cranach d. Ä. 1529.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Eltern von Martin Luther. Portrait von Lucas Cranach d. Ä. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Eltern von Martin Luther. Portrait von Lucas Cranach d. Ä.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Das Haus des Hans und der Margarethe Luther in Mansfeld - hier verbrachte Martin Luther einige Jahre seiner Kindheit und Jugend.

Bild: Das Haus des Hans und der Margarethe Luther in Mansfeld – hier verbrachte Martin Luther einige Jahre seiner Kindheit und Jugend.

Bild: Die Schule Martin Luthers in Mansfeld. 2001 wurde auf den historischen Fundamenten ein Neubau errichtet, der aber im wesentlichen wie die alte Schule aussieht.

Bild: Die Schule Martin Luthers in Mansfeld. 2001 wurde auf den historischen Fundamenten ein Neubau errichtet, der aber im wesentlichen wie die alte Schule aussieht.

Martin Luther besuchte 1490 und 1491 die Schule in Mansfeld, an der er – wie auch in seinem Elternhaus – eine strenge Erziehung bekam. 1497 ging er an die Magdeburger Domschule, die er aber schon ein Jahr später wieder verließ, um in Eisenach eine Pfarrschule zu besuchen. Hier bildete er seine Lateinkenntnisse aus. Ab 1501 war er an der Universität zu Erfurt eingeschrieben, an der er 1502 zum Bakkalaureus der Rechtswissenschaften [2] und 1505 zum Magister ernannt wurde. Damit hätte sich Luther eigentlich eine Karriere als Jurist eröffnet. Allerdings muss sich der junge Martin Luther zu dieser Zeit in einer schweren persönlichen Krise befunden haben.

Bild: Martin Luther als Augustinermönch mit Tonsur. Portrait von Lucas Cranach d. Ä. 1520. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Martin Luther als Augustinermönch mit Tonsur. Portrait von Lucas Cranach d. Ä. 1520.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Die Todesangst, die er nach der Legende bei einem Gewitter während einer Reise von Mansfeld nach Erfurt in der Nähe Stotternheims durchgestanden haben soll, bewog ihn noch im gleichen Jahr Mönch zu werden. Er trat gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters in das Erfurter Augustinerkloster ein, wo er 1506 das Mönchsgelübde ablegte. Der Augustinerorden war eine Gemeinschaft entbehrungsreich lebender Mönche, deren Tagesablauf durch außerordentlich strenge Regeln geprägt war. 1507 wurde er zum Priester geweiht und begann mit dem Studium der Theologie, das er 1512 mit dem Doktortitel abschloss. 1513 trat er eine Professur für Bibellesung an der Universität zu Wittenberg an und wurde dort 1514 Prediger an der Stadtkirche.

Das durch die Professur verstärkte Studium des Alten und Neuen Testamentes stellte den streng gläubigen, aber immer zweifelnden Martin Luther vor immer neue Sinnkrisen. Im Mittelpunkt dieser Zweifel standen auch die eigenen vermeintlichen Sünden. Dabei ging es Martin Luther insbesondere um die göttliche Gerechtigkeit und die Wirksamkeit der Sakramente der katholischen Kirche. Im Laufe seiner Studien kam er zu dem Schluss, dass ausschließlich der uneingeschränkte Glaube an Gott selig machen würde. Diese Seligkeit – und das stand in einem krassen Gegensatz zu den damaligen Praktiken der Kirche mit den Ablässen – konnte nach Luthers Ansicht nicht käuflich sein.

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine berühmten 95 Thesen, die sich gegen die Bußpraxis und vor allem gegen den Ablasshandel der Kirche richteten, an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg an. Der Ablasshandel war damals eine weit verbreitete Methode der verschuldeten katholischen Kirche, um an Geld zu kommen. In Mitteldeutschland wirkte zu Luthers Zeiten als Ablasshändler Johann Tetzel, der außerordentlich erfolgreich die Kassen des Papstes Leo X. und des Erzbischofs zu Magdeburg, Albrechts von Brandenburg, füllte. Den Käufern eines Ablasses wurde versprochen, dass eine Vergebung all ihrer Sünden zu erreichen und damit dem gefürchteten Fegefeuer zu entgehen.

Die 95 Thesen wurden aber erst als gültig angesehen, als sie gedruckt und an verschiedene kirchliche Würdenträger und Gelehrte verschickt wurden. Mit seinen Thesen leitete Martin Luther – sicher ungewollt – große politische und religiöse Veränderungen ein. Die Kurie fühlte sich durch Luthers Thesen empfindlich getroffen und begann mit umfangreichen Untersuchungen gegen Martin Luther wegen des Verdachtes auf Ketzerei. Dennoch wurde ihm Gelegenheit gegeben, die Grundzüge seiner Ideen weiter auszuarbeiten. Diese Studien mündeten 1520 in zwei Schriften: „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ und „Vorspiel von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche“.

In diesen bedeutenden Schriften skizzierte Luther seiner Pläne zur Schaffung einer deutschen Nationalkirche, die vollständig von Rom und dem Papst unabhängig und vom Adel gegründet werden sollte. Die katholische Kirche zeigte sich wiederum gnädig. Im Oktober 1520 wurde Luther eine päpstliche Bulle zugeschickt, die ihn aufforderte, seine Gedanken innerhalb von 60 Tagen zu widerrufen. Martin Luther reagierte prompt: Noch im selben Monat verfasste er die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, in der er endgültig mit dem Papst brach.

Martin Luther erkannte von nun an nur noch die Bibel als Autorität an. Doch Luther ging noch viel weiter: Im Dezember 1520 verbrannte er öffentlich Schriften der katholischen Kirche und die päpstliche Bulle. Seine Ideen hatten mittlerweile schon große Teile Deutschlands erfasst und Martin Luther genoss nicht nur beim einfachen Volk großes Ansehen. Daher musste die Kurie reagieren und Martin Luther wurde zum Reichstag nach Worms geladen, um seine Thesen zu widerrufen. Am 17. April 1521 stand Luther vor den Reichsfürsten, Vertretern der Kirche und dem Kaiser in Worms.

Bild: Luther vor Karl V. auf dem Reichstag zu Worms 1521. Wandgemälde (um 1880) von Hermann Wislicenus in der Kaiserpfalz Goslar. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Luther vor Karl V. auf dem Reichstag zu Worms 1521. Wandgemälde (um 1880) von Hermann Wislicenus in der Kaiserpfalz Goslar.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Trotz seines Wissens, dass eine Verweigerung des Widerrufs seiner Lehren den Tod bedeuten könnte, beharrte er auf seiner Einstellung gegenüber dem Papst. Nach Luthers Auftritt in Worms wurde mit dem Wormser Edikt die Reichsacht über ihn verhängt. Es war demnach verboten, Luther in jeder Weise zu unterstützen und seine Schriften zu lesen oder zu verbreiten. Weiterhin sollte Luther gefangen genommen und an den Kaiser ausgeliefert werden. Luther war damit vogelfrei und durfte sogar getötet werden. Allerdings wurde ihm für die Rückreise nach Wittenberg freies Geleit zugesichert.

Der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, ließ daraufhin Martin Luther auf seiner Rückreise entführen und auf die Wartburg bringen. Friedrich war von den Lehren Martin Luthers begeistert, und so schützte er ihn vor dem sicheren Tod. Luther bekam eine neue Identität als Junker Jörg. Auf Anraten seines Freundes Philipp Melanchthon übersetzte er dort die Bibel in nur elf Wochen in die deutsche Sprache [3]. In Wittenberg führte unterdessen Andreas Karlstadt außerordentlich erfolgreich Luthers Werk weiter.

Der Magistrat der Stadt Wittenberg ließ Heiligenbilder aus den Kirchen entfernen und Mönche wurden gezwungen, ihr geleistetes Gelübde aufzugeben und ein bürgerliches Leben zu führen. Die Gottesdienstordnung wurde geändert. Außerdem befanden sich zeitweilig Tuchknappen aus Zwickau in Wittenberg, die die Lehren des Jan Hus verbreiteten. Immer mehr Gemeinden Kursachsens forderten Luthers Reformationen ein. Ihm ging die Entwicklung zu schnell und so versuchte er sie einzubremsen. Unter diesen Umständen kehrte Luther im März 1522 nach Wittenberg zurück.

Luthers Gedanken gingen dahin, dass Reformen nur unter der Federführung des Adels durchgeführt werden könnten. Längst jedoch hatte Luthers Handeln politische Dimensionen angenommen: Der charismatische Prediger Thomas Müntzer griff die reformatorischen Ideen auf und stellte sich an die Spitze des Bauernkrieges, der 1525 große Teile Mitteldeutschlands ergriff. Martin Luther sprach den rechtlosen und unter schlimmer Ausbeutung lebenden Bauern das Recht auf Selbstbestimmung, insbesondere aber die Vereinnahmung seiner Ideen, ab.

1525 heiratete er Katharina von Bora – eine ehemalige Nonne – mit der er sechs Kinder hatte. Luther gilt wegen dieser Ehe und seiner Kinder bis heute als Muster eines evangelischen Pastors. Gemeinsam mit Philipp Melanchthon vertiefte er seine theologischen Studien. Luther erarbeitete den Kleinen Katechismus, der die wichtigsten Ansichten der lutherischen Kirche enthielt. Johann von Wettin, der Nachfolger Friedrichs des Weisen, förderte die Reformation in Kursachsen in besonderer Weise. Zum Weihnachtsfest 1525 wurde daher die Messe in Wittenberg in deutscher Sprache gehalten.

Die Lehre Luthes wurde in Sachsen zur staatstragenden Religion. Zwischen 1527 und 1531 zogen staatliche und kirchliche Beamte durch Sachsen und überprüften die Kirchengemeinde und ihre Pfarrer. Alle Pfarrer, die nicht bereit waren, die neue Lehre zu verbreiten wurden entlassen. Bei der Visitation wurde auch der Besitz der Kloster inventarisiert und damit die Grundlage für die Säkularisation geschaffen. Der Kurfürst von Sachsen wurde zum Oberhaupt der Kirche in seinem Territorium. Im Laufe der nächsten Jahre folgten etliche Landesherren in Mittel- und Norddeutschland dem Vorbild Sachsens.

Ende Januar 1546 reiste der Reformator Martin Luther – bereits von schwerer Krankheit gezeichnet – nochmals in seine Geburtsstadt Eisleben. Graf Albrecht von Mansfeld bat ihn, einen langwierigen Streit zwischen den Grafen von Mansfeld, den Status der Eisleber Neustadt betreffend, zu schlichten. Diesen Wunsch konnte und wollte Luther dem Förderer des Reformationsgedankens in seiner Heimat nicht abschlagen. Die Verhandlungen kamen gut voran und Luther predigte zudem an drei aufeinander folgenden Sonntagen in der Kirche St. Andreas.

Bild: Auf dem Markt der Lutherstadt Eisleben.

Bild: Auf dem Markt der Lutherstadt Eisleben.

Am 16. Februar 1546 verschlechterte sich sein Zustand deutlich. Sein nahes Ende fühlend, brachte er die Schlichtung des Streites noch zu Ende aber bereits am folgenden Tage war er kaum noch zu einer körperlichen Anstrengung fähig. Am Donnerstag, den 18. Februar, zwischen zwei und drei Uhr morgens starb Martin Luther in Eisleben. Als Todesursache wurde Herzversagen festgestellt.

Bild: Die gusseiserne Kopie des Kopfes vom Wittenberger Lutherdenkmal steht vor dem Geburtshaus des Reformators in Eisleben.

Bild: Die gusseiserne Kopie des Kopfes vom Wittenberger Lutherdenkmal steht vor dem Geburtshaus des Reformators in Eisleben.

Luthers Zeit war durch schwere gesellschaftliche Veränderungen und einen starken wissenschaftlichen Fortschritt geprägt. Neue Länder und Kontinente wurden entdeckt und das gesamte Weltbild änderte sich. Bürger und Bauern wurden selbstbewusster und zumindest das Bürgertum konnte Kapital aus diesen Entwicklungen schlagen. In diesem Zusammenhang muss auch das Wirken Martin Luthers mit all seiner Widersprüchlichkeit gesehen werden.

  1. Der Name Luther wurde erst von Martin Luther eingeführt. []
  2. Bakkalaureus ist der niedrigste akademische Grad. Dieser wird heute noch in Nordamerika und Großbritannien sowie zunehmend in Deutschland vergeben (Bachelor). []
  3. Martin Luther schuf nicht die erste deutschsprachige Bibel. Seine Übersetzungen unterschieden sich jedoch deutlich in der Qualität vorhergehender Versuche. Dabei kam es ihm nicht so sehr auf die wörtliche Übersetzung, sondern auf eine Anschaulichkeit und Eingängigkeit der Texte an. Mit der Übersetzung des Alten Testaments begann Martin Luther erst 1523. Die Arbeit wurde 1532 abgeschlossen und 1534 konnte die erste gedruckte Lutherbibel erworben werden. []

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