Novalis – Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg

Georg Friedrich Philip Freiherr von Hardenberg wurde am 2. Mai 1772 im Schloss zu Wiederstedt bei Hettstedt im Mansfelder Land als Sohn des Großgrundbesitzers Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg als zweites Kind von elf Kindern geboren. Friedrich von Hardenberg war als Kind besonders schwächlich und anfällig. Die Mutter, Auguste Bernhardine, verwöhnte ihn. Dennoch wuchs er in einem streng pietistisch geprägten Elternhaus auf [1]. Sein Vater zeigte erst Interesse am Sohn, als er dessen besonderen intellektuellen Fähigkeiten erkannte. Er nahm ihn mit auf Geschäftsreisen und ab 1783 verbrachte Friedrich von Hardenberg längere Zeit bei einem weltoffenen Onkel auf Schloss Luckum bei Helmstedt.

Bild: Friedrich von Hardenberg (Novalis). Portrait von Franz Gareis um 1799. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Friedrich von Hardenberg (Novalis). Portrait von Franz Gareis um 1799.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Seine Kindheit war durch den Siebenjährigen Krieg zwischen Österreich und Preußen [2] geprägt. Da das Gut des Vaters mehrfach durch die kriegsführenden Parteien verwüstet wurde, nahm sein Vater 1785 das Amt eines Direktors der Salinen von Artern, Bad Dürrenberg und Bad Kösen an. Deshalb zog die Familie von Hardenberg um nach Weißenfels. Bereits als sechzehnjähriger schrieb Friedrich von Hardenberg seine ersten Gedichte. Er stand in brieflichen Kontakt zu dem im nahen Molmerswende geborenen Dichter Gottfried August Bürger. Auch mit Friedrich Schiller, den er 1791 durch Vermittlung seines Vaters kennenlernte, war er eng befreundet. Von 1790 bis 1794 studierte er Mathematik, Jura und Philosophie in Jena, Leipzig und Wittenberg, da sein Vater eine Laufbahn im Staatsdienst verfügt hatte.

Bild: Das Schloss der Familie von Hardenberg in Wiederstedt.

Bild: Das Schloss der Familie von Hardenberg in Wiederstedt.

Bild: Das Schloss der Familie von Hardenberg in Wiederstedt.

Bild: Das Schloss der Familie von Hardenberg in Wiederstedt.

Bild: Das Schloss der Familie von Hardenberg in Wiederstedt.

Bild: Das Schloss der Familie von Hardenberg in Wiederstedt.

Nach dem Studium trat er in den Staatsdienst ein. Ebenfalls im Jahre 1794 verlobte er sich mit der erst 13jährigen Sophie von Kühn – ohne Wissen seiner Eltern. Ihr unerwarteter Tuberkulosetod im Jahre 1797 erklärt seinen Hang zur Mystik. Seine geliebte Sophie taucht immer wieder in seinen literarischen Werken auf. Erst ab 1798 nannte sich Friedrich von Hardenberg nach einem seiner Ahnherren Novalis. 1797 begann von Hardenberg ein Studium der Bergwerkskunde, Chemie und Mathematik an der traditionsreichen Bergakademie im sächsischen Freiberg. 1798 verlobte er sich erneut. 1799 wurde er wieder in den Staatsdienst berufen. Ab 1800 litt von Hardenberg an einer schweren Lungenkrankheit, vermutlich Tuberkulose. Als sein 13jähriger Bruder im Oktober 1800 Selbstmord beging, erlitt Novalis einen Blutsturz. Am 25. März 1801 starb er in Weißenfels.

Novalis’ Werke sind voller Religiosität, aber auch ein Spiegel seiner in der Mystik verhafteten Seele. Obgleich Novalis sehr jung starb, wurde die Literatur der Romantik durch ihn wesentlich geprägt.

  1. Der Pietismus ist eine im 17. und 18. Jahrhundert entstandene religiöse Bewegung des deutschen Protestantismus, in deren Mittelpunkt die persönliche Bekehrung und die Umsetzung des Glaubens im täglichen Leben standen. Die Anhänger dieser Lehre sollten sich durch ständige Gewissensprüfungen, Gebete und gute Werke auszeichnen. Ein in Mitteldeutschland berühmter und dort noch heute hoch geehrter Pietist war der in Halle an der Saale lebende August Herrmann Francke, der dort 1695 die gleichnamigen Stiftungen gründete, die aus Waisenhaus, Lehrerseminar und Lateinschule bestand. Viel Freude dürften die Insassen seiner Stiftungen nicht gehabt haben, denn Francke war ein Förderer einer überaus strengen Erziehung. Spielen und Musik waren verboten, statt dessen gab es Bibelstudium und Gebete. Die Erziehungsmethode Franckes beruhte auf der Brechung des Eigenwillens der Kinder. Entsprechend dürfte es in seinen Stiftungen zugegangen sein. Francke kam in das preußische Halle an der Saale, weil er aus dem sächsischen Leipzig vertrieben wurde. Der erste Preußenkönig, Freidrich I., ebenfalls von pietistischer Weltanschauung geprägt, bot ihm in Halle an der Saale optimale Entfaltungsmöglichkeiten. Franckes Erziehungsmethoden werden ihm ein Vorbild gewesen sein. Friedrich der Große schrieb später über seinen Großvater Friedrich I.: „Kurz, er war in kleinen Dingen groß und in großen Dingen klein.“ []
  2. Der Siebenjährige Krieg wurde 1756 bis 1763 von Österreich gegen Preußen geführt. Es ging Österreich um die Wiedergewinnung des an Bodenschätzen reichen Schlesiens, das es 1748 an Preußen verloren hatten. Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich und Königin von Böhmen und Ungarn, gewann Sachsen, Russland, Schweden, Frankreich und Spanien für einen Krieg gegen Preussen. Unter diesem Druck – ein Angriff gegen Preußen war für das Frühjahr 1757 geplant – begann Preußen unter Friedrich II. einen Präventivkrieg gegen Sachsen, der mit der Besetzung Sachsens endete. Nach mehreren, teils verheerenden Rückschlägen konnte sich Preußen – es hatte weitaus weniger Menschen unter Waffen als seine Kriegsgegner und war zeitweise von diesen besetzt – gegen Österreich durchsetzen. Das ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass Russland sich 1862 nach dem Tode der Zarin Elisabetha Petrowna aus dem Kriegsgeschen zurückzog. Ihr Nachfolger, Peter III. war ein Bewunderer Preußens und so schloss er im Mai des Jahres 1862 einen Bündnisvertrag mit Preußen. Damit begann die antipreussische Koaltion zu zerbrechen. Der Krieg endete am 15. Januar 1763 mit dem Frieden von Hubertusburg, bei dem Preußen endgültig der Besitz des an Bodenschätzen reichen Schlesiens bestätigt wurde. Gleichzeitig konnte Preußen sich als europäische Großmacht etablieren. In einem Zusatzabkommen sicherte Friedrich II. Österreich zu, Joseph I. mit seiner Kurfürstenstimme bei der Wahl zum römisch-deutschen König zu unterstützen. []

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