Robert Büchner und die Rettung des Lenindenkmals von Eisleben




Einleitung

Bis zum 9. Dezember 1991 stand in der alten Bergbau- und Industriestadt Eisleben in zentraler Lage am Plan ein überlebensgroßes Lenindenkmal.
Um dieses Denkmal rankte sich die Geschichte der Rettung vor der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges durch klassenbewusste Arbeiter. Von Seiten der Regierung der DDR wurde diese Rettungsgeschichte immer wieder verbreitet. Ihren Ausgang hat diese Legende bei Robert Büchner - dem ersten Bürgermeister der Stadt Eisleben nach dem Zweiten Weltkrieg - genommen. Wieviel an dieser Legende wahr oder erfunden ist, wird sich wahrscheinlich nicht mehr herausfinden lassen. Die Persönlichkeit Robert Büchner jedenfalls ist faszinierend. Sein Lebenslauf ist durch ständige Wechsel zwischen Karriere und Degradierung gekennzeichnet, und auch geprägt durch Widersprüche. Es gibt nur wenige Menschen, die immer wieder bei den jeweiligen Machthabern - auch unter veränderten politischen Bedingungen - Anstoß erregen. Robert Büchner gehörte zu diesen Persönlichkeiten. Zudem war Robert Büchner intelligent und er konnte improvisieren und organisieren.

Bild: Das Lenindenkmal in Eisleben mit den Portraits von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl. Aufnahme aus dem Jahre 1950. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Das Lenindenkmal in Eisleben mit den Portraits von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl.
Aufnahme aus dem Jahre 1950.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.



Kindheit und Jugend

Hans Edgar Robert Büchner wurde am 18. Oktober 1904 als dritter Sohn eines Bergmannes in der Lutherstadt Eisleben geboren. Seine älteren Brüder - Arthur und Kurt Büchner waren ebenso wie der Vater Bergleute. Robert Büchner hatte eine Schwester, die Elli hieß. Die Familie Robert Büchners lebte in ärmlichen Verhältnissen. Als Unterkunft für die sechs Personen diente ein einziges Zimmer, an das eine kleine Küche angebaut war. Robert Büchner dürfte schon als Junge ein gewisses Interesse an Politik bekommen haben. Seine Brüder und der Vater diskutierten jedenfalls oft und dann auch laut über Politik und zumindest seine Brüder erklärten, ihre schlechte Situation und ihre Armut, hänge mit der Ausbeutung der Arbeiterklasse zusammen. Auch Robert Büchner begann bald, öffentlich seine Meinung zu Themen der Politik zu äußern.

Karte: Die Lutherstadt Eisleben war der Geburtsort von Robert Büchner.


Zudem entdeckte er noch während seiner Volksschulzeit die Liebe zum Schreiben. Sein Berufswunsch war, Journalist zu werden - für ein Arbeiterkind damals fast unerreichbar. Robert Büchner trat schließlich Lehrstelle als Müller in der etwa 15 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Hettstedt an. Nach Beendigung der Müllerlehre trat er 1922 dem KOMMUNISTISCHEN JUGENDVERBAND DEUTSCHLANDS - KVDJ - bei. Zu diesem Schritt hat möglicherweise das eigene Erleben der Beisetzung der Märzgefallenen 1921 auf dem Alten Friedhof - dem campo santo - in Eisleben beigetragen.


Erste politische Erfahrung

Bereits 1923 wurde Robert Büchner das erste Mal inhaftiert. Eine Auseinandersetzung mit der Polizei brachte ihm eine Woche Untersuchungshaft ein. Zu diesem Zeitpunkt begann Robert Büchners politische Karriere, die ihn zwar nie ganz nach oben brachte, aber dennoch respektabel ist. Büchner begann Streiks zu organisieren und Reden vor Arbeitern zu halten. Dabei muss er ziemlich impulsiv agiert haben. Den Führen des KVDJ jedenfalls hat die Persönlichkeit Robert Büchner entweder so imponiert, dass sie ihn 1924 auf eine Wanderschaft quer durch Deutschland geschickt haben. Vielleicht sollte er aber auch nur erst einmal ruhig gestellt werden. Zu dieser Zeit hatte Robert Büchner erste Berührungspunkte zu den Revolutionstheorien von Wladimir Iljitsch Uljanow - wir kennen ihn unter seinem Kunstnamen LENIN. Und genau dieser LENIN bestimmte fortan das Leben Robert Büchners.

1924 folgte der Eintritt in die KOMMUNISTISCHE PARTEI DEUTSCHLANDS (KPD). Irgendwann während seiner Wanderzeit wurde Büchner in Neuss am Rhein sesshaft. Er arbeitete dort bis 1930 als Müller in einer Großmühle. Danach war er bei einer kommunistischen Zeitung in Düsseldorf als Arbeiterkorrespondent beschäftigt und konnte erste Erfahrungen als Journalist sammeln. Offenbar gefielen seine Artikel, denn es folgten Berufungen zur Zeitung FREIHEIT in Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal und Hagen in Westfalen. Im August 1932 musste Robert untertauchen. Er arbeitete in diesem Jahr als Redakteur für eine Zeitung in Wuppertal und war für seine heftigen Kommentare bekannt. Die Zeitung musste wegen dieser Kommentare sogar kurzzeitig eingestellt werden. Gegen den Redakteur Robert Büchner wurde wegen Hochverrats polizeilich ermittelt und die Staatsanwaltschaft bereitete eine entsprechende Klage gegen ihn vor.


Die Zeit des Dritten Reiches

Politische Verfolgung und Haft

Um Robert Büchner vor der Justiz zu schützen, schickte ihn das Zentralomitee der KPD im Oktober 1932 zu einem Studium an die INTERNATIONALE LENIN-SCHULE nach Moskau (siehe Fußnote 1). Im Oktober 1934 kehrte Robert Büchner aus seinem Exil zurück und musste wiederum im Untergrund leben. Er arbeitete für die Reichsleitung des KVDJ - auch in Eisleben - bevor er am 18. Mai 1935 von der GESTAPO - der GEHEIMEN STAATSPOLIZEI des NS-Regimes - verhaftet wurde. Im Archiv der Staatspolizeistelle in Halle an der Saale findet sich im Lagebericht des Monats Mai 1935 folgender Eintrag: "Im UB Eisleben sind bisher 10 Personen festgenommen worden, darunter der Redakteur Robert Büchner, geb. 18.10.1904 in Eisleben, wohnhaft illegal in Eisleben, zuletzt angeblich in Wuppertal-Barmen. Büchner hat bei seiner Festnahme zunächst jede Angabe über seine Personalien verweigert. Bei der Eintragung in das Haftbuch des Polizeigefängnisses zu Halle gab er an, Willi Müller zu heißen." (Quelle: /1/)

Im Januar 1936 wurde Robert Büchner angeklagt und zu fünf Jahren Zuchthaus im bis heute berüchtigten Gefängnis ROTER OCHSE in Halle an der Saale verurteilt - wegen Hochverrats (siehe Fußnote 2). Einem Gnadengesuch wurde erst nach dem Juni 1945 - nach der Zerschlagung des NS-Regimes - stattgegeben. Robert Büchner wurde unter Auflagen aus der Haft entlassen. Ihm wurde gestattet, bei seiner Mutter in Eisleben zu wohnen (siehe Fußnote 3) und es wurde ihm eine Stelle in ein einer Mühle in Halle zugewiesen. Zusätzlich musste er sich täglich bei der örtlichen Polizei melden. Weshalb er nicht in eines der Bewährungsbataillone - auch als Strafbattaillone bekannt - an die Front geschickt wurde, lässt sich heute wohl nicht mehr herausfinden.


Der Widerstand

Die darauf folgenden Abschnitte im Leben Robert Büchners - im Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und in der DDR - lassen sich oft nur noch anhand eigener Aufzeichnungen des Robert Büchner nachvollziehen. Der Wahrheitsgehalt dieser Aufzeichnungen ist mehr oder minder ungewiss - insbesondere weil selbst die kommunistischen Machthaber oft ihre Zweifel daran hatten! Demnach gründete Robert Büchner im Jahre 1940 gemeinsam mit seinen Brüdern und anderen Gleichgesinnten die ANTIFASCHISTISCHE ARBEITSGRUPPE MITTELDEUTSCHLANDS - abgekürzt AAM. Die AAM war eine in der Illegalität operierende Unterorganisation der verbotenen KPD. Im Laufe der Zeit soll auf Betreiben Robert Büchners eine weit verzweigte und im Untergrund operierende Organisation entstanden sein, die bis zum Geiseltal bei Merseburg reichte. Die Mitglieder dieser Untergrundorganisation sollen in der Mehrzahl überzeugte Kommunisten gewesen sein.

Die Führung innerhalb der Widerstandsgruppe wurde von Robert Büchner, Otto Gotsche - dem in der späteren DDR bekannten Schriftsteller und Sekretär des Staatsrates unter Walter Ulbricht -, sowie Adolf Jahns übernommen. Adolf Jahns wurde 1944 in das berüchtigte Strafbattaillion 999 eingezogen (siehe Fußnote 4) und sein Platz wurde durch seine Frau Klara Jahns - genannt Kläre - eingenommen. Die Zusammenkünfte der AAM mussten unter strengster Geheimhaltung erfolgen, da viele ihrer Mitglieder politisch straffällig waren und unter der besonderen Beobachtung der GESTAPO standen. Nach den Erinnerungen von Robert Büchner hatte die Gruppe schon 1943 einen Plan für die Übernahme der Macht in Eisleben - und die Verhinderung einer Zerstörung der Lutherstadt durch die Alliierten - nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches. Inwieweit diese Memoiren der Wahrheit entsprechen, sei dahingestellt. Es ist aber unbestritten, dass Robert Büchner - wie wir später noch sehen werden - tatsächlich innerhalb weniger Stunden eine funktionierende Verwaltung organisieren konnte.

Bild: Abzeichen der Ostarbeiter im Dritten Reich.
Offenbar leisteten die Mitglieder der AAM auch praktische Hilfe, denn der sowjetische Arzt Dr. Orlow, der während des Zweiten Weltkrieges im Ostarbeiterlager Friedrichsberg bei Eisleben die medizinische Betreuung übernahm, schrieb viele Jahre nach dem Krieg, dass die AAM durch den Schmuggel von Lebensmitteln und Medikamenten in das Lager vielen Menschen das Leben gerettet hat. Das Schicksal der Ostarbeiter - aus Polen und den Staaten der Sowjetunion verschleppte Männer und Frauen - war ähnlich schwer, wie das der Insassen der zahlreichen Konzentrationslager. Das Dritte Reich hatte nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges einen enormen Bedarf an Arbeitskräften (siehe Fußnote 5). Die meisten Männer waren zum Frontdienst eingezogen und ihre Stellen wurden unter anderem durch Ostarbeiter aufgefüllt - in der Industrie und auf den Bauernhöfen. Der Kontakt zu den Ostarbeitern brachte Robert Büchner auch die Bekanntschaft mit Valentina Schestakova, einer hübschen 18-jährigen verschleppten Russin. Sie sollte später bei der Rettung des Lenindenkmals von Eisleben eine wichtige Rolle spielen.

Die Russin Valentina Schestakova arbeitete als Zwangsarbeiterin auf einem Bauernhof in der Nähe von Eisleben. Um Robert Büchner zu treffen, ging sie an einem Herbstabend des Jahres 1944 zum Bahnhof der Lutherstadt Eisleben. Büchner kam - wie jeden Abend mit dem Zug aus Halle. Sie soll es gewesen sein, von der die Nachricht des Lenindenkmals von Eisleben an Robert Büchner gelangte. Valentina Schestakova sprach sehr gut deutsch und hatte - wie auch immer - gute Kontakte zu anderen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen der Arbeitslager rund um die Lutherstadt Eisleben. Von ihr will Robert Büchner - wie er später immer wieder betonte - von der Leninskulptur auf dem Schrottplatz der Krughütte erfahren haben. Diese Geschichte sollte später ihre ganz eigene Dynamik erfahren.


Das Lenindenkmal und Eisleben

Eine Ladung Schrott kommt in Eisleben an

Lassen Sie uns in der Geschichte ein Jahr zurück gehen. An einem kalten und regnerischen Tag im Oktober des Jahres 1943 kamen wie so oft Züge mit Buntmetallen in Eisleben an. Hitlers gigantische Kriegsmaschinerie benötigte Buntmetalle für die Produktion der Munition für Gewehre und Kanonen. Die Waggons wurden am Bahnhof von Lokomotiven der Werksbahn der MANSFELD AG in Empfang genommen und über die Millionenbrücke zur Krughütte gefahren. Während sonst in der Regel Schrott, wie demontierte Armaturen oder Bruchstücke von Kirchenglocken auf den Wagons liegen, sind es diesmal große Skulpturen. Oft kamen die Buntmetallieferungen aus den besetzten Gebieten.

Der Lokführer der Werksbahn, Alfred Pfautsch, fuhr an diesem Abend die Wagons mit Koks und den Skulpturen zum Bahnhof Krughütte, wo schon ein Trupp Zwangsarbeiter für die Entladung bereitstand. Das Entladen der Wagons mit Koks verlief wie fast immer sehr planlos und die schweren Skulpturen im Schrott machten dem Entladekommando besondere Probleme. Geeignete Hebezeuge standen nicht zur Verfügung aber die Arbeit musste getan werden, denn der Werkschutz stand unnachgiebig hinter den Zwangsarbeitern und trieb zur Eile an. Zudem war das Gelände wegen der ständig drohenden Luftangriffe der Briten und Amerikaner verdunkelt. Wie durch ein Wunder überstand die Leninskulptur das Entladen und den Transport zum Schrottlagerplatz unbeschadet.

Bild: Reste der Strecke der Werksbahn der MANSFELD AG vom Bahnhof Eisleben zur Krughütte auf der Millionenbrücke. Aufnahme von April 2010.

Bild: Reste der Strecke der Werksbahn der MANSFELD AG vom
Bahnhof Eisleben zur Krughütte auf der Millionenbrücke.
Aufnahme von April 2010.



Lenin auf dem Schrottplatz

Später ist von Seiten der Regierung der DDR immer wieder betont worden, das Lenindenkmal habe den Krieg nur unbeschadet überstehen können, weil die sowjetischen Zwangsarbeiter und klassenbewusste deutsche Arbeiter gemeinsam gehandelt hätten. Dagegen spricht zumindest, dass die Zwangsarbeiter weitgehend abgeschottet von den deutschen Arbeitern gehalten wurden. Diejenigen Zwangsarbeiter, die auf der Krughütte arbeiten mussten, waren in einem Lager auf dem Friedrichsberg, am Westrand der Lutherstadt Eisleben und wenige hundert Meter Luftlinie von der Krughütte entfernt gelegen, untergebracht.

Bild: Die Krughütte mit der Millionenbrücke bei Eisleben. Historische Aufnahme unbekannten Alters, vermutlich 1930er Jahre. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Krughütte mit der Millionenbrücke bei Eisleben.
Historische Aufnahme unbekannten Alters, vermutlich 1930er Jahre.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.


Zur Bewertung der später entstandenen Legende um das Lenindenkmal sind folgende Fakten wichtig: Gruppenbildung im Lager stand unter schwerer Strafe, aufkommende umtriebige Gedanken wurden von der Wachmannschaft umgehend unterdrückt. Ein unerlaubtes Entfernen aus dem Lager wurde mit standrechtlicher Erschießung geahndet. Dennoch waren gewisse Kontakte auf der Arbeitsebene zwischen deutschen Arbeitern und sowjetischen Zwangsarbeitern unvermeidlich.

Von zentraler Bedeutung ist vielmehr, welches Verhältnis die sowjetischen Zwangsarbeiter sowie die deutschen Arbeiter zu Lenin hatten und ob es überhaupt notwendig war, die Leninstatue zu verstecken. Leider lassen sich diese drei Fragen nur vage beantworten. Tatsache ist, dass die Verhältnisse in der Sowjetunion zur damaligen Zeit keinen Deut besser waren, als im SS-Staat des Adolf Hitler. Es gab immer wieder politische Säuberungen, verbunden mit der Verbannung oder Tötung millionen Missliebiger und zu politisch motivierten Hungersnöten.

Die einzige bekanntgewordene Person, die direkt mit den Zwangsarbeitern über das Lenindenkmal auf dem Schrottplatz der Krughütte gesprochen hat, ist der Gichtmeister Emil Huß. Nach seinen Erinnerungen haben die zumeist ukrainischen Zwangsarbeiter der Krughütte Lenin gehasst. In den 1920er Jahren hatte besonders die Ukraine unter einer Hungersnot sowie militärischer Willkür zu leiden und Millionen Opfer zu beklagen. Bis heute gibt es das Gerücht, dass sie Ukrainer geziehlt ausgerottet werden sollten. Emil Huß berichtete davon, dass die Ostarbeiter auf das im Dreck liegende Lenindenkmal gepinkelt hätten. Liebe zum Revolutionsführer sieht eigentlich anders aus.

Sowohl Emil Huß als auch andere später befragte Personen, stellten fest, dass die Leninstatue bis zum Ende des Krieges zwar bäuchlings aber vollkommen offen und gut sichtbar auf dem Schrottplatz gelegen hat. Es hat auch vereinzelt Versuche gegeben, das Denkmal mittels Schneidbrennern zu zerlegen oder zu sprengen. Beide Versuche zogen sich jedoch bis zum Ende des Krieges hin. Wahrscheinlich stand der technische Aufwand zur Zerlegung des Lenindenkmals in für die Schmelzöfen nutzbare Einzelteile in keinem Verhältnis zum Ergebnis.

Die Mehrheit der deutschen Arbeiter auf dem Schrottplatz der Krughütte dürften kaum registriert haben, welches Denkmal hier gelagert wurde. Die Persönlichkeit des öffentlichen Interesses jener Zeit war zweifellos Stalin, der - wenn auch meist karikiert - in deutschen Zeitungen auftauchte. Wie viele Kommunisten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges auf der Krughütte arbeiteten - denn die hätten Lenin erkennen müssen - ist nicht bekannt.

Die meisten arbeitsfähigen Männer waren zum Wehrdienst eingezogen, missliebige Personen saßen in den zahlreichen Konzentrationslagern ein oder wurden in Strafbataillone gesteckt. Arbeiten konnte von den Männern nur, wer unabkömmlich - im damaligen Sprachgebrauch UK genannt - gestellt war.



Bild: Die Robert-Büchner-Straße in Eisleben.

Bild: Die Robert-Büchner-Straße in Eisleben.



Quellenangabe:
/1/ Stedtler, A.:
„Die Akte Lenin
Eine Rettungsgeschichte mit Haken“
Mitteldeutscher Verlag GmbH
ISBN 3-89812-329-4



Fußnoten:
  1. Einige Absolventen der Lenin-Schule bekleideten später führende Ämter in kommunistischen Regierungen, wie Nikolaos Zachariadis in Griechenland, Josip Broz Tito in Jugoslawien, Władysław Gomułka in Polen oder Erich Honecker in der DDR. Ein populärer Leiter dieser Schule war unter anderem von Januar bis Mai 1932 der späterePräsident der DDR, Wilhelm Pieck. [☛ zurück]
  2. Auch Robert Büchners Brüder waren zu dieser Zeit wegen ihrer politischen Aktivitäten inhaftiert, kamen aber früher frei. [☛ zurück]
  3. Robert Büchners Vater verstarb im Juni 1940, noch vor der Haftentlassung seines jüngsten Sohnes. [☛ zurück]
  4. Das Strafbattallion 999 - auch Strafdivision 999 - war ein im Jahre 1942 aufgestellter Verband der Deutschen Wehrmacht. Es gehörte zu einem System von Bewährungseinheiten, in denen sich straffällige Deutsche durch den Einsatz an der Front rehabilitieren sollten. Der Grund für die Gründung dieser Bewährungseinheiten lag aber im Mangel an Soldaten. Das Strafbattaillion 999 wurde im Balkan zum Kamp gegen Partisanen und an der Front in der Sowjetunionn eingesetzt. Da die Soldaten oft überzeugte Kommunisten waren, setzten sie den Widerstand gegen das NS Regime fort und es kam oft zum Überlaufen ganzer Einheiten zum Gegner. Das ANTIFASCHISTISCHE KOMITEE FREIES DEUTSCHLAND wurde im Wesentlichen durch Soldaten der Strafdivision 999 gebildet. [☛ zurück]
  5. Diejenigen Ostarbeiter, die auf einem Bauernhof unterkamen, hatten in den meisten Fällen Glück. Sie durften zwar offiziell keinen Kontakt zu der Familie des Bauern haben, wurden aber meist gut verpflegt und auch gut behandelt. Das Essen musste allerdings getrennt von der Familie des Bauern eingenommen werden und die Ostarbeiter durften öffentliche Orte wie etwa Badeanstalten nicht betreten. Die Einhaltung dieser Maßnahmen wurde von der örtlichen Polizei - abhängig von der Persönlichkeit des Wachtmeisters - überwacht. Auch dafür fanden sich nach Augenzeugenberichten - in Abhängigkeit der Systemtreue und Menschlichkeit des Bauern und des Bürgermeisters Lösungen, die den Ostarbeitern ein unter den gegebenen Umständen ein einigermaßen erträgliches Leben ermöglichten. So mancher Polizeibeamte wurde nach dem Ende des Krieges von den Ostarbeitern gnadenlos verprügelt, Auf der anderen Seite legten sie manches gute Wort für ihre Bauern und den Bürgermeister ein. Auf den Bauernhöfen wurden die Ostarbeiter jedenfalls selten geschlagen oder misshandelt. In den großen Industriebetrieben dürfte dies anders ausgesehen haben.


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