Sangerhausen – Die Halde Hohe Linde oder Thomas-Münzer-Schacht

Am 9. September 1951 wurde auf dem Thomas-Münzer-Schacht durch das gerade gegründete VEB Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck nördlich der Stadt Sangerhausen mit der Förderung von Kupferschiefer begonnen. Der Schacht wurde nach dem Prediger und Bauernführer Thomas Müntzer, der im nahen Stolberg im Harz geboren wurde, benannt – allerdings in der falschen Schreibweise seines Nachnamens [1].


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Bereits zu dieser Zeit war klar, dass sich der Bergbau auf Kupferschiefer in absehbarer Zeit aus den Revieren des Mansfelder Landes in das Sangerhäuser Revier verlagern würde. Der Grund lag im Wesentlichen in der höheren erwarteten Ausbeute pro Quadratmeter Abbaufläche. Bei der Lagerstätte des Thomas-Münzer-Schachtes betrug diese zum Beispiel 12,8 kg Kupfer pro Quadratmeter, in den Lagerstätten Oberröblingen und Nienstedt sogar 22,8 kg Kupfer pro Quadratmeter. Der erste – zu DDR-Zeiten – im Mansfelder Revier geschlossene Schacht war 1958 der Hans-Seidel-Schacht bei Helbra, der letzte 1969 der Otto-Brosowski-Schacht bei Gerbstedt.

Bild: Die Kegelhalde des Thomas-Müntzer-Schachtes bei Sangerhausen vom Wildrosenpfad aus gesehen. Die Halde ist mit Raureif bedeckt. Aufnahme vom März 2006.

Bild: Die Kegelhalde des Thomas-Müntzer-Schachtes bei Sangerhausen vom Wildrosenpfad aus gesehen. Die Halde ist mit Raureif bedeckt. Aufnahme vom März 2006.

Am 10. August 1990 wurde auch in Sangerhausen der Bergbau eingestellt. Im Sangerhäuser Revier wurden in 39 Jahren intensiver bergbaulicher Tätigkeit etwa 27 Millionen Tonnen Kupferschiefer gefördert. Aus dieser unvorstellbaren Menge Erz wurden etwa 600.000 Tonnen Kupfer und 3.000 Tonnen Silber gewonnen. Der Bergbau hat die Stadt Sangerhausen nachhaltig verändert. Der Bedarf an Arbeitskräften ließ die Stadt kräftig wachsen.

Zwischen 1945 und 1989 stieg die Zahl der Einwohner von 12000 auf 34000. Neue Häuser und Wohnsiedlungen – auch die früher sehr begehrten und heute geschmähten Plattenbauten – entstanden. Aber auch die Natur wurde verändert. Die Kegelhalden des Thomas-Müntzer-Schachtes und der beiden Bernhardt-Koehnen-Schächte in Oberröblingen und Nienstedt wurden aufgeschüttet, um das taube Gestein aufzunehmen [2]. Diese Halden werden noch in Jahrtausenden als weit sichtbare Landmarken vom Bergbau und dem Fleiß der Bergarbeiter künden.

Im ehemaligen Sangerhäuser Revier ist die Kegelhalde des Thomas-Münzer-Schachtes besonders markant. An der Südabdachung des Harzes gelegen und von ihrem Fuß aus 144 Meter hoch aufgeschüttet, erreicht sie eine Gesamthöhe von fast 400 Meter über dem Meeresspiegel. Die Halde des Thomas-Müntzer-Schachtes – HOHE LINDE genannt – enthält etwa 15 Millionen Tonnen Gestein. Zum großen Teil sind das Zechstein, Fäule und Dachberge – aber auch Anhydrid, Sand und Salze.

1956 wurde mit der Aufschüttung der Bergbauhalde Hohe Linde begonnen. Diese Halden werden Jahrhunderte brauchen, ehe sie langsam zu überwachsen beginnen. Zum einen bestehen sie nur zu 50 Prozent aus festem Material. Der Rest ist mit Luft gefüllter Hohlraum, so dass eine dauerhafte Bindung von Wasser nur eingeschränkt möglich ist. Zum anderen sind die Gesteine schwer verwitternd. Auch der Gehalt an Salzen und Schwermetallen hemmt das Wachstum höherer Pflanzen. Im Inneren der Haldenkegel kann auch im Sommer noch Eis vorkommen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Bild: Die Abraumhalde Hohe Linde des ehemaligen Thomas-Müntzer-Schachtes in Sangerhausen.

Normalerweise ist das Besteigen der Bergbauhalden aus Sicherheitsgründen verboten. Gelegentlich finden jedoch öffentliche Besteigungen der Halde des Thomas-Münzer-Schachtes unter der Leitung des Bergbaumuseums Wettelrode statt. Bei schönem Wetter bietet sich dem Besucher vom Gipfel der Halde ein spektakulärer Blick über den Unterharz und sein südliches Vorland bis zum Petersbergmassiv bei Halle an der Saale.

Externe Links:
Rosenstadt Sangerhausen – ROSENSTADT SANGERHAUSEN GmbH
www.sangerhausen-tourist.de
Sangerhausen – WIKIPEDIA
de.wikipedia.org/wiki/Sangerhausen
Bergbaumuseum und Schaubergwerk Röhrigschacht Wettelrode
www.roehrigschacht.de
MANSFELD (Unternehmen) – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Mansfeld_(Unternehmen)

  1. Wie es zu der falschen Namensgebung kam, ist dem Verfasser dieses Artikels nicht bekannt. Eigentlich hätte der Schacht Thomas-Müntzer-Schacht heißen müssen. []
  2. Die Kegelhalden im Mansfelder Land haben einen etwas anderen Aufbau: Ihr Fuß wird durch im Grundriss viereckige Flachhalden gebildet. Diese Flachhalden sind ein Relikt der mittleren Bergbauphase. Die Kegelhalden wurden über die bereits vorhandenen Flachhalden geschüttet. Im Sangerhäuser Revier gibt es diese Flachhalden in Wettelrode. Hier wurde der Bergbau im 19. Jahrhundert unterbrochen. []

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