Stecklenberg im Harz – Die Burgruine Stecklenburg

Hoch über dem kleinen Ort Stecklenberg unweit Gernrode am Nordrand des Unterharzes steht die Ruine der alten Stecklenburg. Im Jahre 1129 wurde erstmals ein Gero de Steckeleberge urkundlich erwähnt, allerdings ohne Nennung der Burganlage. Da sich die Adeligen jener Zeit üblicherweise nach ihren Burgen zu nennen pflegten, ist aber anzunehmen, dass um diese Zeit bereits eine Burganlage an der jetzigen Stelle bestanden hat. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich Barbarossa wurde die Stecklenburg zerstört [1]. 1181 wurde der Name Stecklenburg als CASTRUM STECKELENBORK erstmals erwähnt. In diesem Jahr ging die Stecklenburg in das Eigentum des Stiftes Halberstadt über. Die Bischöfe von Halberstadt ließen die Burg umgehend wieder aufbauen.


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Bereits 1188 wurde ein Betmann von Hoym als Besitzer genannt. Die Familie von Hoym war bis 1713 ununterbrochen im Besitz der Stecklenburg und der dazugehörigen Ländereien. Die Herren von Hoym brauchten auch eine starke Burg, denn sie lagen oft in blutiger Fehde mit den Bürgern der Stadt Quedlinburg, die große Teile der umliegenden Wälder besaßen. Im Spätherbst des Jahres 1590 kam es zu einem Schusswechsel zwischen mehreren Mitgliedern der Familie von Hoym und dem Quedlinburger Hauptmann Balthasar Worm. Die Hoymer erschossen einige Hunde von Quedlinburgern, die Holz aus dem Wald abfuhren. Am nächsten Tag fanden sich etwa 300 bewaffnete Quedlinburger zusammen, um auf die Stecklenburg zu ziehen und die Herren von Hoym abzustrafen. Der Stadthauptmann Worm, der den Streit nicht eskalieren lassen wollte, ritt schnell zur Stecklenburg, wo er auch auf die Herren von Hoym traf und diese ausdrücklich verwarnte. Als er die Herren von Hoym gefangen nehmen wollte, schossen sie auf ihn, trafen aber nur sein Pferd. Beim darauf folgenden Schusswechsel wurden zwei der Herren von Hoym tödlich und einer schwer verletzt [2].

Bild: Impressionen von der Burgruine Stecklenburg bei Stecklenberg im Harz.

Bild: Impressionen von der Burgruine Stecklenburg bei Stecklenberg im Harz.

1713 verkauften die Herren von Hoym die Burg mit allen zugehörigen Ländereien an den König von Preußen, der eine Domäne einrichten ließ. Der Pächter der Domäne wohnte zuerst auf der Burg, zog aber bereits 1720 in ein Haus am Fuße des Burgberges. Ab 1726 begann der Abriss der Burggebäude. Zuerst wurde das Brauhaus an den Fuß des Burgberges versetzt, danach wurden weitere Gebäude abgerissen. 1736 besuchte ein Herr von Rohr, der auch die Burg Arnstein im Landkreis Mansfeld-Südharz besichtigte, die Stecklenburg und befand: „Dieses Schloss ist auch seinen Ruinen ziemlich nahe, …“. 1750 wurde dann auch die Burgkapelle als letztes Gebäude abgerissen und in der Ortschaft Stecklenberg neu aufgebaut. Im Jahre 1839 ist dann schließlich noch der Bergfried zusammengefallen. Die Stecklenburg diente nun endgültig als Steinbruch bis 1850 die Ruinen auf Vorschlag eines Oberförsters unter Schutz gestellt wurde.

Bilder: Die Burgruine Stecklenburg.
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  1. Etwa 20 Gehminuten von der Ruine der Stecklenburg entfernt finden sich die Überreste der Lauenburg. Auch diese Burg wurde während der Kriege zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich Barbarossa zerstört. Die Lauenburg soll einmal die zweitgrößte Burg des Harzes gewesen sein. Möglicherweise gehörten auch beide Burgen mal zusammen. Burgen solch extremer Größe sind in Mitteldeutschland gar nicht mal so selten. Siehe Schloss Seeburg im Landkreis Mansfeld-Südharz. []
  2. Die großkalibrigen Gewehrgeschosse der damaligen Zeit mit ihren geringen Fluggeschwindigkeiten aber großen Durchmessern haben bei einem Treffer grässliche Verletzungen verursacht. Ein Treffer an den Extremitäten hat fast immer dazu geführt, dass ganze Gliedmaßen regelrecht zerfetzt, damit nicht mehr durchblutet wurden und deshalb nicht mehr zu retten waren. Bei der Schießerei an der Stecklenburg wurde einer der tödlich Verwundeten in den Kopf getroffen, der andere in den Rücken. Beide haben noch die ganze Nacht gelebt und sind erst am folgenden Tag gestorben. []

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