Bad Frankenhausen – Das Bauernkriegs-Panorama und das Monumentalgemälde von Prof. Werner Tübke

Im südlichen Vorland des Harzes befindet sich zwischen dem Kyffhäuser-Gebirge und der Stadt Bad Frankenhausen auf dem so genannten Schlachtberg das Bauernkriegs-Panorama. Auf dem Schlachtberg soll im Mai 1525 das letzte Gefecht des Bauernkrieges in Mitteldeutschland stattgefunden haben, in deren Verlauf die Bauern vernichtend geschlagen wurden. Dabei sollen etwa 6000 Bauern ums Leben gekommen sein.


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Der Anführer der Bauern, Thomas Müntzer, wurde in die Wasserburg Heldrungen gebracht und am 27. Mai 1525 in der Nähe der Stadt Mühlhausen in Thüringen hingerichtet. Für nähere Informationen siehe auch die Seiten Thomas Müntzer und Heldrungen – Wasserburg, Festung und Schloss. Die SED sah sich ihrem Selbstverständnis als legitimer Erbe der Ideen der aufständischen Bauern. Deshalb sollte der Schlacht bei Bad Frankenhausen in einem angemessenen Rahmen gedacht werden. So begann man in den frühen siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts mit den Planungen zu einer Gedenkstätte.

Ausgeführt als Rundbau im für die DDR typischen realsozialistischen Baustil und unter Verwendung von viel Beton [1], beherbergt das Museum neben wechselnden Sonderausstellungen ein einziges monumentales Rundbild von 123 Metern Länge und 14 Metern Höhe, das in den achtziger Jahren von dem in Leipzig lebenden Prof. Werner Tübke gemalt wurde. Auf dem Bild sind mehr als 3000 Einzelfiguren dargestellt. Fertiggestellt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde die Gedenkstätte erst in den letzten Tagen der DDR – im September 1989.

Bild: Das Bauernkriegs-Panorama auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen.

Bild: Das Bauernkriegs-Panorama auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen.

Prof. Werner Tübke verstarb am 27. Mai 2004 im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit. Vom damals scheidenden Bundespräsidenten Rau wurde das Lebenswerk des Künstlers ausdrücklich gewürdigt. Tübke – so Johannes Rau – habe mit seinem Malstil eine ganz eigene Sicht auf die deutsche Geschichte gezeigt. Dem ist sicher nichts hinzuzufügen. In seinen Gemälden spielte immer das Individuum, dessen Rolle im Sozialismus ja heruntergespielt wurde, eine wesentliche Rolle.

Sein Malstil enthielt Elemente der Renaissance und besonders der darauf folgenden Epoche des Manierismus und – das ist wichtig – Tübke hat sich stets dem in der DDR vorherrschenden sozialistischen Realismus verweigert. Sein Maßstab waren die großen Renaissancemaler wie Dürer, Cranach oder die Meister des sich ab 1520 in Italien entwickelnden Manierismus. Nicht zuletzt verstand Tübke aber die Geschichte auch als ein Ergebnis ständiger Klassenkämpfe, womit er sich absolut konform mit der Geschichtsauffassung der DDR-Führung zeigte.

Das künstlerisch unbestritten beeindruckende Monumentalbild zeigt Szenen und – für den aufmerksamen Besucher besonders deutlich – Persönlichkeiten aus der Zeit des Bauernkrieges in einer durchaus merkwürdig anmutenden Mischung aus renaissanceähnlicher Kunst und einem kommunistischen Geschichtsbild mit einer nicht zu übersehenden Verachtung zumindest für die katholische Kirche.

Es gibt in Deutschland sicher kein Bild, das die Betrachter so polarisiert und zu so kontroversen Diskussionen anregt [2]. Für den Besucher ist bei einer der sehr zu empfehlenden etwa einstündigen Führungen interessant, wie heute versucht wird, Dinge aus dem Gemälde heraus zu interpretieren, die aber damals genau so gemeint waren, wie sie dargestellt wurden.

Leider kann ich auf dieser Website keine Bilder des Monumentalgemäldes zur Verfügung stellen, da das Werk urheberrechtlich geschützt ist.

Externe Links:
Die offizielle Internetseite des Panorama Museum Bad Frankenhausen
http://www.panorama-museum.de
Bauernkriegspanorama – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Bauernkriegspanorama

  1. Von Kritikern wird das Bauernkriegs-Panorama wegen seiner Form auch spöttisch Elefantenklo genannt. []
  2. Prof. Werner Tübke gestaltete 10 Jahre nach dem Bauernkriegs-Panorama den Flügelaltar der Sankt-Salvatoris-Kirche in der Oberharzer Stadt Clausthal-Zellerfeld in Niedersachsen. Dieser Altar ist als Zeichen der Versönung gedacht. []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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