Die Geschichte der Bergschule in Eisleben

Eng mit der Geschichte der alten Bergbaustadt Eisleben ist die Bergschule verbunden. Bereits gegen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts erkannten die Bergbaubetriebe in der Mansfelder Mulde, dass sie entsprechend ausgebildetes Führungspersonal benötigen würden, um den Kupferschieferbergbau langfristig aufrecht erhalten zu können. Allerdings war die politische Situation im Gebiet um Eisleben und Hettstedt zu jener Zeit eher ungünstig – es gab eine Berggrenze.

Die Berggrenze teilte das Mansfelder Revier in einen preußischen und einen sächsischen Teil, mit gravierenden Folgen für die wirtschaftliche Entfaltung der Region. Auch die politischen Auswirkungen waren fatal, da Preußen und Sachsen oft gegensätzliche Interessen hatten und oft in Kriegen gegeneinander lagen. Das war der Kleinstaaterei in Deutschland vor dem Erstarken Preußens infolge des Wiener Kongresses 1815 geschuldet.

Dennoch einigten sich Vertreter der Eislebisch und Hettstedtischen Gewerkschaften [1] auf einer Generalversammlung im Jahre 1719 auf die Einrichtung einer Bergschule, in der den zukünftigen Bergbeamten [2] eine wissenschaftliche Ausbildung in den wichtigsten Disziplinen erhalten sollten. In den ersten Jahren fand der Unterricht je nach Bedarf statt. Ein eigenes Schulgebäude gab es nicht.

Als 1765 in Freiberg in Sachsen die Bergakademie gegründet wurde, gingen viele Bergschüler zur Ausbildung dorthin. Dafür wurden jährlich Stipendien in Höhe von 180,- Talern bereitgestellt. Im Jahre 1780 beschloss Kursachsen sie Einrichtung einer ständigen Bergschule in Eisleben. Dennoch dauerte es noch einmal 18 Jahre, bis am 14. Juli 1798 die ersten Bergschüler immatrikuliert wurden. Unterrichtet wurde im Markscheidewesen (Vermessungswesen), Mathematik, Konstruktion und Bergbautechnik.

Die Größe der Bergschule orientierte sich am Bedarf an Bergbeamten, der zunächst mit 8 bis 10 Absolventen jährlich noch gering war. Die Ausbildung eines Bergbeamten dauerte vier Jahre. Allerdings gab es pro Woche auch nur insgesamt etwa 3 Stunden Vorlesung und Seminar. Das bedeutete aber nicht, dass sich die Bergschüler einem Lotterleben hingeben konnten.

Ganz im Gegenteil: Tägliches Erscheinen zur Arbeit auf den Schächten war Pflicht! der Unterricht wurde ab den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts auch auf Hüttenberufe ausgeweitet. Privatpersonen durften gegen Zahlung eines Schulgeldes am Unterricht teilnehmen. Während der Napoleonischen Kriege wurde der Unterricht für einige Jahre eingestellt und erst 1817 wieder aufgenommen.

Der Ausgang der Napoleonischen Kriege und der Wiener Kongress hatten für die ehemalige Grafschaft Mansfeld positive Auswirkungen. Die ehemalige Grafschaft kam komplett zu Preußen und die jahrhundertealte Berggrenze verschwand. Die zunehmende Zahl an Bergschülern erforderte ein eigenes Schulgebäude, das sich im alten Katharinenstift in der Sangerhäuser Straße fand.

Bild: Das Katharinenstift mit dem Knappenbrunnenen in Eisleben. Hier war zwischen 1817 und 1844 die Bergschule untergebracht.

Bild: Das Katharinenstift mit dem Knappenbrunnenen in Eisleben. Hier war zwischen 1817 und 1844 die Bergschule untergebracht.

Die Schülerzahl steig aber so stark an, dass die Bergschule 1844 in den Gasthof „Zum Güldenen Weinstock“ – ebenfalls in der Sangerhäuser Straße – umziehen musste. Durch Bergsenkungen hervorgerufene Bauschäden – in Eisleben allenthalben vorzufinden – zwangen bald zum erneuten Umzug. 1899 zog die Bergschule auf die Krughütte am westlichen Stadtrand von Eisleben an der Straße nach Wimmelburg.

Nachdem sich in Folge der Gründung des Deutschen Kaiserreiches das Einzugsgebiet der Bergschule stark vergrößerte und auch Bergbeamte für den Braunkohlen- und Kalibergbau ausgebildet werden mussten, wurde im Jahre 1901 der Bau eines neuen Schulgebäudes in der Eisleber Geiststraße beschlossen. Das neue Gebäude wurde am 20. März 1903 bezogen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde zwar das Prinzip einer dualen Ausbildung mit Unterrichts- und Arbeitstagen beibehalten. Aber 1921 wurde die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt, wobei es einen wöchentlichen Wechsel von Unterricht und Arbeit gab. Besonders gute Schüler konnten die Bergschule bereits nach einem Jahr in speziellen Oberklassen verlassen. In den Jahren zwischen 1798 und 1945 entließ die Schule insgesamt 3.650 Bergbeamte in die berufliche Zukunft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich auch die Ausbildung der Bergschüler. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) misstraute den Lehrkräften zutiefst, da viele der Lehrer Mitglied der NSDAP waren. So setzte die SMAD Lehrkräfte ihres Vertrauens ein – politisch zuverlässig, versteht sich. Die Regierung des Landes Sachsen-Anhalt wandelte die Bergschule in eine Ingenieurschule um.

Im März 1947 begann der Unterricht für etwa 80 Studenten in drei Klassen. Die Unterrichtsräume waren über ganz Eisleben verteilt, weil die sowjetischen Besatzer im Schulgebäude in der Geiststraße eine Kaserne eingerichtet hatten. Erst im Herbst 1948 konnte die Schule wieder in das Gebäude in der Geiststraße zurückkehren.

Im Jahre 1952 wurde der Grundstein zur neuen modernen Schule – der sogenannten Zweijahresschule – in der Querfurter Straße gelegt. An dieser Schule wurde in verschiedenen Abschnitten bis 1974 gebaut, auch weil sich inzwischen abzeichnete, dass der Kupferschieferbergbau langsam seinem Ende entgegenging und neue Ausbildungszweige wie Elektrotechnik und Maschinenbau erschlossen wurden. Auch Fernstudiengänge wurden angeboten. 1993 endete die lange Tradition der Bergschule Eisleben mit der Schließung der Einrichtung. Sie wurde einfach abgewickelt.

Bild: Die Ingenieurschule - die sogenannte Zweijahresschule - in der Querfurter Straße in Eisleben.

Bild: Die Ingenieurschule – die sogenannte Zweijahresschule – in der Querfurter Straße in Eisleben.

  1. Diese Gewerkschaften sind nicht mit dem zu vergleichen, was wir heute unter einer Gewerkschaft verstehen. Es waren keine Arbeitnehmervertretungen, sondern Zusammenschlüsse von kleineren Bergbau- und Hüttenunternehmen. Die Eigentümer dieser Gewerkschaften wurden Deputierte genannt. []
  2. Die Bergbeamten waren keine staatlich oder landesrechtlich bestellten Beamten, wie wir sie heute kennen. Sie waren in der Verwaltung der MANSFELD tätig und damit Beamte im gewerberechtlichen Sinne. []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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