Falkenstein – Die romantische Burg Falkenstein im Unterharz

Hoch über dem Flüsschen Selke im nordöstlichen Unterharz, nahe dem Dorf Meisdorf im Salzlandkreis, liegt idyllisch die mittelalterliche Burg Falkenstein. Hier im Mansfelder Bergland – dem östlichsten Teil des Harzes – steigen die Berge zwar kaum auf über 400 Meter an. Aber das Gebiet um die Burg Falkenstein ist dicht bewaldet, nur dünn besiedelt und landschaftlich außerordentlich reizvoll.


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Die heute so bekannte Burg Falkenstein ist bereits die zweite Burganlage dieses Namens, der Neue Falkenstein. Der Alte Falkenstein liegt in unmittelbarer Nähe, ebenfalls über der Selke im Harz. Von ihm sind heute jedoch nur noch dürftige Mauerreste zu sehen. Zwischen beiden Burgen gibt es eine geschichtliche Beziehung. Der Alte Falkenstein wurde wahrscheinlich bereits kurz nach der Schlacht von Welfesholz von den Sachsen zerstört. Die Sachsen hatten waren aus der Schlacht gegenüber dem Kaiser als Sieger hervorgegangen und fühlten sich offenbar durch die Burg und besonders durch den auf ihr hausenden Grafen von Winzenburg stark gestört.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Der Graf Hermann von Winzenburg war einer der Hauptleute des kaiserlichen Heeres. Nach seiner Zerstörung wurde der Alte Falkenstein nie wieder urkundlich erwähnt. Nur wenige Jahre später wurde ganz in der Nähe der wüsten Burgstätte eine neue Burg errichtet. Bauherren waren die Edelherren von Konradsburg. Die Edlen von Konradsburg waren am Aufstand der Sachsen gegen die kaiserliche Zentralgewalt maßgeblich beteiligt. Der erste Herr auf der neu errichteten Burg war im Jahre 1120 ein Burchard II. von Falkenstein bzw. von Konradsburg. In einer Übergangszeit bis 1142 wurden beide Geschlechternamen verwendet, danach nur noch von Falkenstein.

Damit wird um 1142 der Bau der neuen Burg Falkenstein weitgehend abgeschlossen gewesen sein. Ausschlag für die Errichtung der Burg und die Verlegung des Wohnsitzes dürfte die für eine Verteidigung günstige Lage auf einem Bergsporn inmitten dichter Wälder gegeben haben. Die Konradsburg lag – wie sich noch heute anhand des Klosters unschwer erkennen lässt – deutlich offener.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Die Edlen von Konradsburg stifteten nach der Fertigstellung der Burg Falkenstein auf dem Gelände ihrer Stammburg bei Ermsleben das Kloster Konradsburg. Das Adelige im Hochmittelalter Klöster stifteten, ist nicht ungewöhnlich. Einerseits ließ sich mit der Stiftung eines Klosters das Recht auf eine Ausübung weltlicher Ämter, wie Rechtsprechung und Lehensverwaltung, erwerben. Zum anderen war diese Zeit durch tiefe Frömmigkeit gekennzeichnet. Bei den Edlen von Konradsburg könnte auch genau das ein Grund für die Stiftung gewesen sein. Egeno von Konradsburg, der Vater des bereits erwähnten Burchard, soll gegen Ende des 11. Jahrhunderts den Grafen Adalbert von Ballenstedt erschlagen haben.

Rein wirtschaftliche Überlegungen werden wohl nicht den Ausschlag für die Klostergründung gegeben haben, denn die Herrschaft war Allodialbesitz, also echtes und vererbbares Eigentum der Familie. Ab 1155 erschien erstmals im Zusammenhang mit Burchard III., der ein Sohn Burchards II. war, der Titel Graf von Falkenstein. Über die Verleihung dieses Titels ist absolut nichts überliefert. Die Grafschaft hatte aber schon bald eine beträchtliche Ausdehnung. Unter Hoyer von Falkenstein wurde die Grafschaft zwischen 1211 und 1250 geteilt.

Dieser Graf Hoyer war es auch, der den in askanischen Diensten stehenden Eike von Repgow zur Niederschrift des Sachsenspiegels, bewegte. Eike von Repgow hat nach heutigem Wissensstand dieses außerordentlich bedeutende Rechtsbuch auf der Burg Falkenstein verfasst. Durch die Heirat Ottos IV. von Falkenstein mit Luitgard von Arnstein kamen auch Herrschaft und Burg Arnstein in den Besitz der Grafen von Falkenstein. Der erste und weltlich gebliebene Sohn Ottos, Friedrich, starb jedoch 1310 kinderlos und so drohte das Geschlecht auszusterben.

Sein zweiter Sohn Burchard IV., der dem weltlichen Leben entsagte und bereits Domherr zu Halberstadt war, konnte daher mit dem Segen der Kirche sein geistliches Amt aufgeben und sogar heiraten. Aber auch diese Ehe blieb kinderlos, da seine Frau Hedwig kurz nach der Hochzeit plötzlich verstarb. Deshalb schenkte Burchard IV. den gesamten Allodialbesitz dem Halberstädter Hochstift. Er selbst zog sich auch nach Halberstadt zurück, wo er bereits 1334 verstarb. Graf Albert von Regenstein, der mit Oda von Falkenstein verheiratet war, erhob nach dem Tode des letzten Grafen Anspruch auf die Grafschaft Falkenstein.

Der Graf von Regenstein eroberte die Burg gewaltsam, konnte sie aber nicht halten. Der Bischof von Halberstadt besetzte darauf hin zur Durchsetzung der bischöflichen Interessen die Burg Falkenstein mit eigenen Leuten. Zwischen 1425 und 1437 wurde die Burg Falkenstein pfandweise den Grafen von Mansfeld überlassen. 1437 wurde die Grafschaft Falkenstein mit der Burg vom Halberstädter Stift an die Familie von der Asseburg verkauft . Ab dieser Zeit erhielt die Burg Falkenstein auch ihre heutige Gestalt. Die Herren von der Asseburg wirtschafteten damals offensichtlich sehr erfolgreich, denn die Burganlage wurde beträchtlich erweitert und ausgebaut. Auch die Familie von der Asseburg erlangte die Grafenwürde. 1625 – im Dreißigjärigen Krieg – wurde die Burg erstmals von Wallensteins Truppen besetzt.

Bis 1643 waren dann immer wechselnde Besatzungstruppen auf dem Falkenstein. Es kam glücklicherweise entgegen damaligen Gepflogenheiten nicht zu größeren Zerstörungen. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg Falkenstein als Wohnsitz aufgegeben, nachdem kaum noch nennenswerte Mittel für seinen baulichen Erhalt ausgegeben wurden. Die Grafen von der Asseburg investierten lieber in ihr Schloss im nahen Meisdorf. Erst 1826 – im Zeitalter der Romantik – begannen am Falkenstein Ausbesserungsarbeiten. Der Falkenstein wurde zum Jagdschloss.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Bild: Die Burg Falkenstein im Unterharz.

Im Zweiten Weltkrieg wurde im Harz erbitterter Widerstand gegen die Alliierten geleistet. Die Festung Harz war Schauplatz blutiger Gefechte zwischen der bereits tödlich geschwächten deutschen Armee und der technisch überlegenen und deshalb unaufhaltsam vorrückenden US Army unter General Hodges. Am 17. April 1945 besetzten amerikanische Truppen den Falkenstein, nachdem die Burg und die umliegenden Wälder durch Tiefflieger beschossen wurden. Auch hier traten – abgesehen von einigen kaputten Möbeln – nur wenige Schäden auf. Die Familie von der Asseburg wurde 1945 im Zuge der in der sowjetischen Besatzungszone durchgeführten Bodenreform enteignet.

Verglichen mit anderen Burgen der Region wirkt der Falkenstein regelrecht zerbrechlich. Seine Wehrmauern sind relativ filigran und hätten warscheinlich auch bereits im 16. Jahrhundert keiner ernsthaften kriegerischen Auseinandersetzung standgehalten. Dennoch ist der Falkenstein eine der wenigen unverbauten Burganlagen des Mittelalters und inmitten der bewaldeten Berge des Unterharzes wirkt sie ausgesprochen romantisch.

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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