Felix Graf von Luckner – der SEETEUFEL

Felix Graf Luckner wurde am 9. Juni 1881 in der Nähe von Dresden geboren. Er stammt somit zwar nicht aus dem unmittelbaren Harzgebiet, hatte aber trotzdem eine wichtige Bedeutung für die Stadt Halle an der Saale. Luckner wuchs bei seiner Großmutter in Halle auf und riss im Alter von 16 Jahren von dort aus, um zur See zu fahren. Zuerst heuerte er unter dem Pseudonym PHYLAX LÜDICKE auf einem russischen Segler an.

Nach einigen Jahren auf See erwarb er 1903 das Steuermannspatent und diente danach als Einjährig-Freiwilliger [1] bei der Kaiserlichen Marine. 1907 erwarb er das Kapitänspatent und trat 1910 endgültig der Kaiserlichen Marine bei und wurde auf Geheiß Prinz Heinrichs zum Offizier befördert. Im Dezember 1916 wurde er als Kapitänleutnant zum Kommandanten des Hilfskreuzers SEEADLER [2] ernannt, nachdem er vorher als Kommandant eines Geschützturmes auf der S.M.S. KRONPRINZ an der Schlacht am Skagerrak teilgenommen hatte.

Bild: Felix Graf von Luckner in Galauniform. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Felix Graf von Luckner in Galauniform.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Das mit einem Hilfsmotor ausgestattete Segelschiff war das letzte aktive Kriegsschiff mit Segeln des ersten Weltkrieges. Beim Durchbruch durch den Englischen Kanal am Ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1916 wurde das Schiff, das sich als Norweger tarnte, von britischen Seestreitkräften geentert und durchsucht. Durch die vorzügliche Tarnung ließ man das Schiff allerdings passieren.

Bild: Die SEEADLER oder ehemalige PASS OF BAHAMA. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die SEEADLER oder ehemalige PASS OF BAHAMA.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Luckner versenkte auf seiner Kaperfahrt mehrere alliierte Schiffe, wobei auf den alliierten Schiffen nur ein Seemann ums Leben kam, als eine Granate eines Dampfleitung traf. Zufälligerweise versenkte Luckner auch das britische Segelschiff PINMORE auf dem er schon als Matrose gefahren war. Diese Versenkung traf ihn besonders hart. Im August 1917 zerschellte die SEEADLER – durch ein Seebeben getroffen – auf seinem Ankerplatz auf der Insel Mopelia, die heute ein französisches Überseedepartment ist.

Kurze Zeit später begab sich Luckner mit einigen Seeleuten in einem kleinen Boot auf eine über 2000 Seemeilen entfernte Fahrt über das offenen Meer. Auf Wakaya wurde er von neuseeländischen Truppen gefangen genommen und auf der Insel Motuihe interniert. Schon am 13. Dezember 1917 konnten Luckner und seine Kameraden fliehen und kaperten das Schiff des Inselkommandanten. Sie wurden aber ca. 900 Seemeilen entfernt von Motuihe wieder gefangen genommen nachdem sie einen den Schoner MOA enterten. 1918 wurde Luckner aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte nach Deutschland zurück. Auf der Seite der Alliierten wurde Luckner wegen seiner humanen Kriegsführung sehr geachtet.

1921 trat er in Hamburg einer Freimaurerloge bei und veröffentlichte mehrere Bücher, die er allerdings weitgehend durch einen Ghostwriter schreiben ließ. 1922 quittierte er als Korvettenkapitän seinen Dienst bei der Reichsmarine. Im Jahre 1926 startete Luckner eine Weltumseglung zur Vermarktung seiner Bücher die er allerdings nach zwei Jahren Abbrach. Vor allen in den USA war Luckner sehr erfolgreich und wurde sogar zum Ehrenbürger von San Francisco ernannt.

1933 kehrte Luckner in das inzwischen nationalsozialistisch gewordene Deutschland zurück und passte sein Verhalten an die neuen politischen Verhältnisse an, um die Finanzierung seiner Vortragsreisen zu sichern. Allerdings war er kein überzeugter Nationalsozialist und später gab es Gerüchte das Luckner eine Jüdin vor dem Konzentrationslager rettete. 1939 musste er sich vor einem Sondergericht wegen Blutschande und Unzucht mit Minderjährigen verantworten. Da Hitler allerdings kein Aufsehen erregen wollte, musste sich der ehemalige Kriegsheld aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Luckner begründete dies damit, dass er seine Ehrenbürgerwürde in Amerika nicht zurückgeben wollte, wie es die Nazis verlangten.

Im April des Jahres 1945 war Felix Graf Luckner maßgeblich an der Rettung der Stadt Halle an der Saale beteiligt, indem er mit einem Major der Wehrmacht der amerikanischen 104. Infanteriedivision – den legendären TIMBERWOLVES – unter General Hodges entgegenfuhr und die kampflose Übergabe der Stadt versprachen. Es gelang auch beiden, den Stadtkommandeur von Halle davon zu überzeugen. Dieser handelte damit gegen einen direkten Befehl Hitlers und begab sich damit in größte Lebensgefahr. Graf Luckner hat den Hallensern damit wahrscheinlich viel erspart, denn die TIMBERWOLVES hatten nur wenige Tage zuvor das Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen evakuiert.

Die GI’s waren zutiefst von dem dort vorgefundenen Elend und den vielen toten Häftlingen schockiert – und seitdem auch zum Äußersten bereit (siehe Seiten Nordhausen und das Konzentrationslager Mittelbau-Dora und Die Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora bei Nordhausen). Nach dem Abzug der Amerikaner flüchtete Felix Graf von Luckner in die Westzone und hielt dort weiter Vorträge und veröffentlichte Bücher. Seine Memoiren erreichten in den USA eine Millionenauflagen und er wurde mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäuft. Er erhielt im Jahre 1953 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, was aber auf Grund seines Verhaltens in der Zeit des Dritten Reiches und seiner sittlichen Verfehlungen sehr kontrovers diskutiert wurde.

Graf Luckner war zweimal verheiratet, zuerst mit der Hamburgerin Petra Schulz. Im September 1924 heiratete er in Malmö die Schwedin Ingeborg Engeström. Der Graf starb im April 1966 in Malmö und wurde auf dem berühmten Olsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt. Im Jahre 2006 wurde zum Anlass des 125. Geburtstages eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post veröffentlicht.

Externe Links:
Felix Graf von Luckner – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Graf_von_Luckner

Weiterführende Literatur:
Luckner, F.
Seeteufel
Abenteuer aus meinen Leben
Von Hase und Koehler, Leipzig 1939

  1. Die Einjährig-Freiwilligen mussten sich im Deutschland der Kaiserzeit selbst verpflegen und ausrüsten. Da dies zur damaligen Zeit sehr teuer war konnten sich praktisch nur Söhne des wohlhabenden Bürgertums oder des Adels verpflichten. Als Aufnahmebedingung war das Abitur oder wenigstens ein Mittelschulabschluss vorgeschrieben, diese Prüfung konnte allerdings auch vor einer Militärkommission abgelegt werden. Ziel dieser Bewegung war es eine große Reserve an Offizieren für den Kriegsfall zu besitzen. []
  2. Als Hilfskreuzer bezeichnet man Passagier- oder Handelsschiffe, die im Kriegsfall bewaffnet werden und der Kriegsmarine unterstehen. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden Hilfskreuzer auf allen Seiten eingesetzt, da sie eine große Autonomie im Fahrbereich und bei der Verpflegung besaßen und der Gegner das Aussehen der meist getarnten Schiffe nicht kannte. Laut Haager Seekriegsordnung durften sich Hilfskreuzer mit fremden Flaggen tarnen, mussten aber vor dem ersten Schuss die eigene Flagge zeigen. Berühmte Hilfskreuzer wahren WOLF im ersten Weltkrieg oder ATLANTIS und PINGUIN im zweiten Weltkrieg. Die SEEADLER wurde im Jahr 1916 von U36 als Prise aufgebracht. Es war das ehemalige amerikanische Vollschiff PASS OF BAHAMA, das im August 1888 gebaut wurde. Die Wasserverdrängung betrug ca. 3400 t. Die Länge betrug 80 Meter, die Breite 11.8 Meter und der Tiefgang etwa 6 Meter. Das Schiff war mit zwei 10.5 Zentimeter Kanonen und zwei Maschinengewehren bewaffnet. []

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