Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil – Der Begründer der modernen Jagd- und Forstwirtschaft

- WALD VOR WILD -

– WALD VOR WILD –

Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil wurde am 28. März 1783 im kleinen Ort Rammelburg im Harz geboren. Sein Vater Johann Gottlob Benjamin Pfeil war der Justizamtmann und Generalbevollmächtigter der Familie von Friesen, seine Mutter Johanna, eine geborene Göcking, entstammte einer später geadelten preußischen Familie. Pfeil hatte noch sieben weitere Geschwister und sollte nach dem Willen seiner Eltern in die Fußstapfen seines Vaters treten und Rechtswissenschaften studieren. Für diese Zukunft wurde er bis zum Alter von 14 Jahren von einem Hauslehrer unterrichtet, bevor er Schüler des Ehrwürdigen STEPHANEUM GYMNASIUMS in Aschersleben wurde. Durch den frühen Tod seines Vaters im Jahre 1800 musste er aus finanziellen Gründen seine schulische Laufbahn abbrechen und trat im Forstamt Königshof – beim Oberharzer Örtchen Elbingerode – gelegen seine Lehrzeit beim Oberförster Kersten an.

Bild: Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil.

Bild: Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil.

Pfeil hatte sich schon seit seiner frühesten Jugend für Fragen der Jagd und Forstwirtschaft interessiert und fand bei seinem Lehrprinzen einen ausgezeichneten Ausbilder, der ihn in die praktischen Arbeiten des Jagdbetriebes einarbeitete, von Theorie hielt der preußische Oberförster nämlich nicht viel, angeblich gab es im Forstamt nur ein einziges Lehrbuch, welches auch nur auf höhere Anweisung angeschafft wurde. Gegen Ende des Jahres 1802 kam Pfeil zum Landjäger Pauli nach Thale, wo er sich mit den Gegebenheiten eines Mischwaldreviers vertraut machen konnte, das Revier in Königshütte bestand nur aus Fichtenbesatz. Im Gegensatz zu Pfeils ersten Lehrherren galt Pauli als ein guter Betriebswirt, sodass der angehende Forstmann hier die Grundkenntnisse der Betriebswirtschaft erlernen konnte, die für eine erfolgreiche Führung einer Waldwirtschaft damals wie heute unerlässlich sind.

Bild: Das Dorf Rammelburg im Unterharz mit seinem imposanten Schloss war der Geburtsort des Fortswissenschaftlers Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil.

Bild: Das Dorf Rammelburg im Unterharz mit seinem imposanten Schloss war der Geburtsort des Fortswissenschaftlers Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil.

In dieser Zeit begann er auch in einer Zeitschrift Artikel und Gedichte zu veröffentlichen und lernte so den Halberstädter Oberforstmeister von Hühnerbein kennen, der ihn später noch massiv förderte. Im Jahre 1803 begannen seine Wanderjahre die ihn in verschiedene Forstämter die ihn bis nach Süddeutschland und in die damalige preußische Enklave Neuenburg – Neuchatel – in der heutigen Schweiz führte. Direkt nach dem Ende seiner Ausbildungszeit kam er als Forstassistent im herzoglichen Revier Deutsch-Wartenberg – heute Otyn genannt – unter. Das in Schlesien im heutigen Polen gelegene 14.000 Morgen große Revier war sehr ungepflegt, der 80 jährige Förster war Jesuit ohne jegliche forstliche Bildung, jedoch ging Pfeil sofort mit großem Eifer daran das Revier zu reformieren und er wurde nach der Pensionierung des alten Försters zu seinem Nachfolger berufen. Dies tat er mit großem Erfolg, auch der Holzdiebstahl und die Wilderei durch die einheimische Bevölkerung ging zurück. Schließlich heiratete er im Juli 1807 Albertine Beate Nowack, aus der Ehe gingen eine Tochter und drei Söhne hervor.

Aufgrund des knappen Einkommens mussten sich die beiden allerdings sehr einschränken, Pfeil erwarb in dieser Zeit viele Bücher, um sich auf dem forstwissenschaftlichen Gebiet fortzubilden. In den Befreiungskriegen kämpfte Pfeil in den Schlachten bei Großbeeren und Wartenberg und wurde zum Hauptmann befördert, eine besondere Ehre, wenn man bedenkt, dass der Förster niemals eine militärische Ausbildung erhielt. Auch fiel in diese Zeit seine erste Buchveröffentlichung zum Thema Jagd und Forst und im Jahre 1816 erfolgte sein Wechsel in das 56 tausend Morgen große Revier des Fürsten zu Carolath-Beuten und 3 Jahre später noch zusätzlich die Aufsicht über die Forsten des Reichsgrafen von Pückler-Muskau. Im Jahre 1821 erhielt Pfeil die Ehrendoktorwürde der Universität der Stadt Berlin und eine Professur für forstwissenschaftliche Lehre, im Jahre 1830 wurde die Fakultät nach Eberswalde verlegt und Friedrich Wilhelm Pfeil wurde der Direktor des Institutes und war natürlich in dieser Position auch verantwortlich für das fast 16.000 Hektar große Lehrrevier der höheren Forstlehranstalt.

Der spartanisch lebende Pfeil ging ganz in seiner Arbeit auf und verfasste noch mehrere Fachbücher mit Gültigkeit bis in die heutige Zeit, auch der aktuelle Grundsatz der wirtschaftlichen Forstarbeit, der mit WALD VOR WILD bezeichnet wird, stammt aus der Feder Pfeils, außerdem galten seine Vorträge als Brillant und fesselten die Zuhörer. Nach der missglückten Revolution des Jahres 1848 setzte er sich in Preußen für eine Reformierung des Jagdgesetzes aus, so sollte der Jagdherr den Bauern Wildschäden ersetzen, die durch mangelnde Abschüsse entstanden sind. Zu seiner Lieblingsbeschäftigung gehörte die Jagd auf das Rotwild, welcher er am Liebsten im Thalenser Revier nachging [1]. Ab dem Jahre 1856 wurde Pfeil von ernsten gesundheitlichen Problemen heimgesucht, trotzdem lehrte er noch weitere 3 Jahre, bevor er sich am 20. Juni 1859 pensionieren ließ.

Bild: Die Jagd ist für die Naturverjüngung des Waldes unerlässlich.

Bild: Die Jagd ist für die Naturverjüngung des Waldes unerlässlich.

Zur Pensionierung wurde ihm der Titel Geheimer Forstrat verliehen und er beabsichtigte, seinen Ruhestand in Schlesien zu verbringen. Dies geschah aus zweierlei Gründen: Erstens lebte seine Tochter dort und er erhoffte sich durch den nahegelegenen Kurort Warmbrunn eine Linderung seiner Gichtprobleme. Nach der Beendigung des Sommersemesters Anfang September 1859 brach er nach Hirschberg auf, allerdings erlag er dort schon am 04. September seinen Leiden und die sterblichen Überreste wurden 3 Tage später auf dem Evangelischen Friedhof des Ortes würdevoll bestattet. Im Laufe seines Lebens verfasste er 24 Bücher und etwa 750 Abhandlungen, die bis in unsere Zeit hin Gültigkeit haben, zu Ehren seines Schaffens wurde eine Borkenkäferart nach ihm benannt. Auch ein Preis, der bis zum Jahre 2006 für besondere Verdienste in der europäischen Wald- und Forstwirtschaft verliehen wurde, trug seinen Namen.

Bild: Herbstlicher Buchenwald - Im Harz ist das ein vergleichsweise neuer Anblick. Früher war der Harz insbesondere von schnellwachsenden Fichtenbeständen bedeckt.

Bild: Herbstlicher Buchenwald – Im Harz ist das ein vergleichsweise neuer Anblick. Früher war der Harz insbesondere von schnellwachsenden Fichtenbeständen bedeckt.

  1. Der Verbiss an Pflanzen ist auch heute noch ein ernstzunehmendes Problem der Forstwirtschaft. Während Rehwild bis zu 1000 drei bis siebenjährige Setzlinge verbeißt, verbraucht Rotwild bis zu 500 fünfzehn bis zwanzigjährige Bäume pro Jahr. Der Schaden durch das Rotwild ist allerdings ungleichmäßig höher, die Bäume werden in einer Höhe von bis zu 1,60 Meter Höhe geschält und gehen ein. Da dieses Holz für die Nutzung ausfällt, versucht man die Schäden zu vermeiden, was allerdings nur durch eine kontinuierliche Bejagung gelingt. []

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