Halberstadt – Der Dom St. Stephanus

Das Bistum Halberstadt hat eine sehr lange Geschichte. Bereits im 9. Jahrhundert wurde an der Stelle der heutigen Stadt Halberstadt ein Missions- und Verwaltungszentrum im Gebiet der Sachsen gegründet. Die hier erbaute Kirche war bereits ein bedeutender Bischofssitz und – vielleicht anders als viele der Kirchenbauten jener Zeit auf deutschem Gebiet – aus Steinen errichtet. Der erste nachweisbare Kirchenbau an der Stelle des Domes wurde im Jahre 859 feierlich geweiht.


Größere Karte anzeigen

Langen Bestand hatte diese Kirche allerdings nicht, denn nur wenig mehr als hundert Jahre später – im Jahre 965 – stürzte er ein. Der Nachfolgebau hatte schon in etwa die imposanten Maße des heutigen Doms zu Halberstadt. Er wurde 992 geweiht. Die Bischöfe von Halberstadt hatten mit diesem gewaltigen Bauwerk ihren ganzen Ehrgeiz gegenüber dem nur etwa 50 Kilometer entferntem Magdeburg, das 968 zum Erzbistum erhoben wurde, zur Schau gestellt.

Bild: Der Dom zu Halberstadt.

Bild: Der Dom zu Halberstadt.

Dieser romanische Dom der Ottonenzeit hatte bis in das Jahr 1239 Bestand. Die Bischöfe von Halberstadt planten in dieser Zeit einen Dombau, ganz nach dem Vorbild der großen gotischen Kathedralen in Frankreich. Den Ausschlag wird vermutlich der Baubeginn des Domes zu Magdeburg im Jahre 1209 gegeben haben. Interessant ist, dass kurz vorher noch einige Geldmittel in die Einwölbung des romanischen Kirchenbaues investiert wurden. Zuerst wurde der Westbau errichtet, der noch einige romanische und frühgotische Architekturmerkmale aufweist. 1260 wurde mit dem Bau des Langhauses – bereits hochgotisch – begonnen. Das Mittelschiff hat die imposante Höhe von 27 Metern, die Seitenschiffe sind noch 18 Meter hoch. Der Bau orientierte sich an der Kathedrale von Reims. Allerdings konnten in den ersten nur drei Joche errichtet werden, weil der alte Dombau noch erhalten werden musste.

Die Domherren zu Halberstadt befanden sich zu dieser Zeit offenbar in einer gewissen Finanznot, denn der Bau des Langhauses zog sich über einen Zeitraum von ungefähr fünfzig Jahren hin. Später muss sich der Zustand finanzielle Klammheit sogar noch verschärft haben, denn erst um 1350 begann man mit dem Abbruch des alten Chores. Der Neubau dauerte wiederum etwa neunzig Jahre. Erst 1491 konnte der gesamte Dom geweiht werden. Wie der Dom mit seinen alten romanischen Bauteilen und den im Westen und Osten neu errichteten gotischen Neubauten in der Zwischenzeit aussah, ist leider nicht in Bildern überliefert. Er war in jedem Fall über Jahrhunderte eine Dauerbaustelle.

Diesen Bauzustand bewahrte sich der Dom bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die beiden Türme, die dem Dom das weithin sichtbare Gepräge geben, wurden in den Jahren zwischen 1882 und 1896 erneuert. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges, am 8. April 1945, wurde der Dom während eines Bombardements der britischen Area Bombing Directive [1] von 12 Bomben getroffen und schwerst beschädigt. Dabei wurden auch über 80 Prozent der Altstadt zerstört und 2500 Menschen fanden den Tod. Der Dom wurde nach dem Krieg und in Zeiten der DDR aufwendig wiederhergestellt. Die Restaurierungsarbeiten des Domes halten bis heute an. Die Altstadt allerdings blieb dem Verfall preisgegeben oder wurde mit Neubauten überbaut.

Bild: Der Dom zu Halberstadt von der Martinikirche aus gesehen.

Bild: Der Dom zu Halberstadt von der Martinikirche aus gesehen.

Bild: Die Türme des Doms zu Halberstadt vom Domplatz aus gesehen.

Bild: Die Türme des Doms zu Halberstadt vom Domplatz aus gesehen.

Bild: Skulptur im Dom zu Halberstadt.

Bild: Skulptur im Dom zu Halberstadt.

Bild: Skulptur im Dom zu Halberstadt.

Bild: Skulptur im Dom zu Halberstadt.

Bild: Skulptur im Dom zu Halberstadt.

Bild: Skulptur im Dom zu Halberstadt.

Bild: Büste des Reformators Dr. Martin Luther im Dom zu Halberstadt.

Bild: Büste des Reformators Dr. Martin Luther im Dom zu Halberstadt.

Bild: Kanzel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Kanzel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Kanzel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Kanzel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Die Orgel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Die Orgel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Die Orgel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Die Orgel im Dom zu Halberstadt.

Bild: Detailansicht des Lettner im Dom zu Halberstadt.

Bild: Detailansicht des Lettner im Dom zu Halberstadt.

Bild: Detailansicht des Lettner im Dom zu Halberstadt.

Bild: Detailansicht des Lettner im Dom zu Halberstadt.

Bild: Im Lettner des Doms zu Halberstadt.

Bild: Im Lettner des Doms zu Halberstadt.

Bild: Detailansicht des Lettner im Dom zu Halberstadt.

Bild: Detailansicht des Lettner im Dom zu Halberstadt.

Bild: Im nördlichen Seitenschiff des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im nördlichen Seitenschiff des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im Kreuzgang des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im Kreuzgang des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im Kreuzgang des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im Kreuzgang des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im Kreuzgang des Domes zu Halberstadt.

Bild: Im Kreuzgang des Domes zu Halberstadt.

Der Dom zu Halberstadt ist heute einer der wenigen großen Kirchenbauten in Deutschland, die sich an den großen gotischen Kathedralen in Frankreich orientiert. Das Ensemble historischer Häuser, dem Dom und der Liebfrauenkirche auf dem weitläufigen Domplatz prägt heute die Harzstadt. An den sinnlosen Völkermord des Zweiten Weltkrieges erinnert heute das Denkmal STEINE DER ERINNERUNG unmittelbar am Westportal des Domes.

Bild: Die Skulptur STEINE DER ERINNERUNG am Westportal des Domes zu Halberstadt.

Bild: Die Skulptur STEINE DER ERINNERUNG am Westportal des Domes zu Halberstadt.

Bild: Der historische Domplatz von Halberstadt mit dem Dom.

Bild: Der historische Domplatz von Halberstadt mit dem Dom.

  1. Die Area Bombing Directive (General Drective No. 5) war die Anweisung zum Flächenbombardement des britischen Luftfahrtministeriums vom 14.02.1942. Mit dieser Direktive wurde General Sir Arthur Harris – später BOMBER HARRIS genannt – freie Hand für den Einsatz seiner Bomber gegeben („You are accordingly authorised to use your forces without restriction …“). []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

Kommentare sind geschlossen.