Heinrich Kreipe – Das spektakuläre Kidnapping eines deutschen Generals und Ritterkreuzträgers auf der Insel Kreta

Bild: Ritterkreuzträger Heinrich Kreipe.

Bild: Ritterkreuzträger Heinrich Kreipe.

Heinrich Kreipe wurde am 05.06.1895 als Karl Heinrich Ferdinand Kreipe in Niederspier im heutigen Kyffhäuserkreis geboren. Sein Vater war evangelischer Pfarrer und hatte insgesamt 15 Kinder. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Kreipe unter anderem in Verdun und beendete den Krieg als Leutnant. Während der Weimarer Republik diente er weiter in der etwa 100.000 Mann starken Reichswehr. Im Zweiten Weltkrieg wurde er an der Ostfront eingesetzt und erhielt während der 900 Tage dauernden Besetzung der Stadt Leningrad am 13. Oktober 1941 das Ritterkreuz, nachdem er wenige Tage zuvor zum Oberst befördert wurde. Später wurde Kreipe der kommandierende Offizier der 79. Infanteriedivision, die in der blutigen Schlacht von Charkow sowie in Stalingrad kämpfte. Im September 1943 wurde Kreipe zum Generalmajor befördert und übernahm am 15. Februar 1944 das Kommando über die 22. Infanteriedivision, die auf der Mittelmeerinsel Kreta stationiert war.

Bild: Die Insel Kreta. Bild: © 2010 by Herbert Ecke.

Bild: Die Insel Kreta.
Bild: © 2010 by Herbert Ecke.

Bild: General Friedrich-Wilhelm Müller - der eigentlich an Stelle des Generals Heinrich Kreipe auf der Insel Kreta vom SOE entführt werden sollte. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: General Friedrich-Wilhelm Müller – der eigentlich an Stelle des Generals Heinrich Kreipe auf der Insel Kreta vom SOE entführt werden sollte.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Schon kurz nach der verlustreichen Eroberung Kretas durch Deutsche Fallschirmjäger am 20. Mai 1941 kam es in der Zweigstelle OST des Special Operations Executive – kurz SOE [1] – zu Planungen, wie man die Deutschen Truppen auf Kreta schwächen könnte. Aber erst etwa 3 Jahre später kam es zur Ausführung des verwegenen Unternehmens. Eigentlich sollte General Friedrich-Wilhelm Müller, der Vorgänger Kreipes entführt werden. General Müller soll sich sehr brutal gegen die einheimische Bevölkerung der Insel Kreta verhalten haben – und das war auch einer der Anlässe für die Entführung.

Am 04.02.1944 starteten die beiden britischen Offiziere Patrick Leigh-Felmore und Stanley Moss sowie die beiden griechischen SOE Agenten Manoli Paterakis und Georgi Tyrakis mit einem Flugzeug zur geplanten Mission. Beim ersten Anflug konnte nur Leigh-Felmore abspringen. Die drei anderen kamen erst einige Wochen später mit einem Motorboot nach Kreta. General Müller verließ allerdings wenige Tage vor der Entführung die Insel, weil er versetzt wurde. Nachdem das Unternehmen durch die Indiskretion der griechischen Partisanen fast gescheitert wäre, kam es am 26.04.1944 zu einem Überfall auf Generalmajor Kreipes Wagen. Der Generalmajor war auf dem Weg von seinem Divisionsstabsquartier in Ano Archanes zu seinem Privatquartier, der Villa Ariadne in Knossos. Mit dem Generalmajor zusammen im Wagen befand sich nur sein Fahrer, der aus Hamburg stammende Unteroffizier Albert Felske.

Die beiden waren nur leicht bewaffnet, Felske trug eine Pistole, außerdem befand sich im Wagen noch eine Maschinenpistole. Auf den eigentlich obligatorischen Begleitschutz wurden aus welchen Gründen auch immer verzichtet. An der Kreuzung der Straßen von Archanes nach Knossos/Heraklion kam es zu der gefährlichen Aktion: Leigh-Felmore und Moss stoppten als deutsche Soldaten verkleidet den Opel Kapitän des Generals und verlangten den Fahrbefehl und später das Kennwort. Als der General ausstieg um die Soldaten zu fragen, ob sie denn ihren General nicht kennen, gaben sie sich als britische Offiziere zu erkennen und verhafteten den General und seinen Fahrer. Leigh-Felmore fuhr dann den Wagen noch etwa 2 Kilometer weiter und deponierte einige Gegenstände darin, die auf eine Entführung durch britische Soldaten hinweisen sollte – unter anderem Zigaretten und ein Kriminalroman von Agatha Christie.

Bild: Major Leigh-Felmore und Captain Moss in deutschen Uniformen unmittelbar vor der Entführung Heinrich Kreipes. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Major Leigh-Felmore und Captain Moss in deutschen Uniformen unmittelbar vor der Entführung Heinrich Kreipes.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Kreuzung an der Straße von Archanes nach Knossos/Heraklion, auf der die Entführung des Genaralmajors Heinrich Kreipes stattfand. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Kreuzung an der Straße von Archanes nach Knossos/Heraklion, auf der die Entführung des Genaralmajors Heinrich Kreipes stattfand.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Moss und die beiden griechischen Agenten flüchteten mit den beiden Deutschen in Richtung Anoya wo sie sich wieder mit Leigh-Felmore treffen sollten. Während dessen ließ Moss einen Boten zu einem anderen SOE Agenten schicken, der die erfolgreiche Entführung nach Kairo weitergab. Kurze Zeit später wurden bereits Flugblätter über Kreta abgeworfen. In der Zwischenzeit merkten allerdings auch die Deutschen, dass ihr Generalmajor abhandengekommen war und einige riesige Suchaktion mit etwa 30.000 Soldaten, der gesamten auf Kreta eingesetzten Garnison, sowie mehreren Flugzeugen begann. Gegen Mittag des 27. April wurde der Wagen des Generals in der nähe einer flachen Bucht gefunden, von der aus erst vor kurzer Zeit der Flughafen von Heraklion von einem britischen U-Boot aus beschossen wurde. Da man jetzt auch glaubte das sich der General jetzt in Ägypten befindet wurde die suche schon am nächsten Tag wieder eingestellt, nachdem die Soldaten die Entführer in ihrem Höhlenversteck fast entdeckt wurden.

Nachdem sich die Entführer mehrere Wochen auf der Flucht befanden und sich unter anderem im Ida-Gebirge bei einem Schäfer versteckten wurde Unteroffizier Felske, der sich von den SOE Agenten getrennt befand, von griechischen Partisanen niedergestochen und sein Grab wurde erst einige Jahre später gefunden. Seit einiger Zeit wird auch wieder von den Deutschen nach Kreipe gesucht, durch einen Spitzel haben sie herausgefunden, dass sich der General wohl doch noch auf der Insel befindet. Am 15. Mai werden die Teilnehmer des Unternehmens durch ein Schnellboot der Engländer nach Marsa Matruch in Ägypten gebracht und 2 Tage später wurde der Generalmajor in Kairo der Presse vorgeführt. Kreipe sagte später selbst das er während seiner Entführung gut behandelt wurde, brach sich allerdings die Schulter, als er von einem Maultier stürzte. Aus der Kriegsgefangenschaft wurde er 1947 entlassen. Heinrich Kreipe starb am 14.06.1976 in Niedersachsen.

Bild: Deutscher Suchtrupp nach der Entführung Kreipes im Ida-Gebirge auf Kreta. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Deutscher Suchtrupp nach der Entführung Kreipes im Ida-Gebirge auf Kreta.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Deutscher Suchtrupp nach der Entführung Kreipes im Ida-Gebirge auf Kreta. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Deutscher Suchtrupp nach der Entführung Kreipes im Ida-Gebirge auf Kreta.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Der gekidnappte General Heinrich in seinem Versteck im Ida-Gebirge. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Der gekidnappte General Heinrich in seinem Versteck im Ida-Gebirge.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Deutsches Flugblatt mit der Bekanntgabe der Repressalien gegen das Dorf Anoya. An der Entführung des Generals Heinrich Kreipe waren einige der Bewohner des Dorfes beteiligt. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Deutsches Flugblatt mit der Bekanntgabe der Repressalien gegen das Dorf Anoya. An der Entführung des Generals Heinrich Kreipe waren einige der Bewohner des Dorfes beteiligt.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Generalmajor Heinrich Kreipe mit dem verletzten Arm bei seiner Ankunft in Kairo. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Generalmajor Heinrich Kreipe mit dem verletzten Arm bei seiner Ankunft in Kairo.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Externe Links:
Heinrich Kreipe – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Kreipe

Weiterführende Literatur:
Piekalkiewicz, J.
Spione Agenten Soldaten
Neuauflage F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung München 1988
© Erstauflage 1969
ISBN 3.7766.1527.3

 

  1. Die SOE – Special Operations Executive – wurde im Juni 1940, kurz nach dem für beide Seiten zum Debakel gewordenen Rückzug der Engländer aus Dünkirchen, gegründet. Die Organisation glich eher einem Club als einer militärischen Einheit, Mitglied konnte nur man nur auf Einladung eines Angehörigen werden und die Teilnehmer bestanden aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten vom kleinen Taschendieb über Rechtsanwälte oder aktiven und ehemaligen Militärangehörigen bis zu Angehörigen des Hochadels. Natürlich wurden auch Menschen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten rekrutiert, die dort später wieder eingesetzt werden sollten. In der Anfangszeit gab es kaum eine Überlebenschance für die im Feindesland eingesetzten Agenten, später jedoch wurden die Einsätze immer besser vorbereitet. So gab es zum Beispiel in der Nähe des Londoner Hauptquartiers in der Baker Street einen aus Österreich geflüchteten jüdischen Schneider, der die Organisation mit Kleidung versorgte, auch Pässe oder Lebensmittelkarten wurden professionell gefälscht und die Agenten mit modernsten Waffen- und Kommunikationsmitteln ausgestattet. Für einige der besetzten Gebiete gab es eigene Abteilungen, so zum Beispiel für Norwegen und die Tschechoslowakei. []

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