Hettstedt – Die Industrieruine ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT ZEW

Der Elektrobetrieb entstand auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerkes III in Hettstedt – unmittelbar an der Wipper in der Nähe der Bleihütte. Im Jahre 1907 erfolgte der Bau einer elektrischen Schaltstation für die nahegelegene Kupferkammerhütte, die eine Gesamtleistung von etwa 3.000 Kilowatt hatte [1]. Mit der zunehmenden Elektrifizierung der Industriebetriebe innerhalb der MANSFELD wurde auch eine planmäßige Instandhaltung der Kabelführungen, Schaltanlagen und Elektromotore erforderlich. Nach Überlieferung von Zeitzeugen wurden Elektromotore im Keller des Kraftwerkes III neu gewickelt.


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Das Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem Mangel an Material und Fachkräften stellte den Elektrobetrieb vor besondere Herausforderungen. Die verbliebenen Fachkräfte mussten bereits 1948 einen Generator mit 10 kV Spannung und einer Leistung von 2.500 KW neu wickeln. Der Generator war zuvor durch einen Blitzschlag beschädigt worden. Das Vorhaben war ein Erfolg. Auch nach den großen Wassereinbrüchen in den Schächten des VEB MANSFELD KOMBINAT WILHELM PIECK in den 1950er Jahren konnten die Mitarbeiter immer wieder bei Großreparaturen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Ende der 1950er Jahre wurde der Schwerpunkt des Elektrobetriebes immer mehr auf die Instandhaltung und Reparatur gelegt. Große Teile des Kraftwerkes wurden stillgelegt. Die Versorgung mit Strom hatte sich normalisiert und so war die Stilllegung eine Entscheidung des kostenbewussten Wirtschaftens des Kombinates. Am 1. Juli 1961 wurde das Kraftwerk III aus den Kraftwerksbetrieben des VEB MANSFELD KOMBINAT ausgegliedert und als neuer selbständiger Betrieb innerhalb des Kombinates weitergeführt. Der neue Betrieb erhielt den Namen ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT – auch kurz ZEW genannt.

Die Hauptaufgabe der ZEW lag in den Anfangsjahren weiterhin in der Instandhaltung und Reparatur von Elektromaschinen und Elektroanlagen. Es wurde aber bereits – allerdings in bescheidenem Umfang mit dem Neubau von Elektroanlagen begonnen. Der Betrieb hatte in diesen Jahren etwa 150 Mitarbeiter. In den nächsten Jahren wandelte sich das Aufgabenspektrum der ZEW. Gründe lagen in der langsamen Einstellung der Schächte im Mansfelder Revier und der immer stärkeren Automatisierung der Hütten und der metallverarbeitenden Betriebe des VEB MANSFELD KOMBINATES. In die ZEW wurden die Mitarbeiter der Funkwerkstatt sowie weitere Fachkräfte aus den stillgelegten Schächten übernommen. Die Mitarbeiterzahl stieg auf 270 im Jahre 1967.

1968 wurde der Betrieb in ELEKTROWERKSTATT umbenannt. Innerhalb kurzer Zeit stieg die Zahl der Beschäftigten auf über 500 an. Zu dieser Zeit begann die Produktion von Gesprächszählern für Telefonanlagen und Schweissgeräten. Da die vorhandenen Räumlichkeiten bald nicht mehr ausreichten und eine Vergrößerung des Geländes in Hettstedt wegen der Lage nicht möglich war, wurden vorhandene Gebäude auf dem OTTO-BROSOWSKI-SCHACHT genutzt. Dort wurden unter anderem Schaltschränke – später auch für Industrieroboter – gebaut.

Der Elektrobetrieb wurde 1967 in das WERK ANLAGEN UND GERÄTEBAU des VEB MANSFELD KOMBINAT WILHELM PIECK eingegliedert [2]. Mit der Währungsunion mit der Bundesrepublik im Jahre 1990 wurde das WERK ANLAGEN UND GERÄTEBAU in die MANSFELD MASCHINEN UND ANLAGENBAU GmbH überführt. Träger war die MANSFELD AG. Damit begann das schnelle Ende eines großen Teils der Betriebe.

Sie waren auf Grund ihrer historischen Entwicklung stark auf die Belange des ehemaligen MANSFELD KOMBINAT mit den Schächten, den Hütten und den Gieß- und Walzwerken ausgerichtet. Zwischen 1990 und 1993 sank die Zahl der Beschäftigten von einst 3.750 auf nur noch 300. Ein Neustart als ingenieur- und fertigungstechnisch breit aufgestellter Anlagenbaubetrieb scheiterte an der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland Anfang der 1990er Jahre. An Die ZEW steht seitdem leer und verfällt.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT - ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT – ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT - ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT – ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT - ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT – ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT - ZEW.

Bilder: Die Ruinen des ehemaligen Betriebes ZENTRALE ELEKTROWERKSTATT – ZEW.

  1. Die heute für einen Industriebetrieb nicht groß erscheinende elektrische Leistung von 3 Megawatt muss man im Kontext jener Zeit sehen. Ein Großteil der Antriebsleistung der Werkstätten wurde nach wie vor durch Dampfmaschinen zentral erzeugt und durch Transmissionsriemen auf einzelne Maschinen verteilt. []
  2. Das Werk Anlagen- und Gerätebau gliederte sich in folgende Unterbetriebe und Standorte:

    • Maschinenbetrieb in Hettstedt (ehemalige Saigerhütte) mit den Betriebsteilen in Sandersleben (ehemalige Ludwigshütte) und Ernst-Thälmann-Schacht
    • Elektrobetrieb in Hettstedt mit dem Betriebsteil auf dem Otto-Brosowski-Schacht
    • Automatisierungsbetrieb auf dem Max-Lademann-Schacht mit dem Betriebsteil in Eisleben
    • Baubetrieb in Klostermansfeld mit Oberbauleitungen in verschiedenen Betrieben
    • Stahlmöbelbetrieb auf dem Fortschritt-Schacht
    • Hauptkonstruktionsbüro in Eisleben mit vier Konstruktionsabteilungen in verschiedenen Betrieben
    • Berufsschule in Hettstedt

    Im Juni 1990 hatte das Werk Anlagen- und Gerätebau 3.750 Beschäftigte.

    []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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