Hettstedt – Die Kirche St. Jakobi

Eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Wipperstadt Hettstedt ist zweifellos die Kirche St. Jakobi im Zentrum unmittelbar am Markt. Der spätgotische Kirchenbau mit der barocken Turmhaube hat für protestantische Verhältnisse eine ungewöhnliche reiche Innenausstattung. Alte Urkunden nennen bereits 1123 einen Pfarrer in Hettstedt, das damals allerdings noch keine Stadtrechte hatte. Die Nennung einer Pfarrstelle lässt den Schluss zu, dass auch eine entsprechende Kirche bestanden hat.


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Das Patronatsrecht über die Hettstedter Kirche wurde übrigens vom jetzt wüsten Dorf Wesenstedt aus ausgeübt. 1357 erklärte sich die Äbtissin des Stiftes St. Servatius in Quedlinburg für das Patronat zuständig. Die Kirche war zu dieser Zeit übrigens noch nicht dem Heiligen Jakobus dem Älteren geweiht, sondern St. Georg, der ja auch der Schutzpatron Mansfelds ist. Erst eine Urkunde des Jahres 1494 erwähnt St. Jakobus als Schutzheiligen. Wie die alte Kirche ausgesehen hat, ist heute nicht mehr nachvollziehen.

Bild: Die Marktkirche St. Jakobi ist eines der Wahrzeichen der Stadt Hettstedt. © 2006 by Bert Ecke.

Bild: Die Marktkirche St. Jakobi ist eines der Wahrzeichen der Stadt Hettstedt.
© 2006 by Bert Ecke.

Im Jahre 1418 begannen die Bürger Hettstedts mit dem Bau einer neuen Kirche. Zuerst wurde – wie allgemein üblich – der Chorraum aufgeführt. 1429 wurde der Chorraum geweiht. 1428 wurde mit dem Bau des Glockenturmes begonnen. Der Bau des Kirchenschiffes wurde jedoch erst 1445 angefangen. Zwischenzeitlich, im Jahre 1434 verleibte sich Hettstedt die Pfarrkirche und das Kirchengut des mittlerweile wüst gewordenen Dorfes Wesenstedt ein. Die Einkünfte des Gutes kamen zum Teil dem ehrgeizigen Kirchenneubau zu Gute. Ungewöhnlich ist , dass 1475 die Spitze des Glockenturmes vollendet wurde. Erst vier Jahrzehnte später, im Jahre 1517, waren auch die Bauarbeiten im Bereich des Kirchenschiff beendet. Die Kirche erhielt 1482 eine neu gegossene Glocke, die jedoch schon im Jahre 1514 zersprang.

Bild: Die Kirche St. Jakobi zu Hettstedt in einer historischen Zeichnung vom Ende des 19. Jahrhundert. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Kirche St. Jakobi zu Hettstedt in einer historischen Zeichnung vom Ende des 19. Jahrhundert.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Die lange Zeitspanne des Kirchenbaues lässt sich aus der Geschichte Hettstedts erklären. 1430 begannen die Hettstedter mit dem Bau ihrer Stadtbefestigung. Hettstedt wurde im 14. Jahrhundert in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Regenstein und den Bischöfen von Halberstadt hineingezogen. Durch die Stadtmauer erhofften sich die Bürger einen größeren Schutz. Dafür jedoch waren nicht unbeträchtliche finanzielle Mittel erforderlich. Dazu kam im Jahre 1436 eine kriegerische Auseinandersetzung mit den Grafen von Mansfeld, nachdem die Hettstedter Bürger die Wasserburg auf dem heutigen Busbahnhof besetzten.

Bild: Die Kirche St. Jakobi am Markt zu Hettstedt.

Bild: Die Kirche St. Jakobi am Markt zu Hettstedt.

Die Grafen versuchten, auf rechtlichem Wege wieder in den Besitz ihrer Burg zu kommen. 1439 eroberten, nachdem keine gütliche Einigung mit den Hettstedter Bürgern zustande kam, die Mansfelder Grafen die Stadt. Ihre neu errichtete Mauer konnte dem Ansturm des 8000 Mann starken Heeres der Grafen von Mansfeld und des Kurfürsten von Sachsen nur einen Tag widerstehen. Die Mansfelder holten sich das Geld, das sie dem Kurfürsten für die Waffenhilfe zu zahlen hatten, von den Bürgern zurück. Der Stadt wurden sämtliche Privilegien entzogen, so dass sie zusehends verkahm. Erst 1453 wurden Hettstedt wieder einige Rechte eingeräumt. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Stadt wieder einigermaßen erholen konnte.

Der große Stadtbrand des Jahres 1697 verschonte auch die Jakobi-Kirche nicht. Nur ihre Grundmauern überstanden die Feuersbrunst. Selbst die Glocken schmolzen. Beim Wiederaufbau, der bis zum Jahre 1706 dauerte, bekam das Schiff – vermutlich wegen fehlender finanzieller Mittel – eine flache Holzdecke. Der Turm bekam seine charakteristische barocke Haube. Bei Umbauarbeiten im Jahre 1837 und später 1905 erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen.

Bilder: Die Kirche St. Jakobi in Hettstedt.
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Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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