Hilde Benjamin – Die ROTE HILDE oder ROTE GUILLOTINE

Hilde Benjamin wurde am 2. Februar 1902 als Hilde Lange in der Industriestadt Bernburg an der Saale geboren. Ihr Vater war kaufmännischer Angestellter und das Elternhaus galt als liberal und weltoffen, die Familie hatte noch zwei weitere Kinder. Hilde Benjamin war eine der brutalsten Richterinnen in der DDR und stand den Richtern im Dritten Reich in nichts nach. Nach ihrem Abitur studierte sie von 1921 bis 1924 in Berlin, Heidelberg und Hamburg Jura. 1926 heiratete sie Georg Benjamin, der gemeinsame Sohn Michael kam im Jahr 1932 zur Welt.

Bild: Die Industriestadt Bernburg am Abend. Bernburg ist die Geburtsstadt der Richterin Hilde Benjamin - auch ROTE HILDE oder ROTE GUILLOTINE genannt.

Bild: Die Industriestadt Bernburg am Abend. Bernburg ist die Geburtsstadt der Richterin Hilde Benjamin – auch ROTE HILDE oder ROTE GUILLOTINE genannt.

1927 wurde sie Mitglied in der KPD und nach mehreren Referendarstellen arbeitete sie ab 1928 in Berlin Wedding bei der Roten Hilfe und vertrat unter anderem einen der Angeklagten im Mordfall HORST WESSEL. Nach ihrem 1933 ergangenen Berufsverbot arbeitete sie unter allem in der sowjetischen Botschaft in Berlin als Rechtsberaterin. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde sie in der Konfektionsindustrie dienstverpflichtet. Ihr Mann Georg Benjamin kam im Jahre 1942 im KZ Mauthausen im heutigen Österreich ums Leben. 1946 trat sie der SED bei und war von 1949 bis 1953 Vizepräsidentin des Obersten Gerichtes der DDR. Bei den berüchtigten WALDHEIMER PROZESSEN gegen Kriegsverbrecher und Nazigrößen, in den aber auch vollkommen unbescholtene Bürger zu extremen Haftstrafen sowie zur Todesstrafe verurteilt wurden, trat sie als Beraterin auf und unterdrückte massiv die wenigen Richter, die einen gerechten Prozess forderten.

Später trat sie selbst als Richterin bei Schauprozessen gegen die Opposition in der DDR auf. In der ehemaligen DDR wurde sie unter vorgehaltener Hand nur ROTE HILDE oder BLUTIGE HILDE oder auch ROTE GUILLOTINE genannt. Dieser Ruf hängt ihr bis heute an. Man muss Hilde Benjamin in diesem Zusammenhang aber auch ihre eigenen Erfahrungen mit dem NS-Regime zugutehalten: Während der unsagbaren Verhältnisse zur Zeit des Dritten Reiches hatte sie schwere Schicksalsschläge zu ertragen. Ihr Schwager Walter beging 1940 auf der Flucht aus dem besetzten Frankreich an der französisch-spanischen Grenze Selbstmord – und Ihr Mann Georg Benjamin kam 1942 im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben [1].

Bild: Portrait der Hilde Benjamin. © Copyright by the Deutsche Fotothek of the Saxon State Library (SLUB).

Bild: Portrait der Hilde Benjamin.
© Copyright by the Deutsche Fotothek of the Saxon State Library (SLUB).

Hilde Benjamin war von 1949 bis 1967 Abgeordnete der Volkskammer und seit 1953 Justizministerin der DDR als Nachfolgerin des in Ungnade gefallenen Max Fechner [2]. Benjamin beschäftigte sich als Leiterin einer Kommission mit der Ausarbeitung des neuen Strafgesetzbuches, des Jugendgerichtsgesetzes sowie der Strafprozessordnung. Aus GESUNDHEITLICHEN GRÜNDEN wurde sie 1967 von Walther Ulbricht zum Rücktritt gezwungen, konnte aber ihre juristische Karriere in der DDR weiter fortsetzen und wurde später Leiterin des Lehrstuhls GESCHICHTE DER RECHTSWISSENSCHAFTEN an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR in Potsdam Babelsberg.

Hilde Benjamin starb am 18. April 1989 in Berlin. Beim Volksaufstand 1953 stand sie einem Krisenstab vor der die Urteile schon vor den eigentlichen Gerichtsprozessen fällte und den Gerichten vor Beginn der Verhandlungen mitteilten. In Fällen, wo sie sich nicht sicher war ihre Kompetenzen zu überschreiten, hielt sie erst Rücksprache mit dem Zentralkomitee der SED.

Externe Links:
Prof. Dr. Hilde Benjamin – JURISTISCHE FAKULTÄT HU BERLIN
http://akj.rewi.hu-berlin.de/zeitung/04-1/pdf/biogr.pdf
Georg Benjamin – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Benjamin
Walter Benjamin – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Benjamin
Horst Wessel – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Wessel
Waldheimer Prozesse – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Waldheimer_Prozesse

  1. In den damaligen Briefen an die Angehörigen der verstorbenen Insassen der Konzentrationslager stand oft, dass der Insasse trotz bester Pflege an Herzversagen oder einer Seuche gestorben war. Zumindest in den ersten Jehren waren diese Todesnachrichten vom Kommandanten des Konzentrationslagers unterschrieben. Das ganze war natürliche eine Lüge, denn alle Konzentrationslager waren letztlich Vernichtungslager. Als Lektüre sei das Buch AUSCHWITZ IN DEN AUGEN DER SS empfohlen (KRAJOWA AGENCIA WYDAWNINICZA KATOWICE 1981). []
  2. Max Fechner (1892-1973) ist nach dem Volksaufstand in Ungnade gefallen, weil er sich dafür aussprach, die streikenden Arbeiter nicht zu verfolgen. Infolge dessen wurde er aus der Partei ausgeschlossen und zu einer 8-jährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Im Jahre 1956 wurde er aus der Haft entlassen und wurde nach zwei Jahren wieder Parteimitglied. Im Jahre 1967 erhielt er den VATERLÄNDISCHEN VERDIENSTORDEN und fünf Jahre später auch den KARL-MARX-ORDEN, beide waren eine der höchsten Auszeichnungen der DDR. Nach der politischen Wende entdeckte man in den Akten der Staatssicherheit, dass er auch wegen seiner Homosexualität verurteilt wurde. []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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