Mansfeld – Eine kurze Geschichte von Burg, Festung, Schlosskirche und neogotischem Schloss

Auf einem Bergsporn über dem beschaulichen Städtchen Mansfeld liegt das Schloss Mansfeld. Sein Alter ist heute nicht mehr genau zu bestimmen. Allerdings wird bereits um die Mitte des 10. Jahrhunderts ein Adliger Hoyer von Mansfeld erwähnt. Dies kann als Hinweis dafür gelten, dass schon um diese Zeit eine befestigte Anlage vorhanden war, denn der Adel pflegte sich nach dem Stammsitz zu benennen. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts muss die Burganlage eine beträchtliche Größe aufgewiesen haben – es waren neben anderem Personal auch zwei Ärzte auf der Burg. Außerdem war die Burg ungewöhnlich stark befestigt, denn im 14. Jahrhundert widerstand die Burg mehreren Belagerungen.


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Burg, Festung und Schloss Mansfeld

Den Grafen von Mansfeld war reicher Kindersegen beschieden, was sich im Laufe der Jahre zu einem Problem entwickelte. Anfang des 16. Jahrhunderts kam es zur ersten Erbteilung, bei der die Grafschaft in drei Teile aufgeteilt wurde. Neben dem Schloss Mansfeld blieben auch Jagd, Fischerei und der Bergbau im gemeinsamen Besitz. Im 16. Jahrhundert tauchten zum ersten Male die Namen Vorderort, Mittelort und Hinterort für die drei Schlösser auf. Der Vorderort wurde rot, der Mittelort gelb und der Hinterort blau angestrichen. Gleichzeitig wurde die Befestigung erweitert und den neuen militärischen Erfordernissen angepasst. Damit wurde die größte Festungsanlage im mitteldeutschen Raum geschaffen.

Bild: Das Schloss Mansfeld von der Rabenskuppe aus gesehen.

Bild: Das Schloss Mansfeld von der Rabenskuppe aus gesehen.

Da einerseits die wirtschaftlichen Rahmenbedingen der Kupfer- und Silbergewinnung, von der die Grafen ja hauptsächlich lebten, sich ständig verschlechterten und andererseits der Kinderreichtum der Grafen zu immer neuen Problemen führte, steuerte die Grafschaft und damit auch die Festung unaufhaltsam dem Untergang entgegen. 1570 wurde die Vorderortsche Linie sequestriert. Eine Kommision stellte Schulden in Höhe von fast 2,75 Millionen Gulden fest. Da die ebenfalls verschuldeten Linien vom Mittel- und Hinterort nicht zahlen konnten, erzwangen die Gläubiger der sechs Grafen von Manfeld-Vorderort 1570 die Zwangsverwaltung dieses Teiles der Grafschaft. Der nicht ganz so hoch verschuldete Mittel- und Hinterort wurde unter Landesverwaltung gestellt, damit die Schulden aus den Einkünften der Grafen abgetragen werden konnten. Die Grafen bewohnten ab diesem Zeitpunkt die in der Festungsanlage gelegenen Schlösser nur noch als Privatpersonen.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Im Dreißigjärigen Krieg [1] wechselte die Festung mehrfach die Besitzer. Die Festung wurde stets durch vertragliche Regelungen oder List übergeben. Es gelang nie, sie im Sturm zu erobern. Selbst der schwedische General Wrangel biss sich mit seiner Kriegskunst an der Festung 1636 die Zähne aus, konnte aber nach längerer Belagerung eine Übergabe erzwingen. Die Festung blieb dann bis zum Ende des Krieges in schwedischer Hand. Im August 1650 wurde die Festung wieder den Mansfelder Grafen übereignet. Auf die Bewohner der Grafschaft muss die Festung nicht nur durch ihre äußere Gestalt bedrohlich gewirkt haben, denn sie klagten über die hohen Abgaben, die sie zum Erhalt von Festung und Garnison aufbringen mussten.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Tatsächlich wurde am 1. Juni 1774 mit dem Abtragen der Festungsanlagen begonnen, die noch vorhandenen Geschütze wurden nach Leipzig gebracht. Bis Ende November 1774 sollen täglich 430 Menschen mit den Abbrucharbeiten beschäftigt gewesen sein. Das Schloss verfiel in der Folgezeit zusehends. Der letzte lutherische Graf, der auf Vorderort lebte und 1710 dort starb, ließ bewußt den Mittel- und Hinterort verfallen. Das Schloss wurde später dem Fürstlich Mansfeldischen Oberforstmeister von Trebra zur Wohnung überlassen. Nach dem Tode des letzten Mansfelder Grafen Johann Wenzel Nepomuck – er verunglückte 1780 mit der Kutsche – wurde Schloss Mansfeld Eigentum des Königs von Preußen.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

1790 wurde das Schloss an den preussischen Bergrat Bückling verkauft. Dieser ließ die letzten Reste der des Schlosses abreißen und erbaute ab 1795 ein neues Wohnhaus an der Stelle, an der der Vorderort stand. Der Bau muss ausgesprochen hässlich gewesen sein, denn über ihn wurde gesagt, dass er zur Umgebung passe, wie ein Eselskopf auf den Rumpf eines edlen Rosses. Die Familie von der Recke, die 1856 in den Besitz des Schlosses gelangte, ließ dann auch den Bau Bücklings abreißen und ein Schloss im Neugotischen Stil aufbauen, dass sich auch heute noch ausgesprochen harmonisch in die umgebende Landschaft einfügt. 1946 wurde die Familie von der Recke im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet und das Schloss wurde Volkseigentum. Seit 1947 wird das Schloss von der evangelischen Kirche Deutschlands als Jugendbildungs- und Begegnungsstätte genutzt.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

Bild: Impressionen vom Schloss zu Mansfeld.

 

Die Schlosskirche zu Mansfeld

Bild: In der Schlosskirche zu Mansfeld.

Bild: In der Schlosskirche zu Mansfeld.

Mit den weitreichenden Umbauten des Schlosses Mansfeld des 15./16. Jahrhunderts entstand die im spätgotischen Baustil errichtete Schlosskirche, die heute das äußere Erscheinungsbild des gesamten Schlosses dominiert. Genaue Baudaten wurden aber nicht überliefert. Wahrscheinlich gab es aber schon einen Vorgängerbau, denn bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 1229 wurde ein Kaplan auf der damaligen Burg erwähnt. Geweiht ist die Kirche dem Schutzpatron Mansfelds, dem heiligen Georg, und der Mutter Maria. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Bausubstanz der Kirche immer wieder verändert worden. Die Kirche war schließlich Teil einer Festungsanlage und musste dementsprechend in das Verteidigungssystem einbezogen werden. 1907 und dann wieder 1947 wurde der Kirchenbau umfassend restauriert. Dennoch ist der Charakter der Ausstattung aus der Zeit des Überganges von der Spätgotik zur Frührenaissance bis in unsere Zeit nicht verloren gegangen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Grafen von Mansfeld in Glaubensfragen durchaus uneinig waren. Bereits Graf Albrecht VII. von Mansfeld-Vorderort war einer der größten Verfechter der Reformation und der Lehre Martin Luthers. Wahrscheinlich lernte er Luther bereits 1516 kennen. Auch sein Bruder Gebhard VII. war der Reformation zugeneigt. Ihr Vetter, Hoyer VI. von Mansfeld-Vorderort, blieb dagegen bis zu seinem Tode im Jahre 1540 streng katholisch. Auch andere Mansfelder Grafen blieben in späteren Zeiten katholisch [2]. Die Schlosskirche enthält neben weiteren interessanten Ausstattungsgegenständen einen bemerkenswerten Flügelaltar aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren. Der Altar wurde etwa 1520 durch einen Schüler Cranachs angefertigt. Auffällig ist die besonders künstlerische Ausführung der Bildtafeln im Stil der Renaissance.

Externe Links:
Lucas Cranach – CRANACH STIFTUNG
http://www.cranach.de
Lucas Cranach – ÖKUMENISCHES HEILIGENLEXIKON
http://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Lukas_Cranach.html
Lucas Cranach – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Lucas_Cranach_der_Ältere
Martin Luther – ÖKUMENISCHES HEILIGENLEXIKON
http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martin_Luther.html
Martin Luther – WIKIPEDIA
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther

  1. Der Dreißigjährige Krieg begann am 23. Mai 1618 mit dem Prager Fenstersturz. Er war eigentlich eine Folge einzelner Kriege an denen sich fast alle westeuropäischen Staatengebilde beteiligten. In seiner Anfangsphase ging es vor allem um konfessionelle Fragen, die durch die Reformation ausgelöst wurden. Im Verlaufe des Krieges nahmen auch nichtdeutsche Anhänger des Katholizismus und des Protestantismus an den Kriegshandlungen teil, was zu einer starken Ausweitung des Krieges führte. Im weiteren zeitlichen Verlauf wurde immer mehr die machtpolitische Komponente des Krieges herausgestellt. Es waren insbesondere die Rivalitäten der nordischen Staaten und Frankreichs gegenüber der deutschen Krone, aber auch territorialdynastische Rivalitäten sowie die Stellung der Stände zum Reich, die auf dem Rücken der deutschen Bevölkerung ausgetragen wurden. Die Folgen für Deutschland waren verheerend: die Bevölkerung ging um gut ein Drittel zurück. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erreichte einen Tiefststand. Der Dreißigjährige Krieg wurde durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück am 24. Oktober 1648 formal beendet. Die Macht des Kaiser wurde zugunsten der Stände geschwächt und die Zersplitterung des Reiches in souveräne Einzelstaaten zementiert. Die Folge war ein Machtvakuum in Deutschland, das bis 1806 anhielt und weitere Kriege nach sich zog. []
  2. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Gruppe hielt die Grafen von Mansfeld aber nicht davon ab, ihre Dienste demjenigen zur Verfügung zu stellen, von dem sie sich die größten Vorteile versprachen. Sowohl im Schmalkaldischen Krieg, dem ersten Glaubenskrieg in Deutschland, als auch im Dreißigjährigen Krieg kämpften die Grafen oft unabhängig von ihrer Konfession. Eine Ausnahme bildete hier Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort. Er stand immer zum Protestantismus und brachte für diesen Glauben große persönliche Opfer. Seine Frau verlor bei einem Beschuss der Festung Magdeburg, die er verbissen gegen katholische Truppen verteidigte, ein Bein. Einige seiner Söhne fielen in den zahlreichen Schlachten, die zwischen Katholiken und Protestanten geschlagen wurden. []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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