Rammelburg – Eine kurze Geschichte des Schlosses im Unterharz

Fährt man auf der Bundesstraße B242, der Harzhochstraße, in Richtung Harzgerode, so fällt im Unterharz zwischen dem Ort Saurasen und der Abzweigung nach Wippra das inmitten bewaldeter Berge malerisch gelegene Schloss Rammelburg auf. Der Hof des hoch über dem Flüsschen Wipper gelegenen Schlosses Rammelburg, das sich im Stil der Renaissance präsentiert, weist die Form eines unregelmäßigen Viereckes auf. Von ursprünglich zwei Bergfrieden ist lediglich einer erhalten, der heute als Uhrenturm dient. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss in den Jahren zwischen 1901 und 1903, nachdem es 1894 teilweise einem Brand zum Opfer gefallen war.


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Ursprünglich gehörte die Rammelburg zur Freiherrschaft Biesenrode, deren Besitzer aus einer Nebenlinie der Grafen von Arnstein hervorgingen. Nach dem Aussterben der Edelherren von Biesenrode kam die Herrschaft wiederum an die Grafen von Arnstein, die wahrscheinlich auch Erbauer der Rammelburg waren. Den Arnsteinern hat die Rammelburg vermutlich zuerst als geringfügig und vielleicht nur mit Palisaden befestigtes Jagdschloss gedient.

Bild: Schloss Rammelburg in einer historischen Abbildung aus den Jahren vor 1901. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Schloss Rammelburg in einer historischen Abbildung aus den Jahren vor 1901.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Die Geschichtsschreibung der Rammelburg und des mit ihr verbundenen gleichnamigen Ortes begann im Jahre 1259, als Erzbischof Rudolf von Magdeburg erklärte, sein Vorgänger habe einen Teil der Burg käuflich von den Grafen von Arnstein erworben. Die Arnsteiner legten Widerspruch gegen diese Art der Besitzergreifung ein. Sie kamen zwar nicht wieder in Besitz der Burg, erhielten aber zum wirtschaftlichen Ausgleich zwei Höfe im Dorf Rammelburg zur Nutzung angewiesen.

Im Jahre 1296 kam die Rammelburg an die Grafen von Falkenstein und 1334 an die Grafen von Reinstein (oder: Regenstein). Der Graf von Regenstein besetzte die Burg jedoch nur mit einem Ministerialen. Doch schon wenig später muss die Burg wieder an das Erzstift Magdeburg gefallen sein, denn 1440 erhielten die Grafen Volrad, Günther und Gebhart von Mansfeld durch Erzbischof Günther von Magdeburg die Rammelburg zum Lehen. Während einer der vielen Erbteilungen der Mansfelder Grafen kam die Rammelburg 1501 an die Linie von Mansfeld-Hinterort und damit 1579 unter kursächsische Oberlehenshoheit.

Da die Grafen von Mansfeld in ständiger Geldnot lebten, wurden Schloss und Teile des Amtes Rammelburg 1602 an Kaspar von Berlepsch verkauft. 1637 erfolgte ein Verkauf an die alteingesessene Familie von Stammer. Von den kriegerischen Auseinandersetzungen vergangener Jahrhunderte wurden Schloss und Amt Rammelburg weitgehend verschont. Nur einmal erfolgte eine kurze Belagerung des Schlosses. Herzog Heinrich von Braunschweig, ein erbitterter Gegner des der Reformation sehr zugetanen Grafen Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort, zog durch das Amt Rammelburg und plünderte einige Dörfer. Der dem Schloss vorgelagerte Wirtschaftshof wurde eingenommen und mit den Vorbereitungen zum Beschuss des Schlosses begonnen. Graf Albrecht übergab daraufhin sein Schloss, um größeren Schaden zu verhindern. Nach einer Aussöhnung mit dem braunschweigischen Herzog konnte er sein Schloss wieder beziehen.

Auch der Dreißigjährige Krieg ging schadlos am Schloss vorbei. Die umgrenzenden Orte hatten jedoch deutlich unter den Kriegsläufen mit ständig wechselnden Besatzern zu leiden. 1625 wurde dem Amt und seinen Bewohnern seitens des kaiserlichen Kriegsrates Albrecht von Wallenstein ein Schutzbrief ausgestellt, der Einquartierungen, Plünderungen und Requirierungen verhindern sollte. Dennoch forderten umliegende Regimenter einen beträchtlichen Beitrag an Naturalien und Geld zu ihrer Verproviantierung. Auch Einquartierungen und die berüchtigten Durchzüge der Söldnerheere – gelegentlich verbunden mit Plünderungen – konnten in späteren Jahren nicht verhindert werden. Hohe Gemeinderechnungen zeugen von der Trunksucht der durchziehenden Söldner. Dazu mussten die Heere samt Tross und Vieh versorgt werden. Deren Bedarf an Lebensmitteln und Viehfutter war immens. Nicht zuletzt wütete auch im Amt Rammelburg die Pest. Die Sterblichkeit war hoch: 1626 starben so viel Leute, wie normalerweise in zehn bis fünfzehn Jahren.

Im Jahre 1737 wurde die Familie von Friesen Eigentümer, dann 1903 die Familie von Heimburg. In den 1930er Jahren befand sich das Schloss Rammelburg mit den zugehörigen Ländereien im Besitz der Fürsten von Thurn und Taxis. Aber bereits 1941 wurde auf dem Schloss ein Heim für Witwen gefallener Offiziere eingerichtet. Nach dem Ende des Krieges wurden Flüchtlinge auf dem Schloss Rammelburg einquartiert. In den schweren Zeiten danach wurde eine Heilstätte für an TBC erkrankte eingerichtet. Ab 1969 wurden auf dem Schloss schwer geschädigte Kinder in einem Rehazentrum versorgt. Das Rehazentrum wurde 1995 nach Wippra verlegt, weil die Rammelburg verkauft werden sollte. Mittlerweile ist die Immobiliengesellschaft in Konkurs gegangen. Die Zukunft des Schlosses Rammelburg ist damit offener denn je. Dem Schloss bekommt der Leerstand nicht gut, sodass die Bausubstanz von Jahr zu Jahr mehr leidet. Besucher sind nicht willkommen. Für das Schloss besteht Betretungsverbot.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Bilder: Impressionen vom Schloss Rammelburg.

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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