Stolberg im Harz- Das Josephskreuz auf dem Auerberg

Der Auerberg bei Stolberg – der URBERG der frühen Siedler im Harz – erhebt sich fast 580 Meter über den Meeresspiegel. Für den Unterharz ist dies eine beträchtliche Höhe und so ist der Auerberg auch der Blickpunkt im Unterharz. Die exponierte Lage des Porhyrberges macht ihn für Beobachtungszwecke besonders geeignet. Aber erst aus dem 17. Jahrhundert ist ein Turm bekannt. Vielleicht war es ja der Aberglaube der Harzbewohner, der eine frühere Bebauung verhindert hat. Immerhin rastete – so der Volksglaube – die Wilde Jagd auf dem Berg. Tatsache ist, dass der Gipfel häufig von Orkanen und Unwettern heimgesucht wurde und wird.


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1768 ließ man den erwähnten Turm wegen seiner Baufälligkeit einstürzen. Der feingeistige Graf Joseph von Stolberg (1771-1839) beauftragte den Architekten Karl Friedrich Schinkel mit dem Bau eines neuen Turmes. Schinkel entwarf 1832 ein hölzernes Doppelkreuz. Bereits im Herbst 1833 konnte das Richtfest gefeiert werden. Eine Turmbesteigung fand einstweilen über Leitern statt, da Treppen fehlten. 1834 erhielt das Doppelkreuz den Namen Josephskreuz – Namensgeber war der oben erwähnte Graf Joseph von Stolberg. 1836 eröffnete dann der erste Gasthof auf dem Auerberg.

Der von Schinkel entworfene Turm trotzte 18 Jahre den Wettern, bis die Kreuzarme erneuert werden mussten. Der Tourismus auf dem Auerberg blühte erneut auf, bis ein starkes Gewitter im Frühsommer 1880 das Schinkelkreuz zerstörte. Erst 1896 fand die Grundsteinlegung für ein neu zu errichtendes Josephskreuz statt. Vor dem Hintergrund der Pariser Weltausstellung mit ihrem Wahrzeichen Eiffelturm, entwarf der Baurat Otto Beißwänger eine kühne und leicht wirkende Eisenkonstruktion, wobei er das Doppelkreuz Schinkels beibehielt. Am 9. August des Jahres war bereits die Einweihung.

Bild: Das Josephskreuz auf dem Auerberg bei Stolberg im Harz. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Das Josephskreuz auf dem Auerberg bei Stolberg im Harz.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Die beträchtlichen Baukosten teilten sich das Fürstenhaus zu Stolberg und der Harzklub. Die Eisengussteile – nur 123 Tonnen schwer – lieferte die Braunschweiger Dampfkessel- und Gasometerfabrik. Die Gussträger wurden mit 100.000 Nieten, die zum Teil von den Arbeitern in schwindelnder Höhe verarbeitet wurden, verbunden. In der DDR verfiel das Josephskreuz, trotz seiner Einstufung als Technisches Denkmal, zusehends. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Sicher war aber auch ein weltanschaulicher Aspekt dabei. 1987 wurde das Josephskreuz behördlich gesperrt.

1989 wurde mit der aufwändigen Restaurierung des Kreuzes begonnen. Die Mittel stammten aus einem Fond, der zur Verschönerung Stolbergs zu Ehren des 500. Geburtstages Thomas Müntzers bestimmt war. Am 28. August 1990 fand die Einweihung statt. Heute ist das Josephskreuz für jeden zugänglich. Dem schwindelfreien Besucher eröffnet sich von seinen Plateaus ein unvergleichlicher Blick über die Berge und Wälder des Harzes und seines Vorlandes [1]. Von der Spitze des Josephskreuzes kann man bei günstiger Witterung im Süden bis Erfurt und im Norden bis Magdeburg sehen.

  1. Wer das Josephskreuz bis zur letzten Plattform besteigen will, sollte wirklich schwindelfrei sein! Die Konstruktion wirkt tatsächlich äußerst luftig, so dass bereits der Aufstieg ein echtes Abenteuer ist. Dazu kommt, dass praktisch immer ein Wind weht, der das Eisengerüst deutlich arbeiten lässt. Der Ausblick entschädigt aber wirklich für den Aufstieg! []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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