Wimmelburg – Das ehemalige Kloster St. Cyriacus der Grafen von Mansfeld

In Wimmelburg sind gegenüber des modernen Einkaufsmarktes die Reste einer sehr alten Klosteranlage zu sehen. Mit diesen Resten hat es folgende Bewandtnis. Einst befand sich auf dem Friedrichsberg – das ist die nördlich des Ortes gelegene Anhöhe – eine Burg. Die Burg muss bereits sehr früh gegründet worden sein, denn Urkunden belegen den Tod eines Pfalzgrafen Siegfried von Sachsen im Jahre 1034. Nur kurze Zeit später wurde die Burg durch die Gräfin Christina von Mansfeld – sie war vermutlich die Schwester des Pfalzgrafen Siegfried und die Frau des Grafen Hoyer I. von Mansfeld – in ein Kloster umgewidmet.


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Das Kloster wurde wie viele Sakralbauten in der Harzregion des 11. Jahrhunderts dem Heiligen Cyriacus geweiht und zwischen 1060 und 1070 in ein Benediktinerkloster überführt. Das Kloster hatte an dieser Stelle Bestand bis in das Jahr 1121. In dem Jahre wurde das Kloster an die jetzige Stelle im Tal verlegt. Dies geschah auf Wunsch des damaligen Abtes aus mehreren Gründen und mit der Zustimmung des Bischofs von Halberstadt. Das raue Klima, der steile Anstieg aber auch häufige Überfälle durch Räuberbanden veranlasste die Mönche, ihr altes Kloster zu verlassen.

Bild: Die Reste des Klosters der Benediktiner zu Wimmelburg mit der Kiche St. Cyriacus.

Bild: Die Reste des Klosters der Benediktiner zu Wimmelburg mit der Kiche St. Cyriacus.

Ab dem Jahre 1162 durften die Äbte des Klosters zu Wimmelburg mit Erlaubnis des Papstes die Mitra tragen. Das Kloster erhielt im Laufe der Jahre die Patronatsrechte über die Kirche St. Vincentii zu Wimmelburg, St. Cyriacii zu Wolferode, die Kirchen der heute wüsten Orte Erwinsrode, Klein-Eisleben und Hohenwarthe sowie St. Petri zu Eisleben. Vögte des Klosters waren mindestens seit Anfang des 14. Jahrhunderts die Grafen von Mansfeld. Im Jahre 1491schloss sich das Kloster der Bursfelder Kongregation an [1].

Im späten Mittelalter war das stattliche Kloster zu Wimmelburg ein bekannter und vielbesuchter Wallfahrtsort. Dem Stiftspatron des Klosters – dem Heiligen Cyriacus -wurde die Eigenschaft nachgesagt, vom Teufel Besessene zu heilen – so wie er überhaupt als Schutzpatron gegen den Einfluss böser Geister galt. Das Vespergeläut der Cyriacusglocke muss daher auf viele Menschen eine magische Anziehungskraft ausgeübt haben, denn die Bergänge um Wimmelburg sollen zu manche Zeiten dicht belagert gewesen sein.

Bild: Der Grundriss der ehemaligen Klosterkirche zu Wimmelburg in einer historischen Abbildung vom Ende des 19. Jahrhunderts. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Der Grundriss der ehemaligen Klosterkirche zu Wimmelburg in einer historischen Abbildung vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Während des Mitteldeutschen Bauernkrieges wurde das Kloster zu Wimmelburg, so wie alle Klöster in der Grafschaft Mansfeld, von den aufständischen Bauern geplündert. Kurze Zeit später wurde das Kloster durch die Grafen von Mansfeld Mittel- und Hinterort säkularisiert und in ein Amt umgewandelt. Verbunden mit der Säkularisierung war die Umwandlung der Klosterkirche in eine evangelische Kirche, so wie überhaupt Wimmelburg und das nur unweit liegende Wolferode evangelisiert wurde.

Im 16. und 17. Jahrhundert wechselten die Besitzer des Amtes Wimmelburg sehr häufig, auch bedingt durch die hohe Verschuldung der Grafen von Mansfeld-Hinterort. So fand sich unter den Besitzern unter anderem auch Graf Wolf von Barby als einer der Gläubiger der Grafen von Mansfeld unter den Inhabern des Amtes Wimmelrode. Das Amt muss sehr ertragreich gewesen sein sein, denn im November des Jahres 1645 vertrieben Hans und Andreas Stolle den bisherigen Besitzer Christoph von Hagen von seinem Besitz, mussten das Amt aber nur einem Monat später wieder zurück geben.

Der 10. Januar 1680 war für das Kloster ein rabenschwarzer Tag: An diesem Tag brach irgendwo im Gebäudekomplex ein Feuer aus. Bis kurz vor 18 Uhr hatte das Feuer ein Ausmaß erreicht, dass es bis nach Eisleben zu sehen war. Diesem Feuer fiel ein Großteil des Kirchengebäudes zum Opfer und auch die bereits erwähnte Cyriacusglocke ging in der Glut verloren. Offensichtlich gab es aber nach dem verhängnisvollen Brand noch einen Versuch, die Klosterkirche wieder aufzubauen. Nach zeitgenössischen Quellen haben ein „Obr. Lieutenant v. Wobesser u. Zuthun der Kirchen nach und nach“ wieder versucht die Kirche aufzubauen (Quelle: Größler – siehe „Weiterführende Literatur“).

Was von der Klosterkirche wirklich wiederhergestellt wurde, ist heute nicht mehr wirklich nahvollziehbar. Wenn man sich aber die heutige Kirche aufmerksam ansieht, wird es wahrscheinlich nur eine notdürftige Reparatur eines kleinen Teiles der ehemaligen Kirche gewesen sein. Die Klosterkirche zu Wimmelburg dürfte damit ähnlich verstümmelt worden sein, wie die Kirche des ehemaligen Benediktiner-Klosters Konradsburg bei Ermsleben.

Was immer das Feuer vom Kloster übrig ließ und nicht repariert wurde hat der große Umbau des Amtes Wimmelburg im 18. Jahrhundert endgültig zerstört. Der damalige Besitzer, ein Herr von Pful, ließ sich unmittelbar an die Klosterkirche anschließend ein großes Herrenhaus errichten, das auch heute noch unbestritten ein Blickfang der gesamten Anlage ist. Das Wappen der Herren von Pful prangt auch heute noch stolz über der Toreinfahrt des Herrenhauses. Während dieser Zeit wurde auch der heute in Resten vorzufindende Park angelegt.

Von der einst großen und stattlichen Klosterkirche blieben nur noch traurige Reste übrig. Zu Zeiten der DDR wurde das ehemalige Amt schließlich von einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) genutzt. Die vorherigen Besitzer wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone enteignet. Vom eigentlichen Kloster sind heute nur noch wenige Reste erhalten. Dies sind der Hauptchor mit der zugehörigen Apsis, der nördliche Nebenchor mit der Apsis, die Vierung und der nördliche Querhausarm, dieser allerdings nur als Ruine. Auch die landwirtschaftliche Nutzung des Gebäudekomplexes zu Zeiten der DDR hat ihre Spuren hinterlassen.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Bild: Impressionen vom ehemaligen Kloster Wimmelburg.

Weiterführende Literatur:
Größler, A.; Brinkmann, A; Sommer, B:
Die Kunstdenkmale des Mansfelder Seekreises
Nachdruck der Veröffentlichungen 1879-1943
fliegenkopf verlag, Halle/Saale 2000
ISBN 3-910147-87-9

  1. Die Bursfelder Kongregation war ein Zusammenschluss von Klöstern der Benediktiner und Benediktinerinnen. In den Jahren 1440 bis 1446 vereinigten sich die Klöster Bursfelde, Clus, Reinhausen (bei Göttingen) und Huysburg zur Bursfelder Kongregation zusammen. In den Jahren bis 1508 schlossen sich alle Benediktinerklöster in West- und Mitteldeutschland der Bursfelder Kongregation an. Ziel der Kongregation war, die Ordensregeln des Heiligen Benedikt in der ursprünglichen Form wieder zur Geltung zu bringen und dies in den Klöstern durchzusetzen. []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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