Zappendorf bei Halle an der Saale – Die Betsäule

In den Tälern der Flüsschen Laweke und Salzke liegt die zum historischen Saalekreis gehörende Gemeinde Zappendorf. Der Ort wurde 1288 erstmals schriftlich erwähnt, ist aber sicher uralten Ursprunges. Zappendorf stand im Mittelalter ganz im Schatten des bedeutenderen, heute jedoch wüsten Flatersleben. Kirchlich gehörte Zappendorf zum benachbarten Müllerdorf. Cyriacus Spangenberg berichtete im 16. Jahrhundert über Zappendorf kurz und bündig: „Ist ein Filial, gen Müllerdorf gehörig. Sonst habe ich nichts Gedechtniswürdiges gefunden.“


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Dieser Aussage kann man heute so nicht mehr ohne weiteres zustimmen. Bemerkenswert ist einerseits die Betsäule am Ortsausgang von Zappendorf Richtung Köllme. Der etwa 4 Meter hohe Bildstock ist ist ein Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst. Mir persönlich ist keine weitere Betsäule im Harz und seinem linkssaalischen Vorland bekannt [1]. Die Geschichte der Betsäule liegt in völliger Dunkelheit. Auch die Inschrift

1*5*1*8
Nickel Kleyn
dem gott
gnade

hilft uns nicht wirklich weiter. Es bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen, ob jener Nickel Kleyn ermordet wurde, einem tragischen Unfall, einer Seuche oder einem Kriege zum Opfer fiel. Das Hauptbild der Bildsäule ist der das Kreuz tragende Jesus, der von einem Landsknecht in zeitgenössischer spätmittelalterlicher Tracht ausgepeitscht wird. Bemerkenswert an der Christusfigur sind die flatternden Bänder des Lendentuches. Josef hilft beim Tragen des Kreuzes. Die Gegenseite zeigt ebenfalls Jesus, diesmal bereits ans Kreuz geschlagen. Auf dieser Seite befindet sich auch die bereits erwähnte Inschrift.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf in einer historischen Abbildung. Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Bild: Die Betsäule von Zappendorf in einer historischen Abbildung.
Dieses Bild ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

1639 wurde der Bildstock ausgebessert. 1833 wurde er dann auch zum Wegweiser. Ohne den Bildstock zu zerstören wurden folgende Worte eingeschlagen: „Strasse nach Halle, bis Lieskau 1 Std.” Im Jahre 2004 wurde die Betsäule aufwändig restauriert und ihr Sockel wieder freigelegt.

Zum anderen bieten die Ortsteile Müllerdorf und Köllme, äußerst interessante romanische Kirchen. In der Kirche von Müllerdorf waren noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts Abgüsse von zwei Reliefs aus vorchristlicher Zeit zu sehen, die den guten Lubben (oder die gute Lubbe?) darstellen sollen. Der gute Lubbe ist eine Sagengestalt, die noch in christlicher Zeit durch Wallfahrten geehrt wurde.

Bild: Die Kirche zu Müllerdorf.

Bild: Die Kirche zu Müllerdorf.

Externe Links:
Die Internetseite der Gemeinde Zappendorf
www.zappendorf.de

  1. In Halle, allerdings schon auf der rechten Seite der Saale, befindet sich eine weitere Betsäule im kleinen Park am Universitätsring. Auch auf dieser Betsäule ist eine Kreuzigungsszene abgebildet. Vielen Dank für diese Information an einen aufmerksamen Besucher dieser Website aus Halle an der Saale. []

Über Birk Karsten Ecke

Geboren im Unterharz - wie fast jeder meiner Generation in Wippra / Südharz. Mein Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, dennoch fühle ich mich meiner "alten Heimat" dem Mansfelder Land sowie dem Harz und dem Harzvorland nach wie vor eng verbunden. Neben der Fotografie interessiere ich mich für die deutsche Geschichte von der Frühzeit bis in die Gegenwart.

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